Für Viktor Müller ist Gemüse mehr als nur eine Beilage, es ist «die» Beilage. Mit entsprechend viel Engagement führt er die Müller Gemüsekulturen im Schweissacker in Niederbuchsiten BE. Vor 25 Jahren hat er den Betrieb von seinen Eltern übernommen, seither viel ausgebaut und weiterentwickelt. Seine Eltern bauten Industriegemüse wie Bohnen, Erbsen und Spinat an, hielten zudem Schweine.
«Ich fühlte mich zum Gemüsebau mit viel Mechanisierung hingezogen»
Viktor Müller hat Landwirt gelernt, hängte die Zusatzlehre als Gemüsegärtner an. An diese Lehrzeit hat er nicht nur viele schöne Erinnerungen, sondern er konnte auch vom Erfahrungsschatz des Ausbildungsbetriebes in der Ostschweiz profitieren. Danach stieg er gleich mehr oder weniger vollumfänglich auf dem elterlichen Betrieb ein, da der Vater aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt war.
Der damalige Schweinezuchtbetrieb war alt und stellte keine Zukunftsoption für den jungen Berufsmann dar. «Ausserdem war ich mehr der Maschinen- und Traktoren-Typ und fühlte mich eher zum Gemüsebau mit viel Mechanisierung hingezogen», sagt der Betriebsleiter. Die wichtigsten Veränderungen nach der Betriebsübernahme im Jahr 2000 waren sicherlich die Umstellung auf Frischgemüse und die Einstellung der Schweinezucht.
Klimatische Veränderungen und Extremwetter fordern heraus
Der Anbau von Frischgemüse war ausgerichtet auf Broccoli, Blumenkohl und Fenchel. Dann kamen diverse Salatsorten wie Eisberg, Frisée, Kopfsalat, Endivien und Cico rosso hinzu. Das bisherige Lagergemüse wie Karotten, Kabis und Zwiebeln wurde erweitert mit Sellerie und Randen. «Der Betrieb wuchs stetig, vom Vater hatte ich damals 18,5 ha Land übernommen – heute sind es 55 ha», erklärt der 51-Jährige.
Pro Jahr werden rund 150 ha Salat und Gemüse angebaut, gewisse Flächen doppelt bepflanzt. Dazu kommt gepachtetes Land von umliegenden Bauernhöfen: «Ich schätze das gute Einvernehmen mit den Landwirten und dass wir so viel Land nutzen können sehr.» Damit ist Salat das Hauptgeschäft im Feld. Hinzu kommen 20 ha Karotten und 10 ha Kabis. «Der grösste Teil des Salats wird auswärts verarbeitet, geschnitten und gewaschen für die Grossverteiler», sagt Viktor Müller. Die Anbauflächen wurden immer grösser, die Mechanisierung und Professionalität seien heute auf einem ganz anderen Level als früher. «Die Herausforderungen seitens Klima sind sicher grösser geworden, dies mit Wetterextremen wie starkem Niederschlag oder grosser Hitze», beobachtet der Geschäftsführer.[IMG 2]
Dank Gewähshaus das ganze Jahr produzieren
Im Jahr 2006 wurde in zwei Bau-Etappen in Oberbuchsiten ein Gewächshaus gebaut, ein Doppelfolienhaus von 11 600 m² Grösse, in dem das ganze Jahr hindurch produziert werden kann. Im Sommer stehen die Salatgurken im Fokus, während in der Nebensaison Wintersalate wie Kopfsalat, Eichblatt und Nüssler angebaut werden. Das Gewächshaus ist ein wichtiges Standbein des Betriebs, da es fast wetterunabhängig ist und den Betrieb attraktiver macht mit interessanten Produkten, die ganzjährig auf dem Markt angeboten werden können.
Gurken sind hinsichtlich des Ertrages wohl eines der wichtigsten Produkte auf dem Betrieb. Karotten und Kabis werden für die Frühlingsrollen der Firma Kadi in Langenthal BE verarbeitet. Gurken und Randen gehen über eine Agentur an Aldi, einen wichtigen Kunden von Müller Gemüsekulturen. Foodwaste ist auch für den Betrieb in Niederbuchsiten ein Thema, aber Müller will nicht jammern: «Rund 500 Tonnen Rüst- und Sortierabfall gehen pro Jahr in die Bio-Anlage, was sicher mehr ist als früher. Es wird aber auch viel mehr und anders produziert», hält er fest.
Wie ein Schaufenster in die Produktion
Schon Viktor Müllers Vater hat Gemüse ab Hof verkauft. Diese Wertschöpfung wird beibehalten; so können Kunden Salat und Gurken hier frisch ab Hof erwerben. «Es ist wie ein Schaufenster in den Betrieb, die Leute können sehen, was wir hier vor Ort produzieren», sagt Viktor Müller. Das eigene Sortiment wird mit Gemüse und Salat sowie Fleisch aus eigener Mast und mit Eiern, Obst und Salatsaucen ergänzt. «Damit haben wir ein breit gefächertes Angebot für den Kunden», so der Landwirt.
Auf dem Betrieb wird seit fünf Jahren nach Global-GAP produziert. Global-GAP definiert Produktionsstandards für Produkte aus den Gruppen Obst und Gemüse, Viehhaltung, Blumenproduktion und Aquakultur: «Die Anforderungen von McDonalds an den Eisbergsalat in Sachen Hygiene und Bewässerung sind noch höher. Das bedeutet für uns einen grösseren Aufwand im Büro mit der ganzen Dokumentation», so Müller. Denn jeder Wasserbezugsort sei auf einer Karte eingezeichnet und müsse rückverfolgbar sein. Preislich gesehen bringen diese Produkte dem Betrieb etwas – es sei ein kleiner Konkurrenzvorsprung, nach diesem Standard zu produzieren.
Schweine und Steinbrecher bereichern den Alltag
Seit 2020 wird der Schweinestall wieder auf eigene Rechnung betrieben, nachdem er ihn lange verpachtet worden ist. Aktuell werden 800 Mastschweine gehalten, ein weiteres interessantes Standbein für Viktor Müller. Denn das Sortiment reicht vom geräucherten «Buurespeck» über Steaks bis zu einer bunten Vielfalt an Trockenwürsten.
Als Hobby bezeichnet Müller seinen Steinbrecher, den er selbst entwickelt hat und der bereits in Lohnarbeit für den Kanton eingesetzt worden ist. Damit werden auf dem Feld Steine aufgenommen, zerbrochen und zu Sand bearbeitet. «Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, könnte aber eine Zukunft haben», meint Müller. Seine Frau Marlies hat früher das Administrative erledigt und hilft heute im Hofladen mit.
Müllers haben drei erwachsene Kinder, Sohn Noah wird wohl der künftige Nachfolger auf dem Betrieb. Viktor Müllers Bruder Paul ist 47, verfügt über dieselbe Ausbildung und ist Vollzeit auf dem Betrieb angestellt. Dazu kommen insgesamt ungefähr 35 Angestellte in der Hauptsaison und elf während des ganzen Jahres.
Betriebsspiegel Müller Gemüsekulturen
Viktor und Marlies Müller
Ort: Niederbuchsiten
Betriebsfläche: 50 ha und 1,16 ha im Gewächshaus
Betriebszweige: Salat und Gemüse, 800 Mastschweine