2025 ist kein Durchschnittsjahr. Die Bedingungen waren gut. Viele Bauern verzeichneten überdurchschnittliche Erträge. So zum Beispiel bei Kulturen wie Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten, Sellerie, Randen und weiteren, die in Paloxen zwischengelagert werden. Ende September sorgte aber der schweizweite Engpass bei den Gebinden für Schlagzeilen.
Inoverde, eine Fenaco-Tochtergesellschaft, die für die Beschaffung und Einlagerung von Wurzelgemüse zuständig ist, bestätigte den Engpass Ende September zwar, wies jedoch Managementfehler zurück und versicherte, die Lage unter Kontrolle zu haben (wir berichteten). Nur eine Woche später spitzte sich die Situation aber zu: Rüebli blieben glaubwürdigen Quellen zufolge im Boden, einige Landis konnten die Annahme nicht mehr gewährleisten.
Drama oder Realität?
In der Folge nahm das Risiko von Qualitätsverlusten zu. Die Vereinigung der Schweizer Kartoffelproduzenten (VSKP) beruhigte zwar; die Situation werde überdramatisiert. Aber Fakt ist, dass viele Produzenten bei der Ernte erfinderisch werden mussten. Jetzt stellt sich heraus: Die Gründe für die Knappheit waren einerseits ein systemischer Managementfehler von Handelsfirmen, die Paloxen kaufen und verkaufen, andererseits waren die Erträge überdurchschnittlich. Das Produkt dieser Kombination: ein logistisches Schlamassel. Und ein Ärgernis für die Produzenten, die ihre Vertragsmengen nicht ordnungsgemäss abliefern konnten, weil die entsprechenden Gebinde fehlten.
Einer dieser Marktteilnehmer ist Netagco mit Sitz in Oberlunkhofen AG, Frauenfeld TG, Oberbipp BE und Oppens VD. Die Firma importiert Rohwarengebinde und ist in der Einlagerungstechnik, in der Aufbereitung und in der Verarbeitung sowie der Feldtechnik tätig. Die Firma war nach eigenen Angaben für die Einführung der Grosspaloxen im Schweizer Markt verantwortlich. Netagco selber habe im Vorfeld dieser Saison ihre Kunden auf ein mögliches ertragsstarkes Jahr hingewiesen und in der Folge 2,5-mal die durchschnittliche Jahresmenge an ihre Kunden verkauft.
Die Sache mit der Fläche
Im Gespräch mit der BauernZeitung sagt der Inhaber und Geschäftsleiter Hans Hagenbuch, dass die Vertragsfläche nicht mit den zur Verfügung stehenden Paloxen übereingestimmt habe. Der Faktor «überdurchschnittliche Erträge» sei dabei noch gar nicht miteingeflossen, so der Geschäftsführer. Entsprechend seien die Lagerhalter und Handelsbetriebe die Hauptschuldigen an der aktuellen Paloxen-Situation. «Aber nicht nur», so Hagenbuch.
In dieser Krise stelle sich nun die Frage, wer heutzutage bereit sei, in etwas zu investieren, ohne mit Sicherheit zu wissen, ob das Gut im gleichen Jahr gebraucht werde. Und in etwas, das in jedem Fall viel Platz einnimmt und Geld kostet. Sein Denkanstoss: «Würde es für mich als Produzent Sinn ergeben, Gebinde zu besitzen, obwohl sie gelagert werden müssen, um im Falle eines Engpasses vorbereitet zu sein?» Hagenbuch vermutet, dass eine dezentrale Lagerfläche in der Landwirtschaftszone günstiger ausfällt, als dies in der Industrie- und Gewerbezone der Fall ist. «Wenn man Sorge trägt, halten die Paloxen gut zehn Jahre», so Hagenbuch. Das sei als Alternative zu einem Mietvertrag mit Paloxen-Vertriebsfirmen eine Überlegung wert.
Noch gebe es einige wenige Schweizer Hersteller, aber diese deckten nur einen marginalen Anteil ab. Also ist die Abhängigkeit von ausländischen Handelsbetrieben gross. Ebenso gross ist das Geschäft mit den Paloxen. Schliesslich sei die Paloxe Verschleissmaterial, das bei suboptimalen Lagerbedingungen nass und feucht werde. Dies sei in Feuchtlagern umso eher der Fall. «Die Kombination von Holz und Regen ist nicht gut», gibt Hagenbuch zu bedenken. Die Verträglichkeit variiere dabei unter den Holzarten stark.
So verträgt Tannenholz Nässe weniger gut als Eiche oder Föhre, die einen höheren Harzgehalt aufweisen und härter sind, aber dafür langsamer wachsen. Entsprechend ist die Nachfrage nach Eichen- oder Föhrenholz mit der Klassierung als Verpackungsnutzung auf dem europäischen und dem Schweizer Markt hoch: «Die gesuchte Klasse ist momentan Mangelware», so Hagenbuch. In der Folge würden die ausländischen Hersteller laufend weniger Paloxen produzieren. Diese Aussage konnte indes nicht verifiziert werden, zumal Eurostat bei der Entnahme von Rundholz lediglich eine Unterscheidung zwischen Laub- und Nadelgehölzen macht.
«Diese Krise ist kein Novum»
Die sogenannte Paloxen-Krise ist also multifaktoriell und ein Produkt eines Scheiterns entlang einer komplexen Handlungskette. Und am Ende dieser Kette steht der Produzent. Hans Hagenbuch erinnert sich, dass diese logistische Fehleinschätzung kein Novum ist. Umso mehr bedauert er, dass die professionellen Handelsbetriebe nicht auf ein starkes Erntejahr vorbereitet waren.
Was rät er also den Produzenten? «Die Abmachung zwischen den Produzenten und den Abnehmern muss klar geregelt sein. Der Bauer muss wissen, ob er sich selber organisieren muss oder ob er sich auf den Abnehmer verlassen kann.» Nicht zu unterschätzen sei in diesem Zusammenhang die Abhängigkeit, in die sich die Bauern gegenüber den Handelsfirmen begeben. Es lohne sich unter Umständen, dieses Verhältnis einmal zu überdenken, so Hans Hagenbuch von Netagco.