Ruedi Zgraggen hat seit 2010 in seiner ruhigen Art den Schweizer Raufutterverband (SRV) präsidiert. Als das wichtigste Ereignis in seiner Präsidiumszeit hat sich die Absicht des Bundes in sein Gedächtnis gegraben, Zollstellen aufzuheben, was der SRV jedoch verhindern konnte.

Unvergesslich sind für ihn die Trockenjahre 2015 und 2018. Zgraggen pflegte all die Jahre die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Landwirtschaft, regelmässig, wenn die Importzölle geändert wurden oder intensiv in Trockenjahren. Auskünfte über den Heumarkt geben, im Frühjahr überschüssiges Heu vermarkten und in Mangelzeiten zusätzliches Heu beschaffen war sein Alltagsgeschäft. «Heu hat es entweder zu wenig oder zu viel», weiss er aus Erfahrung.

Mehr kurzfristige Heukäufe

2015 feierte der SRV sein 100-Jahre-Jubiläum. Macht es Zgraggen stolz, Präsident von einem so langlebigen Verband zu sein? «Die 100-Jahr-Feier war ein grosses Ereignis», erinnert er sich gerne. In all den Jahren habe sich der Raufutterhandel stark verändert, vergleicht Zgraggen. «Vor 30 Jahren deckten sich die Viehhalter rechtzeitig im Herbst mit genügend Heu ein, heute kaufen sie kurzfristiger, ja sie leben oft von der Hand in den Mund», hat er beobachtet. Entweder hatte seine Firma für diese Fälle das Heu an Lager, oder er musste es kurzfristig beschaffen. Weil der Heumarkt unberechenbar geworden sei, funktioniere die Belieferung der Viehhalter in verspäteten Frühjahren nur dank guten zuverlässigen Lieferanten in der Region, in der Schweiz und im Ausland.

In all den Jahren sei die Heuqualität leider nicht unbedingt besser geworden, bemerkt der SRV-Präsident kritisch. Weiter hätten sich die Transportkosten enorm verteuert, unter anderem wegen der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe LSVA.

 

Zur Person

Der 66-jährige Ruedi Zgraggen ist seit 2010 Präsident des Schweizer Raufutterverbandes. Im Landesproduktehandel sind die Zgraggens seit 1952 tätig. Zgraggen ist Präsident und Firmen-gründer der Zgraggen Transport Holding AG. Diese betreibt einen Agrarhandel, neben den Standbeinen Transport, Heizwerk Uri und Heizwerk Engelberg. Ruedi Zgraggen leitet den Agrarhandel, ist Landrat im Kanton Uri, aktuell als Landrats-Vizepräsident. 2020 wird er Urner Landrats-Präsident. Ruedi ist verheiratet mit Therese. Ihre Kinder Anita, Simon und Elias sind in der Zgraggen Transport Holding AG tätig. Ruedis liebstes Gericht ist Rösti und Kalbsgeschnetzeltes.

 

Viehbestände gehen zurück

Zgraggen hat den Rückgang der Viehbestände gespürt. «Früher gab es die Direktzahlungen nach der Zahl der Kühe, heute nach Fläche», weiss er. Enorm beliebt bei den Rindviehhaltern sei in den letzten Jahren die Luzerne geworden. Er vermutet, dass dies wegen der neuen Fütterungsnormen und dem Aufkommen der Mischwagen so ist.

«Wir selber handeln relativ wenig mit Luzerne», betont Zgraggen. «2020 wird mich das Amt des Landrats-Präsidenten des Kantons Uri voraussichtlich stark beschäftigen. Deshalb ist heute der ideale Zeitpunkt, um zurück zu treten», betont Zgraggen.

Optimistischer Zukunftsblick

Im Tagesgeschäft werde er 2020 kürzer treten, aber das falle ihm leicht, weil die familieninterne Nachfolge geregelt sei. Er blickt aber optimistisch in die Zukunft. «Es wird immer trockene und nasse Jahre geben und es wird immer ein Auf und Ab am Markt geben», vermutet er. Was weiter zunehmen werde, sei der Anteil der Grossballen. Sogar im Berggebiet würden die neuen Ställe «grossballenkompatibel» gebaut, was das Abladen gewaltig erleichtere. Beim Stroh habe das Handelsvolumen in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen, weil die tierfreundliche Haltung der Tiere gewachsen sei. Beim Stroh sei noch ein Wachstum möglich, prognostiziert Zgraggen zum Abschluss.