Es war ein gutes Rübenjahr. Nach einem bescheidenen Vorjahr dürfen die Pflanzer heuer mit den Erträgen zufrieden sein. Rund 100 t/ha wurden im Mittelland durchschnittlich gerodet. Auch der Zuckergehalt fällt um einiges besser aus als im letzten Jahr. «Im Werk Aarberg liegen wir aktuell bei einem durchschnittlichen Zuckergehalt von 15,3 %. 2024 waren es zur selben Zeit 14,3 %», erklärt Sonja Gosteli von der Schweizer Zucker AG. Auch der Fremdbesatz sei mit 7,6 % deutlich tiefer als im Vorjahr mit 9,1 %.
Extenso pro Parzelle statt Kultur
Auch politisch gebe es gute Nachrichten, so SVZ-Präsident Martin Flury an der Informationsveranstaltung im aargauischen Hendschiken. Die Einzelkulturbeiträge von 2100 Fr. pro Hektare, die Ende 2026 ausgelaufen wären, konnten künftig gesichert werden. Auch beim Grenzschutz werde es 2027 Änderungen geben. Während dieser heute abgesehen von kleinen Schwankungen fix bei 7 Fr. pro 100 kg Zucker liegt, soll er künftig je nach Zuckerpreis zwischen 0 und 14 Fr. variieren. Wichtig sei dies vor allem, wenn der Zuckerpreis auf dem Weltmarkt wie aktuell tief ist, damit nicht zu viel Zucker in die Schweiz importiert wird.
Pflanzenschutzmitteleinsatz abgestimmt auf die Parzelle
Ein weiteres wichtiges Thema sei die AP 2030. Rund die Hälfte der Schweizer Rüben wird mittlerweile nach Extenso-Richtlinien angebaut. Darin sieht der SVZ-Präsident sowohl Vor- als auch Nachteile. «Das ist gut für die Einzelkulturbeiträge. Andererseits brauchen wir auch mehr Rüben und Zucker», erklärt er.
Diskutiert werde derzeit über eine Splittung der Extenso-Beiträge. So soll es den Landwirten künftig möglich sein, nur auf eine Fungizid- oder auf eine Insektizidbehandlung zu verzichten und entsprechend tiefere Extenso-Beiträge zu erhalten. Zudem solle man sich nicht pro Kultur, sondern pro Parzelle für das Programm anmelden können. Damit wolle man parzellenspezifisch einen optimalen Schutz der Kultur sicherstellen. Auch in anderen Kulturen werde dieser Ansatz verfolgt.
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Mehr Schweizer Flächen, weniger deutsche Rüben
Während 2014 noch beide Zuckerfabriken vollständig mit Schweizer Rüben beliefert werden konnten, sank die Anbaufläche unter anderem aufgrund des schlechten Zuckerpreises und des Wegfalls von Gaucho auf rund 15 500 ha. Umso erfreulicher sei, dass die Fläche inzwischen wieder steigt. «Ziel muss sein, in Zukunft wieder beide Werke komplett mit Schweizer Rüben zu beliefern», so Flury.
Schon im kommenden Jahr könne die Fabrik die Menge an deutschen Rüben aufgrund der Flächenzunahme und der guten Erträge reduzieren. Man sei auf einem guten Weg, den Selbstversorgungsgrad von 50 % wieder zu erreichen und damit die Swissness-Anforderungen zu erfüllen, so Flury. Trotz der positiven Entwicklung sei das Ziel aber noch nicht erreicht und weitere Flächen seien weiterhin gesucht.
Der Kalkofen in Frauenfeld wird abgerissen
Das wohl brennendste Thema an der Veranstaltung dürfte der defekte Kalkofen in der Fabrik in Frauenfeld TG gewesen sein. Für eine Reparatur seien die Schäden zu gross, und es werde in den nächsten Tagen mit dem Abriss des Ofens begonnen, erklärt Lukas Aebi von der Schweizer Zucker AG. Der neue Ofen soll bereits 2026 gebaut werden und ab der kommenden Kampagne laufen.
Der Zeitplan sei ambitioniert, man sei aber zuversichtlich, dass es funktioniert. Geplant sei, die Fabrik in Frauenfeld ab Januar ohne eigenen Kalkofen mit zugekauftem CO2 und Brandkalk wieder in Betrieb zu nehmen. Auf voller Leistung könne die Fabrik aber nicht laufen. «Wir rechnen mit einer Leistung auf dem Niveau der Biokampagne, das heisst zwischen 200 und 250 Tonnen Rüben pro Stunde», erklärt Aebi. Rund 230 000 Tonnen aus der Ostschweiz werden nach Aarberg BE verschoben. Damit werde sich die gesamte Kampagne vermutlich bis über den Januar hinaus verlängern.
Im Ausland wird man fürs Nicht-produzieren bezahlt
Die Schweizer Zuckerimporte sind im Geschäftsjahr 2024/2025 um 27 % gesunken. Aufgrund dessen konnte die Schweizer Zucker AG ihren Absatz halten und sogar leicht steigern. Trotz des erfreulichen Geschäftsjahres beschäftigen die tiefen Europamarktpreise auch die Schweizer Zuckerfabrik. «Vor zwei Jahren lagen die Zuckerpreise bei rund 1000 Euro pro Tonne Zucker. Heute liegen sie bei rund 400 Euro pro Tonne», so Aebi. Mit den von Martin Flury erwähnten neu erarbeiteten Zollansätzen solle dieser Druck auf den Schweizer Markt reduziert werden.
Auch auf dem europäischen Markt werden Massnahmen ergriffen. So hat die Südzuckergruppe, die in verschiedenen europäischen Ländern und auch weltweit im Zuckermarkt tätig ist, aufgrund der tiefen Zuckermarktpreisen im EU-Markt eine Prämie für Nicht-Produktion gesprochen. «Für jede nicht gelieferte Tonne Rüben erhalten die Landwirte 10 Euro», so Aebi. Man wolle so die Produktion drosseln, um stabile Preise garantieren zu können. Auch die jüngste Zollpolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump habe laut Aebi Auswirkungen auf das Schweizer Zuckergeschäft.
SBR wandert weiter Richtung Osten
«Ihr könnt euch alle auf die Schulter klopfen», lobte Matthias Lüscher von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenanbau die Rübenpflanzer. Mit der diesjährigen Ernte könne man stolz und zufrieden sein, denn für Erträge von rund 100 Tonnen pro Hektare benötige es nicht nur Glück, sondern auch Können. In diesem Jahr sorgte das Auftreten der SBR-Krankheit für Verblüffung. In der Westschweiz habe sich die krankheitsübertragende Glasflügelzikade kaum in den Feldern blicken lassen. Auch der typische Farbwechsel der Blätter trat rund einen Monat später als üblich auf. «Das wiederum führte zu verhältnismässig höheren Zuckergehalten», so Lüscher. Im Zikaden-Monitoring in der Ostschweiz seien insbesondere in den Kantonen Aargau und Schaffhausen viele SBR-beladene Zikaden gefangen worden.
«Laboruntersuchungen zeigten jedoch, dass die Rüben an den Untersuchungsstandorten mehrheitlich befallsfrei blieben. Ausnahmen bilden dabei Gebiete im Kanton Schaffhausen und ein Standort im Kanton Aargau, wo bereits erhöhte SBR-Werte in den Rüben nachgewiesen werden konnten.»
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Fruchtfolgeanpassung und geeignete Sorten sind die beste Option gegen SBR
Die aussichtsreichsten Lösungen gegen den Schädling sind laut Lüscher die Wahl einer geeigneten Sorte in Kombination mit der Fruchtfolgeumstellung. Eine chemische Lösung gestaltet sich schwierig.
«In Deutschland gibt es zwar Notfallzulassungen, die chemische Bekämpfung ist aber nach wie vor sehr applikationsaufwendig und eine Fruchtfolgeanpassung daher sinnvoller», betont Lüscher. Hoffnung gebe auch die für 2026 neu in die Sortenliste aufgenommene Sorte BTS 1715, die in den Sortenversuchen sowohl mit als auch ohne SBR Höchstleistungen zeigte.
Auch CR+-Sorten mit einem Fungizid behandeln
Cercospora habe man heuer besser im Griff gehabt als letztes Jahr. Trotzdem gelte es, die Blattkrankheit weiterhin ernstzunehmen. «Um Resistenzdurchbrüche zu verhindern, ist es wichtig, auch bei CR+-Sorten eine Fungizidbehandlung vorzunehmen.
Aufgrund vermehrter Rückmeldungen über fehlende Fungizidwirkungen habe die Fachstelle in diesem Jahr zusätzlich Fungizidversuche mit den Mitteln Spyrale, Proline und Propulse durchgeführt. Verglichen mit den Kontrollparzellen habe jedes Fungizid zwar eine gewisse Wirkung gezeigt, aber nicht jedes Mittel eine gleich gute. Trotzdem sei es wichtig, nicht nur das bestwirkende Fungizid einzusetzen, um Resistenzen zu verhindern.
«Buteo Start Beizung ist kein Wundermittel»
Nach dem Wegfall von Gaucho werde im kommenden Jahr das gesamte Saatgut mit Buteo Start gebeizt. «Die Versuche zeigten, dass der Erdflohbefall damit um bis zu 60 % reduziert werden kann. Wir hoffen, damit auf eine zusätzliche Insektizidbehandlung verzichten zu können», erklärt er.
Die Beizung sei aber kein Wundermittel und kein zweites Gaucho. So liege die Wirkungsdauer von Buteo Start bei vier Wochen, jene von Gaucho lag bei zehn Wochen. «Der Saattermin sollte deshalb nach gängiger Praxis beibehalten werden», erinnert Matthias Lüscher.
