Fünf bis acht Milimeter wächst das Horn einer Kuh pro Monat. Hat man die Klauenpflege auf dem Betrieb also nicht im Griff, wächst einem das Problem wortwörtlich davon. Dieser Problematik sind sich viele Tierhaltende bewusst. Entweder sie beauftragen ein- oder zweimal jährlich eine professionelle Klauenpflege für den Gesamtbestand oder sie pflegen die Tiere selber. 

Letzteres ist denn auch eine vielgenannte Motivation der Personen, die am Grundkurs für funktionelle Klauenpflege teilnehmen. Die Kurse finden in der ganzen Schweiz statt und sind stets gut ausgebucht. So kommen auch am Kurs an der Rütti in Zollikofen BE Tierhalter und Tierärztinnen aus der ganzen Schweiz und mit den unterschiedlichsten Beweggründen zusammen.

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Erfahrungen sammeln

Ein Teilnehmer erzählt gegenüber der BauernZeitung, dass er mit der externen Klauenpflege zunehmend unzufrieden gewesen ist. Er stellt fest, dass der zeitliche Druck auf die professionellen Klauenpflegerinnen und -pfleger hoch zu sein scheint – entsprechend leidet, seinem Gefühl nach, die Qualität der Arbeit. Der Landwirt aus dem Emmental will die Sache nun selber angehen – und entscheidet sich aus diesem Grund für den Grundkurs. 

Eine andere Teilnehmerin berichtet, schon oft bei der Pflege daneben gestanden zu haben, ohne genau zu wissen, was gemacht wird. Für sie ist es wichtig, zu verstehen, was korrekt ist und was nicht. Sie nutzt den Kurs, um die Instruktoren um ihre Einschätzung zu fragen und so bei der Arbeit am Tier sicherer zu werden. Ein anderer Landwirt wünscht sich, durch die Teilnahme häufig vorkommende Klauenprobleme in Zukunft besser und selbstsicherer beurteilen zu können.

Schmerzausschaltung bei der Klauenpflege nur durch den Tierarzt

Diese Kompetenz ist wichtig, denn gemäss Art. 5 der Tierschutzverordnung müssen Hufe, Klauen, Nägel und Krallen, soweit nötig, regelmässig und fachgerecht gepflegt und beschnitten, resp. Hufe beschlagen werden. Am Kurs betont die Amtstierärztin auch, dass die Tierhaltenden dabei ihre eigenen Grenzen erkennen müssen. Schmerzverursachende Eingriffe dürfen beispielsweise nur unter Schmerzausschaltung von einer fachkundigen Person vorgenommen werden. Die Schmerzausschaltung bei der Klauenpflege darf nur durch die Tierärztin oder den Tierarzt gemacht werden.

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Tierschutzrelevante Mängel bei der Klauenpflege

Folgende Mängel sind bei der Klauenpflege tierschutzrelevant:

  • Fehlende Schmerzausschaltung
  • Mangelnde Sachkenntnis
  • Umgang mit dem Tier
  • Unterlassene Klauenpflege
  • Unbehandelte Klauenleiden

Das sind die typischen Grenzen der Klauenpflege:

  • Zu tiefe Klauenpflege (Grenze Lederhaut oder weisse Linie): Erfordert zwingende Schmerzausschaltung durch Tierärztin
  • Exakte Diagnosestellung und weiterführende Therapie von Klauenerkrankungen (ausser Fortführung einer Therapie nach Anweisung des Tierarztes)
  • Falscher Einsatz von Medikamenten oder «Heilmitteln» und/oder nicht gemäss Anweisung des Tierarztes

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Diese Mittel sind bei der Klauenpflege verboten

Adrian Steiner erzählt, welche Mittel in der Klauenpflege verboten sind. Das sind zum Beispiel Hypracid (ätzendes Desinfektionsmittel), Mastitar (Antibiotisches Arzneimittel gegen Mastitis) oder Obenin Extra, Dry Cow (Trockensteller).

Das Hornwachstum hängt von der Fütterungsintensität, der Saison und von der Abnutzung ab. Laufstallkühe bewegen sich viel – das Horn nutzt sich im Normalfall entsprechend gut ab. Demgegenüber wird das Horn von Anbindestall-Kühen aufgrund der eingeschränkten Bewegung weniger gut abgenutzt. Diese Faktoren gilt es, bei der Planung der Klauenpflege zu beachten. Auch hängt die Abnutzung von der Beschaffenheit des Stallbodens ab. Die Regelmässigkeit des Weidegangs hat ebenfalls einen Einfluss auf die Abnutzung.

Zeitpunkt der Klauenpflege ist nicht immer ideal

Ausbildung zum Klauenpfleger, zur Klauenpflegerin

Wer gewerbsmässig die Klauenpflege für Rinder durchführt, muss über eine vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) anerkannte Ausbildung verfügen. Zudem ist eine Bewilligung des Kantons notwendig. Das Gesuch ist der Behörde im Wohnsitzkanton der Gesuchstellerin, des Gesuchstellers einzureichen. Diese Vorschrift gilt seit 2017 und die Bewilligung ist dann für 10 Jahre gültig.

Hier finden Sie mehr Infos zur Ausbildung

Idealerweise findet die Klauenpflege vor dem Trockenstellen statt. Der nächste Termin folgt dann 90 Tage nach Laktationsstart, danach findet optimalerweise wieder ein Termin vor dem Trockenstellen statt. «Mit diesem Intervall startet man gut in die Laktation», so Thomas Oberli.

Was sind die häufigsten Befunde, denen der professionelle Klauenpfleger bei der Routine-Pflege gegenübersteht? Oberli nennt in erster Linie die Ballenfäule. Ursache davon sind zu viel Nässe und Verschmutzung im Stall. Die zweithäufigste Diagnose ist die «Klauenerdbeerkrankheit» (Dermatitis digitalis), gefolgt von Sohlengeschwüren, Mortellaro (Panaritium, Grippeli) und Defekten an der weissen Linie.

Am Kurs am Inforama in Zollikofen BE mischen sich die unterschiedlichen Erfahrungswerte, kursierende Mythen und veraltetes Wissen mit neuen Erkenntnissen. Heraus kommt eine bunte Truppe, die sich freiwillig die Zeit genommen hat, etwas für sich und für ihre Tiere zu lernen.


Die BauernZeitung fragt: Was ist Ihre Motivation, beim Klauenpflege-Grundkurs mitzumachen?

«Ich möchte mir eine gute Wissensbasis erarbeiten»
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Hans Mathys, Murzelen BE

Wir haben auf unserem Biobetrieb 53 Limousin im Stall. Da kommt es gelegentlich vor, dass sich eine Kuh einen Stein eintrampelt und dass ihre Klaue angeschaut werden muss. Für die Beurteilung solcher Fälle ist der Grundkurs zur funktionellen Klauenpflege sicher eine gute Basis. Aufgrund einer genetischen Schwachstelle eines Stieres hatten wir teilweise Defekte der weissen Linie, auch Klauengeschwüre kommen manchmal vor. Ich hoffe, dass ich solche Fälle nach dem Kurs besser beurteilen und selbstsicherer behandeln kann.

«Ich will meinen Bestand selber pflegen können»
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Andreas Burkhard, Lützelflüh BE

Ich musste feststellen, dass Genauigkeit, Sauberkeit und Qualität der funktionellen Klauenpflege teilweise nicht mehr meinen Anforderungen entsprochen haben. Die Wartelisten sind heute so lang – die professionellen Klauenschneider sind oftmals überlastet. Mein Ziel ist es, meinen Galloway-Bestand selber – und zum für die Kühe und mich richtigen Zeitpunkt – pflegen zu können. Aber ich bin mir auch bewusst, dass dieser dreitägige Kurs dafür nicht ausreichen wird. Den Klauenstand habe ich auf jeden Fall bereits besorgt.

«Ich will vom Wissen der Profis profitieren»
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Alissia Piller, Rechthalten FR

Neben dem Studium an der HAFL arbeite ich zurzeit auf einem Milchviehbetrieb und helfe auf anderen Betrieben aus. Bei der Klauenpflege auf den Betrieben war ich schon oft dabei, wollte nun aber selber lernen, wie man Klauen richtig pflegt. Ich nutze den Kurs zur funktionellen Klauenpflege vor allem, um mit den Fachpersonen vor Ort über die jeweiligen Fälle diskutieren zu können. Ich würde sagen, nach diesem Grundkurs wage ich mich selber an die Sache. Ich weiss nun, worauf es bei der funktionellen Klauenpflege ankommt.