Ziemlich genau drei Jahre ist es her, seit eine der grössten Krisen den Schweizer Schweinemarkt erschütterte. Damals wurde als Notmassnahme mithilfe eines privatrechtlichen Fonds Schweinefleisch exportiert. In der Zwischenzeit gab es wieder gute bis sehr gute Jahre für die Branche. Diese Euphorie, gepaart mit Zuchtfortschritt, immer besserem Management auf den Betrieben und nun Ende Jahr aufgrund ungünstiger Feiertage weniger Schlachtungen, hat das Fass nun zum Überlaufen gebracht. 3,30 Franken pro kg Schlachtgewicht waren QM-Schlachtschweine diese Woche noch wert, 3,55 Franken gab es für IP Suisse. Zum Vergleich: Die Durchschnittspreise lagen in den Jahren 2024 und 2025 über einen Franken höher. Jager galten diese Woche 4,20 Franken pro kg Lebendgewicht und sind somit wieder auf dem Niveau von 2022. 

Schuldzuweisungen, aber sachlich

Vergangene Woche fand in Hildisrieden LU der traditionelle Leue-Höck der Zentralschweizer Suisseporcs-Mitglieder statt. Die aktuelle Situation schilderten Suisseporcs-Präsident Andreas Bernhard, Geschäftsführer Stefan Müller und Noldi Windlin, Präsident Fachkommission Markt. Dann wurde diskutiert.

Abo Schweinemarkt Pro Woche 3000 Schlachtschweine zu viel – das Jagermodell wird angepasst Friday, 9. January 2026 Und die Stimmung ist wenig überraschend nicht gut und wie immer, wenn der Schweinemarkt an diesem Punkt angelangt ist, sind sich die verschiedenen Akteure wie Züchter, Mäster oder die Vermarktung nicht einig. Es gab gegenseitige Schuldzuweisungen, die Diskussionen sind gemäss Markus Käppeli, Präsident der Zentralschweizer Sektion und somit Gastgeber, aber sachlich verlaufen, wie er im Nachgang gegenüber unserer Zeitung erklärt. Aufgeworfene Themen waren etwa das Jagerpreismodell, der massive Preisabschlag bei den Schlachtschweinen und den Jagern oder die Frage nach einer Marktlenkung. Käppeli selbst erhofft sich nun hohe Schlachtungen, diesbezüglich gäbe es gute Signale, auch mit Zusatzschlachttagen. Ansonsten sind die Aussichten für die kommenden Monate nicht rosig. «Die Produktion läuft, die Sauen sind belegt», sagt Käppeli. Zumindest bis Herbst dieses Jahr bleibt die Produktion also hoch, herausfordernd wird entsprechend der Sommer. Rund 200 Millionen Franken Wertschöpfung würde mit dieser Überproduktion von 5 Prozent vernichtet, rechnet Käppeli vor. Nun werde auch der Branchenverband wieder über altbekannte und neue Massnahmen beraten. Längerfristig gehen viele Fachleute davon aus, dass die Schweineproduktion nicht zunimmt, insbesondere auch wegen in einigen Kantonen kaum überwindbaren Hürden bei Baubewilligungsverfahren.

«Wir könnten es doch gut haben»

Eine vermittelnde Rolle zwischen den Fronten nahm am Leue-Höck der ehemalige Suisseporcs-Präsident Meinrad Pfister ein. «Es gibt wohl Hundert Ideen, wie die Menge gesteuert werden könnte», sagt er. Und so sei auch die Diskussion verlaufen. Der Schweinezüchter und Kartoffelproduzent nahm auch die Schweinevermarkter in die Pflicht. Bei den Kartoffeln gäbe es Kontrakte. Eine Mengenplanung brauche es auch in der Schweineproduktion.

Enttäuscht über die aktuelle Situation ist der Luzerner Mäster Jakob Tschopp. Auf seinem Hof in Mauensee hat er sich auf Ackerbau und Schweinemast spezialisiert. Die Produktion könne nur über den Preis gesteuert werden, sagt er. «Die Jagerpreise hätten bereits im Sommer 2025 nach unten korrigiert werden müssen». Man habe sich zu lange hinter dem Jagerpreismodell versteckt. Seinen Stall bestösst er kontinuierlich. «Im Herbst wäre ich besser in die Ferien verreist, als Jager zu den damaligen Preisen einzustallen», so sein Fazit. Die Situation sei unbefriedigend. «Im Gegensatz zu den Milchbauern produzieren wir in einem geschützten Markt, wir könnten es doch gut haben». 2026 sei preislich gelaufen. Die Zeche bezahlten wohl wiederum die Mäster, so Jakob Tschopp.

Ende der Misere nicht absehbar

Einen Haufen Mehraufwand und wenig Freude an der aktuellen Lage mit den unzufriedenen Kunden haben die Schweinevermarkter. Die Platzierung der Jager sei bereits seit letztem Sommer erschwert, heisst es dort. Dass im Herbst der Zielwert von 45 000 Schlachtungen überschritten wird, sei nicht neu, aber das Ausmass schon. Man habe noch die gleichen Jagerproduzenten wie vor dieser Krise, diese lieferten aber mehr Jager. Ein Grund sehen Händler auch darin, dass aktuell viele Sauen in den Ställen altersmässig um den 3. und 4. Wurf stehen und damit in ihrer produktivsten Phase. Bei IP sei die Lage noch angespannter als bei QM. Kleine Hoffnungsschimmer sind rückläufige Sperma-Verkäufe und vermehrtes Ausmerzen von Sauen.