Eine Woche ist keine Woche: Der Schweinebranche bleibt derzeit nicht vielmehr übrig, als abzuwarten und zu beobachten, was die ergriffenen Sofortmassnahmen bewirken. Sicher ist: Konsumenten dürften noch einige Zeit lang zu günstigen Preisen erstklassiges Schweizer Schweinefleisch erwerben können, denn auch wenn sich die Mastställe nun langsam leeren, füllen sich die Kühlhäuser umso mehr.

Schlachtbetriebe füllen aktuell ihre Kühllager

Vergangene Woche wurden laut Statistik von Proviande 53  507 Schweine geschlachtet. Dies bei einer Bedarfsmenge an inländischen Schweinen von rund 45  000 Stück pro Woche. Einerseits gab es nach zwei Feiertagswochen mit sehr wenigen Schlachtungen bei den Verarbeitern Nachholbedarf. Andererseits besteht in den Mastställen ein massiver Rückstau, der dringend abgebaut werden soll, um tierschutzrelevante Zustände zu verhindern. Tatsächlich scheint der sehr tiefe Schweinepreis den nötigen Anreiz zu setzen, dass die Schlachtbetriebe nun fleissig ihre Kühllager mit den überzähligen und überschweren Schlachtschweinen füllen.

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Der Schweinezyklus wirft Wellen bei Mengen und Preis

Auch bei den Schlachtmoren steigt laut Handel das Angebot und die lange geforderte Reduktion der Zuchttiere scheint endlich stattzufinden. Die Marktkommission von Suisseporcs ergreift diese Woche eine weitere Massnahme, um künftigen Überproduktionen schneller entgegenzuwirken. Die Berechnung des Jagerpreises wird so angepasst, dass dieser schneller sinken soll, wenn die Schlachtungen über die Zielmenge steigen. Denn ein zentrales Problem in der Schweineproduktion ist die grosse zeitliche Lücke zwischen Belegung der Sauen und der Schlachtung der schweren Schlachtschweine.

Ein wirksames Mengenmonitoring oder gar eine Mengensteuerung fehlen bisher, was in Krisenzeiten zwar immer wieder kritisiert wird. Sobald die Preise jedoch wieder steigen, findet sich keine Mehrheit, um eine künftige Überproduktion mit Massnahmen einzudämmen. Zumindest bisher konnte sich die Branche auf keine Methode einigen. So wirft der Schweinezyklus weiter seine Wellen bei Mengen und Preis.

Zucht muss Produktion reduzieren

Von der Belegung der Sau bis zum Moment, in dem sich eine Überproduktion im Schlachthof zeigt, dauert es rund ein Jahr. Hinzu kommt, dass nur gut die Hälfte der Jager über den Handel geht und erfasst wird. Rund 40% der Jager bleiben in geschlossenen Zucht-/Mastbetrieben und werden erst bei der Schlachtung «sichtbar». So wurden die nun geschlachteten Schweine vor einem Jahr durch entsprechende Belegungen erzeugt, damals, als der Markt in Ordnung schien und die Menge im Lot war.

Der Zuchtfortschritt führt dazu, dass es immer weniger Sauen bräuchte, um die wöchentliche Zielmenge zu produzieren. Eigentlich müssten Stallkapazitäten frei bleiben. Doch sind die Jagerpreise hoch, ist die Versuchung gross, wieder ein paar Sauen mehr zu belegen. Jedoch betont die Branche immer wieder, dass eine Überproduktion bei den Sauenbelegungen verhindert werden muss. Sind die Jager erst mal da, werden diese von den Mastbetrieben eingestallt, denn auch dort gibt es in den Ställen Überkapazitäten.

Damit eine drohende Überproduktion künftig bei den Jagern schneller preiswirksam wird, passt Suisseporcs die Preisberechnung an. Dazu wird die Zielmenge von bisher 45000 auf neu 44000 gesenkt. Ausserdem werden die Einstallungen in der Formel stärker gewichtet. Im Endeffekt soll künftig der Jagerpreis schneller sinken, wenn die Einstallungen steigen.

Viel Uneinigkeit in der Branche

Bereits an diesem Punkt beginnt die Uneinigkeit der Branche. Sollen im Falle einer drohenden Überproduktion die Jagerpreise steigen, damit sie von den Mästern nicht mehr gekauft werden? Oder müssen die Jagerpreise so weit sinken, dass weniger Sauen belegt werden? Für den Branchenverband Suisseporcs ist die Lage während Tiefpreisphasen nicht einfach. Und so betont sie im Marktkommentar ausdrücklich, auch das angepasste Preismodell könne nicht zur Mengen- und Marktsteuerung eingesetzt werden.