Wechselnde Futteraufnahme, dünnbreiiger Kot mit Gasblasen, mehr lahme Kühe: Diese Symptome können auf eine subakute Pansenazidose (Sapa) hinweisen. Das Problem ist heimtückisch, weil die Krankheit schleichend verläuft und die Anzeichen oft übersehen werden. Die Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern hat zusammengefasst, wie Milchviehhalter das Problem in den Griff bekommen können.

Drei unterschiedliche Formen 

Die Pansenazidose tritt in drei Formen auf. Die akute Form ist ein Notfall: Nach unkontrollierter Kraftfutteraufnahme sinkt der Pansen-pH unter 5,5. Die Kuh gerät in einen lebensbedrohlichen Schockzustand. Glücklicherweise kommt dies selten vor.

Viel häufiger ist die subakute Form. Betroffen sind vor allem Kühe beim Übergang von der Trockensteh- zur Laktationsphase und Hochleistungskühe auf dem Weg zum Laktationsgipfel. Der Pansen ist überfordert mit den anfallenden Säuren. Mittelfristig führt dies zu mehr Fällen von Klauenrehe. Aus einer lang anhaltenden Sapa kann sich eine chronisch latente Form entwickeln. Die Pansenflora hat sich angepasst, aber die Kühe laufen nicht mehr rund: Der Futterverzehr ist reduziert, die Milchleistung tiefer, die Krankheitsanfälligkeit höher.

Drei Stufen bis zur Diagnose

Da Sapa ein Bestandesproblem ist, macht eine Abklärung nur auf Herdenebene Sinn. Die Berner Tierärzte empfehlen indirekte Methoden, weil die direkte Pansen-pH-Messung aufwändig ist und oft unbefriedigende Resultate liefert.

Am wichtigsten sind drei Parameter: der Milchfettgehalt, der Anteil der strukturierten Rohfaser in der Ration und die Kationen-Anionen-Differenz. Niedrige Fettgehalte unter drei Prozent in der Gruppe können auf Sapa hindeuten.

Ergänzend können Harn-pH und Calcium-Konzentration im Harn bestimmt werden. Eine Calcium-Konzentration über 3 mmol/L deutet auf eine Übersäuerung hin. Von der Pansenpunktion rät die Universität Bern wegen des hohen Aufwandes und möglicher Komplikationen ab.

Wo die Risiken lauern

Zu viel Säureproduktion entsteht, wenn mehr als 25 Prozent der Trockensubstanz aus Stärke und Zucker stammen, Einzelportionen Kraftfutter über zwei Kilogramm liegen oder die Fütterungsreihenfolge falsch ist. Ein Teufelskreis entsteht bei einem Pansen-pH unter 5,5: Laktobazillen vermehren sich stark und kurbeln die Laktatproduktion weiter an.

Zu wenig Säureabbau resultiert aus ungenügender Speichelproduktion durch wenig Wiederkauen, zu wenig strukturierter Rohfaser oder einer unangepassten Pansenwand nach schnellem Rationswechsel.

Die Ration macht den Unterschied

Die Prophylaxe beginnt bei der Rationsgestaltung. Die Berner Experten empfehlen 16 bis 20 Prozent Rohfaser in der Trockensubstanz, davon mindestens 60 Prozent aus Raufutter. Mindestens 400 Gramm strukturierte Rohfaser pro 100 Kilogramm Lebendmasse sind nötig, das entspricht rund 2,6 Kilogramm bei einer 650-Kilogramm-Kuh. Bei der Häcksellänge gilt: Maissilage über 6 Millimeter, Grassilage besser über 40 Millimeter. Das Kraftfutter sollte während der Transitphase – zwei bis drei Wochen vor bis drei Wochen nach der Geburt – etappenweise angepasst werden. Wichtig: Raufutter immer zuerst anbieten und Kraftfutter auf mehrere Gaben à 2 bis 3 Kilogramm verteilen.

Den Maissilageanteil begrenzen die Berner Tierärzte auf maximal 75 Prozent bei laktierenden und 50 Prozent bei trockenstehenden Kühen. Entscheidend ist auch das Management: Das Kuh-Fressplatz-Verhältnis sollte 1:1 betragen, die Kühe brauchen mindestens 22 Stunden pro Tag Zeit für die Futteraufnahme.

Im Ernstfall schnell reagieren

Bei einer akuten Pansenazidose muss sofort das Kraftfutter abgesetzt und nur noch gut strukturiertes Dürrfutter verfüttert werden. In leichten Fällen genügt dies. Bei Bedarf können Pansenpuffer wie Natriumbicarbonat eingesetzt werden, allerdings mit Vorsicht vor Überdosierung. In schweren Fällen sind Infusionen oder ein chirurgisches Ausräumen des Panseninhalts durch den Tierarzt nötig.

Bei Sapa und der chronischen Form gibt es keine medizinische Therapie. Die Risikofaktoren müssen eliminiert werden: Rationsgestaltung überprüfen, Management verbessern. Pansenpuffer sollten nur gezielt und vorübergehend bei einzelnen Tieren oder Gruppen eingesetzt werden – sie sind eine Krücke, die man schnell wieder loswerden sollte.

Das Wichtigste in Kürze

Warnsignale erkennen: Milchfettgehalt in der Gruppe unter 3 %, dünnbreiiger, heller Kot mit Gasblasen, wechselnde Futteraufnahme und vermehrte Klauenrehe-Fälle im Bestand
Ration richtig gestalten: 16 bis 20 % Rohfaser in der Trockensubstanz; mindestens 60 % der Rohfaser aus Raufutter; maximal 25 % der Trockensubstanz aus Stärke und Zucker; Maissilage begrenzen, d. h. max. 75 % bei laktierenden, 50 % bei Galtkühen
Fütterungstechnik: Raufutter immer zuerst anbieten; Kraftfutter auf mehrere Gaben verteilen; maximal 2 bis 3 kg pro Portion; Häcksellänge der Grassilage über 40 mm und Kuh-Fressplatz-Verhältnis 1:1
Im Notfall: Kraftfutter sofort absetzen, nur strukturiertes Dürrfutter verfüttern, Tierarzt kontaktieren