Die diesjährige «Achterbahn»-Zuckerkampagne fand am 21. Februar gegen 1 Uhr morgens am Werk Frauenfeld ein Ende. In Aarberg wurde nach 141 Tagen die letzte Rübe bereits am 11. Februar verarbeitet. Die Kampagne wird der gesamten Branche mit dem Ausfall des Kalkofens in Frauenfeld in Erinnerung bleiben. «Alle halfen mit, die schwierige Situation zu meistern», sagt Raphael Wild, Leiter Kommunikation Schweizer Zucker AG. Von den Landwirten über die Transportorganisationen bis hin zu den Mitarbeitenden der Zucker AG.

Hoffnungsvoller Start im September

Der Start ab Mitte September 2025 in die Kampagne lief gut. Zuckergehalt sowie die Qualität der Rüben liessen auf eine erfolgreiche Kampagne schliessen. Auch die Wetterbedingungen waren günstig. Insgesamt konnten die Ernten unter guten Bedingungen eingebracht werden.

Tabelle: Zuckerrüben-Kampagne, ÖLN 2025/2026


 
Werk AarbergWerk Frauenfeld
Lieferungen 992’302 t893’019 t
Zucker15.3 %16.1 %
Gesamtabzug8.0 %8.9 %

Quelle: Zucker AG

Tabelle: Biorüben-Anfuhr


 
Bio SchweizBio Deutschland
Lieferungen 22’989 t78’926 t
Zucker14.3 %16.2 %
Gesamtabzug8.1 %6.0 %

Quelle: Zucker AG

Rund 1,5 Millionen t ÖLN-Rüben

Der Gesamtabzug lag insgesamt um 0,3 % unter dem Wert von 2024. Insgesamt hat die Schweizer Zucker AG nahezu 2 Millionen Tonnen Zuckerrüben übernommen. Daraus entstehen über 260'000 Tonnen Zucker. In der Schweiz konnten auf 17'157 ha im konventionellen Anbau knapp 1,5 Millionen Tonnen Rüben mit einem durchschnittlichen Zuckergehalt von 15,3 % geerntet werden. Daraus ergibt sich ein Zuckerertrag von 11,8 Tonnen pro Hektare. Das entspricht einer Steigerung von 3,2 t/ha gegenüber 2024. Auch der durchschnittliche Ertrag von 89 t/ha an sauberen Rüben sei erfreulich, teilt die Zucker AG mit und würden in die richtige Richtung, um einen Selbstversorgungsgrad von über 50 % zu erreichen.

Über 100 000 t Bio-Rüben

Rund 102’000 t Bio-Rüben wurden an das Werk Frauenfeld geliefert, davon stammten rund 23'000 t (22,6 %) aus der Schweiz, die restlichen kamen aus Deutschland. Der durchschnittliche Zuckergehalt betrug 15,7 %, der Gesamtabzug lag bei 6,5 %.

Rückblick auf die Rübenkampagne

Im Nachgang zur Kampagne 2025/26 äusserte sich auch CEO Oliver Nussli: «Etwas vom Gravierendsten, was passieren kann, war der Stillstand der Zuckerfabrik während der Kampagne.» Im September freute man sich auf eine ertragreiche Ernte. Dann kam der ominöse 23. November 2025, der alles änderte. Der Kalkofen in Frauenfeld, ein zentrales Element bei der Herstellung von Zucker, erlitt einen irreparablen Defekt – die Fabrik stand von einem Moment auf den anderen still.

Alternativlösung in Rekordzeit

Unverzüglich suchten die Verantwortlichen der Zucker AG nach einer Lösung. Mit der externen Zuführung von Betriebsmaterial, wie Branntkalk und flüssiges CO2, das normalerweise durch den Kalkofen selbst produziert wird, haben es die Verantwortlichen in sechs Wochen geschafft, die Produktion von Zucker wieder in Betrieb zu nehmen. «Der Ausfall und die Wiederinbetriebnahme der Fabrik waren das eine», ergänzt Raphael Wild. Vor- und nachgelagert hätte dieser Defekt einen immensen Aufwand an organisatorischen und logistischen Anpassungen erfordert. Dank dem Einspringen der «Seeländer» konnte die Kampagne stets am Laufen gehalten werden und es hat sich gezeigt, wie elementar wichtig zwei Zuckerfabriken in der Schweiz sind.

Von der Umstellung der Logistik waren primär auch die Landwirtinnen und Landwirte betroffen. Die Ernte- und Abfuhrpläne mussten angepasst werden und nicht wenige der Pflanzerinnen und Pflanzer bangten um die Abfuhr ihrer Rüben. Hier habe die Interprofession eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden.

Noch vor Ende Jahr hatte der Verwaltungsrat den Investitionsantrag im einstelligen Millionenbereich für einen neuen Ofen bewilligt und mit der Firma Maerz einen Schweizer Ofenbauer gefunden, der bis im September 2026 einen neuen Kalkofen in Frauenfeld bauen wird. CEO Nussli hält fest: «Wir setzen all unsere Kräfte dafür ein, dass die Pflanzer ihre Ernte auch im Jahr 2026 abliefern können.»