Aufgewachsen im Flachland, auf einem Landwirtschaftsbetrieb in Schaffhausen, war für Angelina Pfeiffer schon als kleines Mädchen klar, dass sie einmal z’ Alp gehen möchte. Bis es dann mit 29 Jahren so weit war, ist einiges passiert. Die heute 30-Jährige hat Landschaftsgärtnerin gelernt, durch einen Unfall konnte sie jedoch nicht mehr in der Form auf dem Beruf arbeiten. 

Deshalb machte sie sich im Hundebusiness selbstständig: als Betreuerin, Coach und Ernährungsberaterin. Nach viereinhalb Jahren Durcharbeiten und einem weiteren Schicksalsschlag war für sie klar: Es muss sich etwas ändern.

Das tun, was die Kuhliebhaberin am liebsten macht

«Als ich aus dem Spital nach Hause kam, sagte ich zu meinem Mann: Schatz, ich gehe z’ Alp! Entweder du kommst mit oder nicht.» Darauf schaltete sie auf der Plattform zalp.ch ein Inserat. Zwei Wochen später besichtigte sie mit ihrem Mann Heinz Pfeiffer eine Alp im Berner Diemtigtal, auf der sie dann zwei Sommer lang arbeitete. Gedacht war das Ganze als viermonatige Auszeit – quasi als Tapetenwechsel. 

Als dann während Angelina Pfeiffers erster Alpzeit die Kündigung ihres Hauses in Schaffhausen im Briefkasten lag, war es Heinz, der sagte: «Komm, wir bleiben da!» Als Grenzwächter hielt er sich schon länger jeweils einige Wochen im Jahr als Ausbildner in Interlaken BE auf. Die Berge wurden somit zur neuen Heimat der Pfeiffers.

Nach einem weiteren Inserat auf zalp.ch hatte Angelina Pfeiffer einen Job auf einem Landwirtschaftsbetrieb mit insgesamt 30 bis 35 Tieren, bestehend aus Milchkühen, Aufzuchtrindern und einigen Kälbern. Zum Betrieb gehören zwei Alpen, eine davon mit Bergbeizli. Die Idee war, dass Angelina Pfeiffer dort das tun konnte, was eine Kuhliebhaberin am liebsten macht: Kühe melken und betreuen. Sie habe absolut keine Intention gehabt, noch einmal eine Lehre zu machen, sagt sie. Der Haken daran: Wenn sie etwas mache, dann richtig. Fundiert und mit dem nötigen Hintergrundwissen.

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Angestellte und Chef kehren zurück auf die Schulbank

So wurde Angelina Pfeiffers Wunsch immer grösser, die Ausbildung als Landwirtin doch noch zu absolvieren. Das bedeutete aber auch, dass nicht nur sie, sondern auch ihr Chef die Schulbank drücken musste. Er, um den Berufsbildner zu machen, Sie in der Berufsschule der Nachholbildung. Die Idee, Lehrlinge auszubilden, war für Pfeiffers Chef nicht neu. Die Betriebsleiterschule hatte er bereits absolviert, aber es hatte sich bis dahin nicht ergeben. Mit Angelina Pfeiffer im Boot – oder vielmehr im Stall – entstand so eine Win-win-Situation für beide.

Eine Ausbildung – ohne eigenen Hof, dafür mit Hin und Her

Dass die Schule nicht ganz ohne ist, wurde der angehenden Landwirtin erst im Sommer 2025 bei ihrem Lehrbeginn klar. Weniger, weil sie eine Frau ist – das sei kaum Thema in der Klasse, sagt sie. Wenn, dann werde sie eher darauf angesprochen, warum sie die Ausbildung mache, wenn sie keinen eigenen Betrieb in Aussicht habe. 

Damit Angelina Pfeiffer am Inforama Berneroberland Hondrich zur Schule gehen konnte, musste sie vorab ein Gesuch stellen. Denn Ihr Lehrbetrieb befindet sich in Jaun im Kanton Freiburg. Pfeiffer wohnt im Berner Simmental – somit fährt sie jeden Tag, von der herrlichen Bergkulisse umrahmt, über den Jaunpass zur Arbeit.

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Die Sache mit der Zweisprachigkeit

Die Sprachbarriere sei manchmal ärgerlich, erzählt die Schaffhauserin. Und damit meint sie nicht ihren Dialekt, sondern das Französisch, das im zweisprachigen Kanton Freiburg gesprochen wird. Denn das könne sie nicht wirklich, sagt sie und schmunzelt. Weiter erzählt Angelina Pfeiffer, dass sie ihrem Französischlehrer aus der Schulzeit geschrieben habe, er habe schon Recht gehabt: Man wisse nie, wann man etwas nochmal brauchen könne. Damals habe sie es ihm ja nicht geglaubt, heute sei sie bei ebendiesem im Unterricht das beste Beispiel.

Die aktuelle Situation ist «wie ein Sechser im Lotto»

Für Angelina Pfeiffer ist es keine Option, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Zu sehr sind ihr die Berge ans Herz gewachsen. Sie hat nun mit Heinz eine lockere Suche nach einem Hof in der Gegend, in der die beiden jetzt wohnen, begonnen. Die Suche hat sie aber nach Ausbildungsbeginn wieder zurückgestellt. Für beide ist klar: Wenn es sein soll, dann wird es so sein – wenn nicht, dann eben nicht. 

«Denn das Herz muss ‹JA!› schreien, wenn wir auf einen potenziellen Hof kommen», stellt Angelina Pfeiffer klar. Ebenso klar ist ihr: Die Flexibilität, die sie jetzt im Angestelltenverhältnis hat, die gäbe es mit einem eigenen Betrieb nicht mehr. Man werde abhängig, hat sie das Gefühl. Der Besuch bei Freunden in der Ostschweiz würde noch schwieriger. Den aktuellen Arbeitsort bezeichnet sie nicht nur deshalb als «Sechser im Lotto». 

Die Konsumenten via Insta erreichen

Ihr Ziel ist es, die Konsumenten mit ins Boot zu holen, ihnen zu zeigen, was Landwirtschaft bedeutet, was und vor allem auch, wie produziert wird. Und natürlich will sie das Bestmögliche für die Tiere herausholen. Da gäbe es so viele andere Möglichkeiten als einen eigenen Betrieb. Heute betreibt Angelina Pfeiffer bereits einen Instagram-Account, in dem sie landwirtschaftliche Themen anspricht. Man merkt: Das Thema liegt der jungen Frau sehr am Herzen.

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Hunde und Landwirtschaft

Die weiteren Ziele sind für Angelina Pfeiffer bereits klar: Zuerst will sie die Nachholbildung abschliessen und gleich danach mit der Betriebsleiterschule weitermachen. Keine Pause dazwischen, das sei der Tipp ihres Lehrmeisters gewesen. Daneben arbeitet sie weiterhin in Jaun und bietet auch im Berner Oberland wieder Hundecoachings und -ernährungsberatungen an.

Weiter absolviert Angelina Pfeiffer aktuell den Herdenschutzhundekurs, damit sie später sowohl zur Haltung als auch zur Züchtung dieser Rassen befähigt ist. Sie ist überzeugt, dass Herdenschutzhunde immer mehr an Präsenz gewinnen. Sie sei lieber heute die Person, über die man sage: «Die spinnt», als dass sie die Augen verschliesse. 

Für Hobbys bleibt da nicht viel Zeit. Sie designe gerne Webseiten und mache gerne Mantrailing (Personensuche) mit ihren beiden Hunden – Wolfshund-Rüde Myraz und Malinois-Hündin Akura. Und die Arbeit? Sie liebe, was sie hier tun könne: z’ Alp gehen, ihre «Frauen», wie sie die Kühe liebevoll nennt, «betüddeln» und melken. Letzteres sei für sie fast wie Meditieren. Der grösste Wunsch von Angelina Pfeiffer: Irgendwo richtig anzukommen, in welcher Form auch immer.

 Mit Pfoten und HörnerN unterwegs

Fragen an Angelina Pfeiffer

Von welcher Erkenntnis erzählen Sie immer wieder?
Dass das Leben endlich ist. Dass man das Beste aus dem Tag machen soll. Das hat mir auch mein Schicksalsschlag gezeigt.

Mit welcher verstorbenen Person möchten Sie noch einmal sprechen?
Ich glaube fest daran, dass uns die Seelen weiter begleiten. Wenn wir offen sind für die kleinen und grossen Zeichen, die sie uns immer wieder zeigen. Die einen an sie erinnern und ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Was braucht ein Bauernhof der Zukunft?
Ganz viel Innovation.

Worüber haben Sie sich in den letzten 24 Stunden geärgert?
Über meinen inneren Kritiker.

Welchen Traum möchten Sie verwirklichen?
Den Traum vom Ankommen. Und davon, die Konsumenten aufzuklären und das Beste aus der Landwirtschaft herauszuholen.