An zwei Anlässen informierten sich die Mitglieder des Verbandes Thurgauer Milchproduzenten (TMP) über das aktuelle politische Geschehen am Milchmarkt. Gastreferent in Sulgen war Boris Beuret. Der SMP-Präsident startete mit positiven Nachrichten: «Die Landwirtschaft blieb nach den politischen Debatten bis jetzt von den Sparplänen des Bundes weitestgehend verschont.» Auch im Hinblick auf die Agrarpolitik (AP) 2030 gab es Erfreuliches zu berichten. Eine Motion zur Stärkung der Milchwirtschaft wurde vom Stände- und vom Nationalrat angenommen. «Das sind gute Nachrichten», sagte Beuret.

Nach grossen Ausgaben: BOM-Kässeli ist leer

Am meisten beschäftigt Boris Beuret die Situation auf dem Milchmarkt. Seit Juli 2025 steigt die Gesamtmilchmenge, gleichzeitig sind die Exporte – allen voran bei Käse – eingebrochen. Aktuell liegt die schweizweit produzierte Milch 10 % über der Vorjahresmenge. «Das gab es noch nie», hielt Beuret fest. Seitens der Branchenorganisation Milch (BOM) habe man alle Möglichkeiten zur Marktstabilisierung ausgeschöpft. 2000 t Rahm und 3500 t Butter werden laut Beuret exportiert. «Wir haben das Maximum gemacht. Jetzt ist die Kasse leer», verdeutlichte er.

C-Milch separat ausweisen und Produktion drosseln

Um den Markt zu stabilisieren, wurde auf den 1. Januar die C-Milch wieder eingeführt. Die SMP sprechen dabei von «freiwilliger Produktion», die für den Export bestimmt ist. Damit die Branche Zahlen zur C-Milch-Menge hat, muss diese auf der Milchgeldabrechnung separat ausgewiesen werden. Dies ist noch nicht bei allen Milchkäufern der Fall.

Bei Betrieben mit einem Mischpreis ohne transparente Segmentierung sei es gar nicht möglich, weniger oder gar keine C-Milch zu produzieren, meinte Boris Beuret. «Aber wenn wir die Produktion nicht stark drosseln, fahren wir die Schweizer Milchproduktion an die Wand», warnte er eindringlich.

Boris Beuret betonte, die SMP hätten sich dafür eingesetzt, die überschüssigen Mengen zu verteilen. Alle Erstmilchkäufer müssten einen Teil der Last tragen und einen Teil C-Milch übernehmen. «Am besten wäre, diese Milch gar nicht erst zu produzieren», sagte Beuret. Schon im Oktober habe man an die Milchproduzenten appelliert – ohne Erfolg. Dass diese unpopuläre Massnahme bei den Produzenten nicht gut ankommt, ist nachvollziehbar.

Verarbeitungsbetriebe am Limit

Ein Milchbauer fragte, welchen Beitrag die Milchkäufer leisten würden. Boris Beuret entgegnete, dass die Verarbeiter täten, was sie könnten, um die Milch zu verarbeiten. TMP-Vorstandsmitglied Simon Schönholzer, Vertreter der PMO Biedermann, bestätigte: «Die Anlagen laufen auf maximaler Auslastung. Die Verarbeitungskapazitäten sind erreicht.» Beuret fügte hinzu, dass es auch an Kapazitäten fehle: «Hochdorf ist geschlossen und Cremo hat sich strategisch neu orientiert.» Beide hatten in der Vergangenheit grosse Mengen überschüssiger Milch zu Pulver und Butter verarbeitet.

Letztendlich geht es laut dem SMP-Präsidenten um das Image und die Glaubwürdigkeit der Milchbranche. «Obwohl es mittel- und langfristig nicht zu viel Milch geben wird, wären wir gut beraten, die aktuelle Überproduktionsphase zu meistern.»

Aktuelles aus dem Verband

TMP-Präsident Daniel Vetterli und Geschäftsführer Kurt Krucker informierten die Mitglieder über Aktualitäten und Geschäfte des Verbandes TMP.

Massnahmenplan Ammoniak: Die TMP setzen sich dafür ein, dass bei den Bauvorschriften weitere Massnahmen anerkannt werden. Zwei neue Produkte zur Emissionsminderung in Milchviehställen werden geprüft. Die Idee einer Flexibilisierung der Massnahmen fand aber beim Amt für Umwelt keinen Anklang.

RPG 2: Bei der zweiten Etappe der Teilrevision des Raumplanungsgesetzes steht das Bauen ausserhalb der Bauzonen im Zentrum. Die TMP und der Verband Thurgauer Landwirtschaft bildeten eine Arbeitsgruppe, die sich dafür einzusetzt, dass die Landwirtschaft nicht eingeschränkt wird.

Antibiotikaeinsatz: Agroscope hat im August 2025 das Projekt «Re-Lait» gestartet. Mit diesem sollen Erkenntnisse zur Antibiotikareduktion gewonnen werden, die auf die gesamte Schweizer Milchwirtschaft anwendbar sind. Im Kanton Thurgau starten TMP, Arenenberg, Bamos und der Rindergesundheitsdienst ebenfalls ein Beratungsprojekt mit 20 bis 30 Pilotbetrieben, um die Möglichkeiten zur Antibiotikareduktion in der Milchproduktion auszuloten.

Käsereifungs AG: Das Käsereifungslager in Weinfelden ist eines von zweien im Kanton. Das zweite befindet sich in Steinebrunn. Das Ziel ist es laut Krucker, die beiden Lager auf den Standort Weinfelden zu konzentrieren. Die Gebäude in Steinebrunn sollen verkauft werden. In Weinfelden sind Investitionen in Technik und Infrastruktur in der Höhe von 500 000 Franken geplant. Dabei soll die Auslastung der Lagerkapazität von heute 50 auf 90 Prozent erhöht werden.