«Ich nahm an, dass es ein bisschen lockerer wird. Aber eher das Gegenteil ist der Fall», sagt Christian Manser. Der 56-jährige aus Gossau (SG) machte sich im August nach 27 Jahren am landwirtschaftlichen Zentrum SG (LZSG) in Flawil selbstständig. Seine Agenda ist erfreulich gut gefüllt mit Beratungsterminen, die ihn während der Wintermonate mehrmals nach Deutschland und Österreich führen.

«Aber Anfragen von Schweizer Betrieben haben nach wie vor erste Priorität», sagt Manser. Zudem sei er auch als Speaker unterwegs. «So am 29. November an der Eliteschau Appenzell Ausserrhoden in Gais», wirft er schmunzelnd ein. Auch der 4. bis 8. Dezember ist geblockt. «Dann bin ich Samichlaus in Andwil», ein Termin, der ihm am Herzen liegt.

Sein Abschied vom LZSG-Team ist ihm nicht leichtgefallen. «Aber Beratungen, Vorträge und Seminare ausserkantonal oder gar im Ausland durchzuführen, haben sich mit dem Leistungsauftrag des Kantons nicht vereinbaren lassen», sagt er. Zumal er mit seinem Abschied auch seinen Nachfolgern die Chance gebe, weiterzukommen. «Sie sind jung, top ausgebildet und äusserst engagiert», fügt er an. Den Kontakt mit ihnen pflegt er weiterhin.

Ein Neuanfang mit der Familien-AG

Christian Mansers Familie steht hinter ihm. Am Küchentisch wurde der Neuanfang besprochen. Seitens der Kinder, Fabian (26), Anina (24) und Ramon (28), sei der Tenor klar gewesen: «Vorwärts. Mach»! So gründeten Mansers die Aktiengesellschaft «Kuhsignale.ch», wo die ganze Familie im Verwaltungsrat sitzt. «Vreni, meine Frau, ist als Verwaltungsratspräsidentin meine Chefin», fügt Christian Manser an.[IMG 2]

So einen Scheideweg gab es auch vor 16 Jahren, als Kuhsignale entstand. Damals hätten sie einen Experten von Vetvice aus den Niederlanden für einen Homöopathie-Tageskurs eingeladen. Vetvice sei eine unabhängige Organisation von Veterinären, die das System «Kuhsignale» entwickelt haben. «Ziemlich rasch entdeckte ich, dass es vor allem um Haltung, Fütterung, Betreuung und Stallbau ging», erzählt Manser. Bis dahin sei er davon ausgegangen, wenn einer Ahnung von Stallbau habe, dann seien es wir Schweizer und unsere Stallbaufirmen.

Er wandte sich vom reinen Lehrbuchwissen ab und entschied sich, Kuhsignal- und Klauensignaltrainer zu werden. Das setzte er um und organisierte am LZSG Seminare. «Unsere Kursteilnehmer an den Stallbau- und Liegeboxenseminaren in Flawil kommen heute aus halb Europa», sagt Manser.

Top-Ställe in Gossau und im Fürstenland

Dann geht er vors Haus und beschreibt mit seinem Arm einen weiten Bogen. «Hier in Gossau und im Fürstenland finden Sie viele der besten Milchviehställe und Tierhalter», sagt er. Die Impulse seien in den vergangenen 15 Jahren vom LZSG ausgegangen. Diese Betriebsleiter hätten sich dem neuen Gedankengut nicht verschlossen und die Vorteile gesehen.

Die Kuhsignale, die Christian Manser bei den Kühen empfängt, sind die Körpersprache der Tiere. Anhand dieser erschliesst sich der Gesundheitszustand, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Hängende Ohren, struppiges Fell, krummer Rücken, verletzte Gelenke oder gebrochene Rippen seien klare Signale dafür, dass es dem Tier nicht gut gehe.

«Das Ziel von Kuhsignale sind gesunde und wohlgenährte Kühe und Kälber», sagt Manser. Gesunde Tiere bedeuten weniger Stress, besseren Futterverzehr, bessere Futterverwertung, bessere Eutergesundheit, bessere Fruchtbarkeit, mehr und bessere Milch, was schliesslich wirtschaftliche Vorteile habe. So habe man viel mehr Freude an den Tieren.

Das Leistungspotenzial der Kühe nutzen

Aber ganz ohne Investitionen sind Christian Mansers Beratungsinputs nicht immer. Manch ein Landwirt muss dafür eine Wand herausbrechen (für bessere Durchlüftung), die Trennbügel aus Stahl herausreissen und bewegliche hineinmontieren (Vermeidung von Abschürfungen) und die Liegeboxen vergrössern – und zwar nicht auf die von Agroscope empfohlenen Masse, sondern in bedürfnisgerechter Grösse. Manser empfiehlt wandständige Liegeboxen mit einer Länge von 3,20 m, gegenständige mit 5,20 m.

Er findet: «Wir haben in der Schweiz eine Topgenetik, was Milch-, Fleisch- und Zweinutzungsrinder betrifft – und zwar in allen Rassen. Aber das genetische Potenzial wird teilweise nicht genutzt.» Erstens müsse jeder Tierhalter die Rinderrasse halten, die zu seinem Betrieb passt. Zweitens wüssten viele Stallbauer immer noch zu wenig über das Verhalten der Tiere. So gerate beim Stallbau das Tierwohl manchmal in den Hintergrund.

Manser ist kein «Weichspül-Berater»

«Ich sage klipp und klar, was ich denke», sagt Christian Manser. In seinen frühen Jahren am LZSG sei er ein «netter» Berater gewesen – aber ohne jede Wirkung und ohne Nutzen für die Milchviehhalter. «Heute bin ich nicht mehr nett, sondern sage, was Sache ist», sagt er und weiter: «Wer das nicht verträgt, für den bin ich nicht der richtige Berater.»

Bei den Klienten komme seine Direktheit gut an. Sie wollen kein Drumherum-Gerede, sondern schnörkellos die Wahrheit hören und packen Veränderungen an. Manser freut sich, wenn er zwischendurch Feedbacks von Bauernfamilien erhält, die sich auf seine Beratung eingelassen haben. Dabei spielt er eine Sprachnachricht von Johannes Mundigl ab. Der Holsteinzüchter aus Oberbayern gewann im August den Future Dairy Farmer Award 2025 und hat die Liegeboxen nach System Manser umgebaut. Er sagt: «Ich bin schwer begeistert von unseren Liegeboxen. Der Umbau hat sich bezahlt gemacht. Die Kühe haben mehr Platz, sind sauberer und ich habe deutlich weniger Arbeit mit den Boxen.»

Manser fügt an: «Darum macht mir mein Job extrem viel Freude. Ich darf mit motivierten Bauernfamilien zusammenarbeiten und sehe, dass ich etwas bewegen kann.»