Seit Kindertagen bekannt und längst zum Reflex geworden: «Licht löschen!» Das muss man sich im Stall von Christoph Ryser (38) in Heimiswil im Emmental abgewöhnen. Denn bei ihm brennen zwei Lampen den ganzen Tag.
Die Lampen spenden nicht nur Licht, sondern reinigen gleichzeitig die Luft. «Freshlight» nennt sich das Produkt. Ivo Sigrist, Geschäftsführer der Grüter Handels AG, kommt ins Schwärmen, wenn er die Lampe erklärt: Einfach zu montieren, nachhaltig und vor allem strahlt sie sogenanntes Vollspektrum-Sonnenlicht aus. Das ist so nahe am Licht eines schönen Mai-Mittags mit blauem Himmel, wie es nur geht. «Alles Gute, was die Sonne bringt – aber ohne Sonnenbrand», so Sigrist.
Die Lampen neutralisieren Krankheitserreger
Zudem hat jede der Lampen, die auf den ersten Blick aussehen wie moderne LED-Röhren, 20 Kunststoffbürstchen, welche die Luft reinigen. Sie ziehen positiv geladenen Teilchen (Feinstaub und damit auch Krankheitserreger wie Viren und Bakterien, die in der Luft schweben) an und neutralisieren sie mit ihren negativen Ionen.
Licht (bzw. UV-Strahlen) nützt erwiesenermassen gegen Flechten und hilft gemäss Sigrist, den Vitamin-D-Spiegel im Körper zu erhöhen. Saubere Luft schütze Kälber vor Lungenentzündungen und helfe natürlich auch dem Landwirt und der ganzen Familie. Ob es alleine an den Lampen liegt, dass sich die Tiergesundheit in Rysers neuem Stall verbessert hat, ist schwer zu sagen.
Vermutlich kommt einiges zusammen: Ryser und seine Frau haben sich für einen Laufstall, statt weiterhin für einen Anbindestall entschieden. «Wenn wir schon investieren, dann steht das Tierwohl an erster Stelle», sagt der Meisterlandwirt. Die Planung hat rund 18 Monate gedauert, gebaut wurde ab November 2021. Am 28. Juli 2022 konnten die Tiere in den neuen Stall einziehen. Investiert hat Ryser in 51 Tierplätze sowie in Geländeanpassungen, die Erschliessung, den Jungviehstall und sämtliche Einrichtungen (inkl. Melk-, Entmistungs- und Fütterungsroboter).
Vielfältiger Betrieb im Emmental mit mehreren Standorten
Rysers Betrieb ist gross und hat verschiedene Standbeine. Neben den40 Milchkühen und der Aufzucht haben Rysers eine Junghennen-Aufzucht mit 13'000 Tieren. Diese ist auf einem der zwei Pachtbetriebe. Eine Mitarbeiterin unterstützt Christoph Ryser dabei. Auf dem Hof Kasern in Heimiswil helfen die Eltern bei Arbeitsspitzen mit und sammeln zum Beispiel die Eier der 400 Legehennen ein, die in einem mobilen Stall leben. Im einstigen Anbindestall sind nun die Kälber untergebracht.
Die Milchkühe haben einen hellen, luftigen Stall. Der Laufhof hat eine Aussicht, die manchen Hotelier neidisch machen würde: Die Emmentaler Hügellandschaft zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Zumindest an sonnigen Frühsommertagen: Denn im Winter hat es 2,5 Monate keine Sonne auf dem Hof Kasern.
Keine Sonne im Winter – keine Photovoltaik beim Neubau
Deshalb hat sich Christoph Ryser auch gegen Photovoltaik auf dem Stalldach entschieden. «Das funktioniert hier schlicht nicht», sagt er.
Das hätten am Ende auch die Anbieter eingesehen, die sich interessiert gezeigt hätten, sein Dach zu mieten. «Nach einem Besuch im tiefsten Januar haben sie es mir dann geglaubt,» sagt Ryser.
Zurück zum Tierwohl: Rysers Stall hat drei Roboter. Die Kühe haben sich gut an den DeLaval-Melkroboter gewöhnt, auch die Entmistung und die Fütterung funktionieren mit Robotern. Beim Besuch wurde gerade der ganze Stall gewaschen und herausgeputzt. Rysers «Tag der offenen Tür» stand unmittelbar bevor. «Der neue Stall hat grosses Interesse geweckt», sagt Christoph Ryser. [IMG 2]
Auch des Lichts wegen: «Im Winter ist unser Stall der Leuchtturm in der Umgebung», so hell würden die Lampen strahlen. Dabei ist das Licht nicht unangenehm, denn die speziellen Lampen flackern nicht. Das kommt den Rindern entgegen, die pro Sekunde 40 bis 60 Bilder wahrnehmen könne. Beim Menschen liegt die Frequenz zwischen 20 und 30 Bildern. Dafür sehen Rinder weniger scharf als Menschen, es ist also sinnvoll, den Stall gleichmässig auszuleuchten und grosse Hell-Dunkel-Kontraste zu vermeiden.
Mehr Milch mit weniger Kraftfutter im neuen Stall
Bei der Milchleistung zeige sich im neuen Stall die Genetik, berichtet Christoph Ryser: Die älteren Kühe seien bei ihrer Leistung geblieben, die Rinder würden mehr Milch geben. Obwohl er weniger mit Kraftfutter und mehr mit Grundfutter (Heu, Gras- und Maissilage und Rübenschnitzel) arbeite. Aktuell hat er eine durchschnittliche Milchleistung von 8500 Litern.
Die oft für Gesundheitsprobleme verantwortlich gemachten Streuströme sind auch bei Ryser ein grosses Thema. Er berichtet, dass im alten Stall tatsächlich nach einem Wasser-Notfall gewisse Leitungen im Eifer des Gefechts nicht korrekt geerdet worden und die Zellzahlen in die Höhe geschossen seien. Umso mehr hat er nun darauf geachtet, dass er möglichst wenig Eisen im Stall hat und alles sauber auf die Armierung geerdet sei.
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Christoph Ryser hat einen eigenen Weg gewählt, als es um seinen Stall ging: Zwar hat er die Pläne von einem Stallbauer zeichnen lassen. Doch die Bauleitung hat er selber übernommen und die ganze Einrichtung Stück für Stück ausgewählt. Dafür hat er Kataloge gewälzt, verglichen und vor allem mit Berufskollegen diskutiert und Ställe angeschaut. «Boxenbügel etwa sind ein kontroverses Thema. Doch mit denen, die ich am Ende gewählt habe, war jeder zufrieden», sagt er.
Dabei hat er auf den Tierkomfort geachtet und sich für Speedflex-Boxenbügel entschieden. Auch diese stammen aus dem Hause Grüter. Ivo Sigrist erklärt, dass diese Bügel innen mit Karbonseilen geführt und aussen mit Kunststoff verkleidet seien. Das mache den Bügel extrem flexibel und tierfreundlich. Auch gebe es nirgends scharfe Kanten.
Unterstützung von der Familie, um einen eigenen Weg zu gehen
Die Bauleitung selber zu übernehmen, sei anspruchsvoll, zeigt sich auch Ivo Sigrist beeindruckt. «So ist ein ganz individueller Stall entstanden, der sich abhebt», sagt er.
[IMG 3] Ryser hatte die Energie und die Unterstützung seiner Familie, um seinen eigenen Weg zu gehen: Beim Melkroboter etwa konnte er von den Erfahrungen seines Schwagers profitieren.
Bei der Wahl der Beleuchtung sei er lange unschlüssig gewesen: «Das hatte nun wirklich keine Priorität», erinnert er sich. Das kennt Ivo Sigrist: «Das Licht kommt häufig ganz am Schluss.» Er leistet Aufklärungsarbeit und macht es mit sichtbarer Begeisterung für seinen Beruf. Dazu gehört auch, dass er ein umfunktioniertes Honigglas aus dem Auto holt, als Nichtraucher kurz an einer E-Zigarette zieht, den Rauch ins Glas bläst und dieses zuschraubt. Was dann folgt, hat etwas von einem Zaubertrick. Sigrist schaltet die eingebaute Lampe an und innert kürzester Zeit ist der Rauch weg. «Kein Hokuspokus – Ionisierung», erklärt Sigrist. Und was mit Zigarettenrauch funktioniert, klappt auch mit Feinstaub.
Auch Christoph Ryser hat sich beeindruckt gezeigt – und da die Lampen gleich teuer waren wie andere Exemplare, hat er sich für Sigrists Offerte entschieden. Die Montage ist durch den Elektriker vor Ort erfolgt und war keine Hexerei: Die Lampen haben einen Drehanschluss und können einfach eingesteckt werden. «Das kommt aus den riesigen Ställen in Holland. Dort haben die Landwirte keine Zeit, den Elektriker zu holen und müssen die Lampen einfach selber wechseln können.»
So riesig wie ein holländischer Milchviehstall ist Rysers Betrieb nicht. Doch auch er denkt ökonomisch: Der Roboter spart ihm eine Arbeitskraft und verbessert seine Lebensqualität. Die Kühe fühlen sich im neuen Stall wohl und sind gesünder – der Aufwand des Stallneubaus hat sich also gelohnt.
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Betriebsspiegel Hof Kasern
Christoph und Susanne Ryser, Heimiswil BE
LN: 33 ha, 12 ha Wald
Bewirtschaftung: IP Suisse
Kulturen: Mais, Natur- und Kunstwiesen
Tierbestand: 40 Milchkühe, Aufzuchtrinder, 400 Legehennen, 13 000 Junghennen
Arbeitskräfte: Betriebsleiter, 1-2 Lehrlinge, 1 Mitarbeiterin (Teilzeit), Eltern bei Arbeitsspitzen