Schon so mancher gestandener Politiker oder Behördenvertreter musste beim Besuch der Schwyzer in der Markthalle Rothenthurm einstecken. Ob an politischen Diskussionsanlässen oder an Veranstaltungen von landwirtschaftlichen Organisationen, die Voten und Kritiken aus dem Plenum sind meist direkt, nicht selten sehr direkt.
Berufsstolz auch kommunizieren
Dieser Gang in die Höhle des Löwen schien Urs Riedener anlässlich der 4. Agroplattform Schwyz nicht zu beeindrucken. Das bereitgestellte Podium liess der Präsident des Verwaltungsrats der Emmi Gruppe links liegen, er stellte sich bei seinem Referat volksnah in die Schwyzer Bauern. «Die Milch ist sicher das wettbewerbsfähigste Produkt der Schweizer Landwirtschaft», erklärte er. Dazu habe sich das Renommee der Milch in den vergangenen paar Jahren wieder positiv entwickelt. «Die Milch hat einen sehr guten Ruf. Ich wünsche mir darum auch mehr Schweizer Milchbauern, die diesen Berufsstolz auch kommunizieren.»
Hype um pflanzliche Alternativen flacht ab
Pflanzliche Alternativen würden bei weitem nicht an die Milch herankommen, der Hype darum sei nun auch abgeflacht. «Die Kuh ist ein extrem effizientes Tier, rund 23 Prozent des über das Gras aufgenommenen Eiweisses gibt sie über die Milch wieder ab. Ein solches Veredelungssystem nachzubauen, welches zu einer solchen Qualität und mit diesen wertvollen Nährwerten führt, ist im pflanzlichen Bereich kaum realisierbar», führte Urs Riedener weiter aus. Dort, wo man Ackerprodukte für die menschliche Ernährung anbauen könne, soll man dies auch tun, das sei aber nun mal auf vielen Flächen in der Schweiz nicht möglich.
Zum System Milch Sorge tragen
Die Schweizer Milchwirtschaft verfüge über ein enormes Know-how. «Dazu müssen wir Sorge tragen, denn wenn ein Landwirt die Milchproduktion aufgibt, steigt er zukünftig kaum mehr ein. Die Politik muss dem System Milch genügend Sorge tragen», appellierte er auch an Christian Hofer, den zweiten Gastreferenten an der Agroplattform Schwyz. Der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft teilte die Sorge um die zukünftigen Strukturen in der Schweizer Milchwirtschaft. «Die Milchproduktion hat einen vergleichsweise tiefen Stundenlohn bei einer hohen Arbeitsbelastung. Dazu verlangt diese eine ständige Präsenz auf dem Betrieb.» Politik und Branche seien gefordert: «Wie schaffen wir es, dass wir die Milchbäuerinnen und Bauern bei der Stange halten können, damit die Zahl der Milchbetriebe nicht zurückgeht?»
Verkäsungs- und Siloverbotszulage erhöhen
In der Begleitgruppe zur AP 2030 sei eine bessere Wertschöpfung bei der Milchproduktion intensiv diskutiert worden. Angedacht sei, die Verkäsungs- und Siloverbotszulage zu erhöhen und so die graslandbasierte Milchwirtschaft stärken. Ein Vorstoss aus dem Parlament fordere zudem, dass Unternehmen, an welche die Verkäsungszulage ausbezahlt wird, einen Mindestmilchpreis einhalten, der mindestens über dem EU-Preis plus Verkäsungszulage liegt.
Milchproduktion in den Berggebieten erhalten
Nicht nur die wirtschaftliche Sorge gefährde die Anzahl Milchwirtschaftsbetriebe in der Schweiz, auch die Forderung, die Ackerböden im Talgebiet mehr für die menschliche Ernährung statt für die Tierfutterproduktion zu nutzen, mache Druck auf die Milchwirtschaft, war aus den engagierten Diskussionen im Anschluss der Referate zu spüren. «Auf lange Sicht müssen die Ackerflächen vermehrt für die menschliche Ernährung genutzt werden, damit der Selbstversorgungsgrad trotz Bevölkerungswachstum nicht sinkt. Die Milchproduktion muss darum auch in den Hügel- und Berggebieten, wie sie im Kanton Schwyz verbreitet sind, attraktiv bleiben», erklärte Christian Hofer.
Hälfte der Schwyzer Betriebe leben von der Milchproduktion
Dafür will sich auch der Kanton Schwyz selber einsetzen. «Zukünftige politische Massnahmen im Bereich der Milchwirtschaft betreffen unseren Kanton mitten ins Herz, denn rund die Hälfte der Schwyzer Betriebe leben von der Milchproduktion», betonte Mario Bürgler, der Vorsteher des Amts für Landwirtschaft und ergänzte: «Die Milch prägt nicht nur Landschaft und Kultur, sie ist auch ein zentraler Pfeiler in unserer Ernährungssouveränität. Aber zur Ernährungssouveränität gehört nicht nur, was und wie viel produziert wird, sondern auch, wie man davon leben kann.»