Die Feiertage, die mitten in der Woche liegen, sind für Arbeitnehmer ein Segen, für den Schweinemarkt bedeutete es, dass das Fass definitiv überlief. Zwei Wochen mit sehr wenigen Schlachtungen vergrösserten den latenten Rückstau in den Ställen so sehr, dass nun der Preis massiv reagiert. So gelten diese Woche Schlachtschweine noch 3.30 Fr./kg – 70 Rappen weniger als vor den Festtagen. «Die Schweinehaltenden sind darüber sicher enttäuscht», fasst Adrian Schütz, der stellvertretende Geschäftsführer von Suisseporcs, die Lage zusammen. Es ist eine Krise mit Ansage, denn Suisseporcs rief seit Wochen dazu auf, die Morenbelegungen dringend zu reduzieren.

Möglichst viel und rasch schlachten

Dass der Schweinezyklus wieder zuschlagen wird, hat man in der Branche erwartet. Überrascht hat allerdings, dass es nach der Krise in den Jahren 2022 und 2023 so schnell ging, dass jetzt bereits wieder ein Überangebot ansteht. Konnten die Appelle von Suisseporcs noch ignoriert werden, ist nun das Preissignal klar: Es gibt zu viele Schweine auf dem Markt, und die müssen dringend abgeräumt werden. Soll der Markt wieder ins Lot geraten, muss die Produktion um rund 5% sinken, rechnet Suisseporcs vor.

Nach zwei Wochen mit nur gut der Hälfte der gewohnten Schlachtungen stauen sich die Schweine in den Ställen. Dies mit den bekannten Auswirkungen, dass die Schlachtgewichte steigen. Das Überangebot steigt ebenfalls täglich und damit drohen auch Tierschutzproblematiken. Der tiefe Preis ist ein Signal, dass es nun schnell gehen soll. Die Schlachtbetriebe haben auch in den vergangenen Wochen das Überangebot recht gut abgeräumt. Damit jetzt aber genügend Schweine «in die Tiefkühllager» geschlachtet werden, braucht es einen entsprechend tiefen Preis. Und die aktuelle Situation eines Überangebots bietet dem Preiskampf der Detailhändler Nährboden.

Immer noch viele Jager auf dem Markt

Dass die Angebote überborden, war bereits seit längerer Zeit bekannt. Immer wieder mahnte Suisseporcs zum Masshalten. Dennoch: In den letzten zwölf Wochen des Jahres wurden im Schnitt 48638 Schweine pro Woche geschlachtet. Damit ist die Zielmenge von 45000 Stück deutlich überschritten und das in einem Markt mit hoher Inlandversorgung und ohne Exportventil.

Und auch jetzt kommen für diese Jahreszeit noch aussergewöhnlich viele Jager auf den Markt, stellen die Vermarkter fest. Nach der letzten Krise haben die Betriebe stark remontiert. Diese Sauen sind nun voll in der Produktion und im Leistungszenit – hinzu kommt ein Zuchtfortschritt von jährlich einem Prozent. Somit müssten entsprechend die Sauenplätze reduziert werden, soll das Angebot nicht steigen.

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Kaum Prognosen über Produktionsmenge möglich

Das Hauptproblem des Schweinemarktes ist seine träge Reaktion. Bis die Tiere zur Schlachtung kommen, fehlen die Daten, um Prognosen zu stellen, wie hoch die Produktion ist. Die Schweine, die jetzt geschlachtet werden, wurden vor einem Jahr belegt. Damals war alles in bester Ordnung und der Markt im Lot. Bis sich die aktuellen Morenbelegungen bei den Schlachtzahlen zeigen, wird es wieder ein Jahr dauern. Damit genauere Marktprognosen möglich wären, wäre es etwa hilfreich, wenn die Einstallungen via Begleitdokument erfasst werden könnten, gibt Adrian Schütz zu bedenken. Dabei würden jedoch beispielsweise kombinierte Zucht-/Mastbetriebe nicht erfasst. Einen umfassenden Überblick über den gesamten Markt und das gesamte Angebot haben auch die Vermarkter derzeit nicht. Deshalb sind auch Prognosen schwierig, wann die Krise bewältigt sein wird und man wieder bei der Zielmenge von 45000 Schlachtschweinen pro Woche die Produktion einpendeln kann.

Das Angebot muss sinken

«Die Produktion muss auf ein vernünftiges Mass wie 2024 sinken oder der Absatz steigen. Am besten ist eine Inlandversorgung von 90 bis 92%.» Davon ist Adrian Schütz überzeugt. Dann würden auch Feiertage oder eine Woche mit etwas mehr Schweinen nicht dermassen ins Gewicht fallen. Vorerst jedoch müssen die Produzenten mit Tiefstpreisen zurechtkommen. Damit sie in den Preisverhandlungen Gewicht bekommen, muss das Angebot deutlich sinken und die Kühllager müssen wieder geleert werden.

Ein zusätzlicher Grund für das aktuell hohe Angebot dürften auch die guten Preise der zwei vergangenen Jahre sein. Sowohl die Schweinemäster als auch die Züchter konnten nach mageren Jahren endlich wieder kostendeckende Preise realisieren. So galten Mastschweine im vergangenen Jahr durchschnittlich 4.51 Fr./kg SG. Im Jahr davor waren es 4.42 Fr./kg SG. Durchschnittliche Betriebe arbeiten bei rund 4.50 Fr./kg SG kostendeckend. Noch besser lief es bei den Züchtern. Sie bekamen für 20-kg-Jager im vergangenen Jahr im Schnitt 7.41 Fr./kg LG. Derzeit sind es gerade noch 4.20 Fr./kg LG – also keine hundert Franken für einen 20 Kilo schweren Jager.

Der Wertschöpfungsverlust der Branche ist immens. Bei 48683 Schlachtschweinen pro Woche mit einem Schlachtgewicht von 90 kg bedeutet ein Preisabschlag von 70 Rappen wöchentlich rund drei Millionen Franken weniger Einnahmen für die Schweinebranche.

Jagermodell wird angepasst

Diese Woche teilt nun Suisseporcs mit, dass das Jagermodell angepasst wird und der Jagerpreis somit schneller auf grosse Angebote reagieren soll. Im vergangenen Sommer und Herbst habe sich gezeigt, dass das aktuelle Jagermodell verzögert auf grosse Angebote reagiert. Entsprechend habe die Fachkommission Markt und die Geschäftsstelle Verbesserungen bei der Berechnung des Jagerpreises ausgearbeitet. Als zielführend habe sich eine Reduktion der Zielmenge von bisher 45 000 Schlachtschweine pro Woche auf neu 44 000 Schlachtschweine pro Woche herausgestellt. Erhöht werde auch der Index der Schlachtschweine von aktuell 50 auf neu 60%. Damit erhalten die Einstallungen bei den Mastjagern mehr Gewicht und der Preis für Mastjager reagiert entsprechend deutlicher. Diese Änderungen wurden von der Fachkommission Markt mit einem deutlichen Mehrheitsentscheid beschlossen, teilt Suisseporcs mit. Gleichzeitig wird betont, dass das Jagerpreismodell kein Mengen- oder Marktsteuerungsmodell sei.