Könnt ihr Zucchetti brauchen?, fragt eine Nachbarin, die einen grossen Gemüsegarten hat. Wir wollen nicht unhöflich sein und bitten um zwei kleine von diesen Kürbisgewächsen. Sie rückt an mit drei riesigen Früchten, dabei haben wir doch vom Nachbarn gegenüber und von einer Verwandten bereits mehrere erhalten. Ich habe gelesen, es sei eine anspruchslose Pflanze, deshalb gedeiht sie offensichtlich gut. Und alle wollen und müssen sie zur gleichen Zeit verschenken.
Die Richtgrösse wird um ein Vielfaches überschritten
Mir scheint, Zucchini, wie wir sie hierzulande auch nennen, werden jährlich mehr und – vor allem – werden sie immer schwerer. Als Richtwert werden rund 200 bis 250 Gramm pro Stück angegeben. Ja, vielleicht die herzigen Kleinen am Anfang der Saison. Wenn man sie auswachsen lässt, sind sie über ein Kilogramm schwer. Jedenfalls erhalten wir immer mehr so grosse Exemplare und wissen kaum mehr, welche Rezepte wir noch nicht ausprobiert haben. Wenn wir nämlich abwinken und sagen, wir möchten eigentlich keine Zucchetti mehr, so zaubert die Gärtnerin ein Rezept aus der Tasche mit dem Hinweis: «Das müsst ihr unbedingt ausprobieren.»
Das natürlich gewachsen Gebäue ergäbe zahlreiche Rüeblitorten
Überhaupt fällt uns auf, dass Gemüse immer grösser werden. Das erinnert mich an eine satirische Collage, die ich vor einigen Jahren sah, wo neben dem 1931 erbauten Empire State Building, das eine Höhe von 381 Metern (bis zur Antennenspitze gar 443 Meter) aufweist, ein prächtiges, knackiges, gesundes, korallenfarbiges Rüebli wächst. Dazu schrieb der Berliner Künstler Andreas Prüstel: «Der erste natürlich gewachsene Wolkenkratzer New Yorks». Das Gebäude war bis 1972 nicht nur das höchste Gebäude der Stadt, sondern auch der Welt. Jetzt könnten wir also Berechnungen anstellen, wie viele Rüeblitorten dieses Monstergemüse ergäbe. Für wie viele Menschen würde es, zu glasierten Karotten verarbeitet, reichen? Rüebli sind beliebt und gelten als Ganzjahresgemüse; würden sie in Manhattan, im dichtest bevölkerten Bezirk von New York City, überleben und sich vermehren?
Gemüse wird verschenkt, das Gehackte dazu nicht
Weg von den Fantastereien, zurück zu den gigantischen Zucchetti. Wenn wir solche zum x-ten Mal mit grosszügiger Geste erhalten haben, meint mein Mann: «Also jetzt habe ich genug von diesem Gemüse. Zudem ist noch nie jemandem in den Sinn gekommen, dazu Gehacktes zu schenken, damit man sie damit füllen und überbacken kann.» Doch immer öfter kreieren Leute aus Gemüse lustige und beliebte Mitbringsel. Da freuen wir uns an eingelegten Gemüsestückchen, die für fröhliche Farbtupfer sorgen auf dem Salatbuffet. Schliesslich muss das Mitgebrachte nicht immer etwas Süsses sein. Warum nicht etwas in der Richtung «Sweet and Sour»? Gerade dazu eignen sich die festen Zucchini, besonders wenn sie mehrfarbig daherkommen. Gemüse lässt sich einlegen in Essig, Öl oder in einer Lösung von Speisesalz in Wasser.
Gemüse selbst ziehen ist nicht nötig
Wir selbst ziehen kein Gemüse; Sie wissen jetzt weshalb. Hingegen wachsen auf unserem Sitzplatz verschiedene Beerensorten in Töpfen, und wir überreichen stolz daraus gekochte Konfitüre oder Kompott. Grossen Erfolg haben wir seit Jahren, wenn wir von unserem relativ kleinen Feigenbaum Früchte verschenken. Er ist stets üppig besetzt, und die Feigen wachsen nach und nach, genau im richtigen Abstand zum Selberschmausen oder Verschenken. Mein Mann mag indes die frischen Früchte nicht; er kauft sich lieber gedörrte im Laden