Erika Hubeli öffnet die Türe in ihr Arbeitszimmer und entschuldigt sich für das viele Material: «Hier drin stecken halt tausend Ideen.» Sie zeigt eine grosse Tasche mit Wandbehängen und schnell wird klar: Da ist jemand vom Fach kreativ.
Die Bäuerin hat die Fenster privat organisiert
Sie sei eigentlich keine «Deko-Tante», erklärt die gelernte Trachtenschneiderin, aber die Produktion von Adventsfenstern sei ihr eine Herzensangelegenheit. Für diese Adventsfenster waren auch die Wandbehänge im Einsatz, allesamt prächtige Einzelstücke. Auf einen hat Erika Hubeli 500 Roccailles-Perlen als Schneeflocken genäht, in andere sind Erinnerungen verarbeitet: ein Knopf vom Sommermantel der Mutter, Streifen vom Barchenthemd des Vaters. Andere Sujets haben im Arbeitszimmer keinen Platz oder wurden der Natur zurückgeführt: Engel aus Holz, Kugeln aus Weidenästen, eine Waldweihnacht mit echten Tannen. Für die Puppen, die darunter picknickten, hatte Erika Hubeli Samt-Capes mit Pelzbesatz genäht.[IMG 2]
Familie Hubeli bewirtschaftet in Habsburg AG einen Milchwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau. Erika Hubeli war Bezirkspräsidentin der Landfrauen und führte zudem 23 Jahre lang den Ortsverein Habsburg. Als sie den Landfrauen im Jahr 2001 die Idee der Adventsfenster vorbrachte, winkten diese ab. Die Bäuerin nahm die Sache in ihre eigenen Hände und organisierte die Adventsfenster von da an 25 Jahre lang als Privatperson. Daten, die niemand wollte, übernahm sie selbst. 66 Fenster sind so zusammengekommen, darunter auch jedes Jahr der 24. Dezember mit Kaffee, Zopf und Weihnachtsguetzli zur Eröffnung. Die Habsburger Bevölkerung sei von Anfang an gerne zu den Eröffnungen der Fenster gekommen, schaut Erika Hubeli zurück. Manchmal bis zu 30 Personen – ein beeindruckender Prozentsatz für ein 430-Seelen-Dorf.
Der Mann als Samichlaus im Fenster
«Die Adventsfenster bringen einen Moment des Innehaltens in die hektische Adventszeit», findet Erika Hubeli. Und das Nähen, Stricken und Werken für die Fenster hätten ihr einfach Spass gemacht. Auch wenn sie dafür manche Nachtschicht einlegen musste, wenn etwa das grosse Lebkuchenhaus nicht zusammenhalten wollte. Ihr Ehemann Martin Hubeli rettete das Werk mit einem Unterbau aus Holz und war auch sonst ein wichtiger technischer Helfer. Einmal sogar als lebendiger Samichlaus im Adventsfenster. Dank ihm ist auch der riesige Adventskranz für den 6. Dezember in diesem Jahr eine stabile Konstruktion: Ein Stück Gülleschlauch im Innern gibt den Tannenästen Halt.
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Eine Nachfolge fürs Organisieren wird gesucht
Aus Erika Hubelis Initiative ist eine beliebte Tradition in der Gemeinde geworden. 12'000 Blätter hat sie im Lauf der Jahre für Anmeldungen und Programme ausgedruckt und ist zum Verteilen 100 Stunden durchs Dorf marschiert.
Vier Fenster gestaltet Erika Hubeli in diesem Jahr. «Adventsfenster mache ich schon noch, aber mit Organisieren ist Schluss», stellt sie klar und hofft, dass sich eine Nachfolge finden wird.