Aktuell läuft die Schweineproduktion in der Schweiz zu hoch – entsprechend sind die Schweinepreise im Keller. In dieser Situation, die gemäss Schweinezyklus alle paar Jahre eintritt, gibt es genauso viele Expertenmeinungen wie Schweineproduzenten. «Das hätte man kommen sehen und entsprechend eingreifen müssen», war eine Aussage eines «Söielers» diese Woche in Sursee anlässlich eines Landi-Schweineseminars. «Die Jagerpreise waren zu lange zu hoch», meinte ein anderer. Ab und zu wird auch der Spermaverkauf der Suisag als Indiz herangezogen, in welche Richtung die Produktion in etwa gehen könnte.

Die Ausschläge waren in den letzten 3 Jahren klein

Im Fall der Schweine dauert die Zeit von der Belegung bis zur Schlachtung rund zehn Monate. Die Produktionsmengen 2026 sind also bis in den Herbst hinein «gemacht». Doch was taugen die Spermaverkäufe als Mittel, um in die Glaskugel schauen und die künftige Menge an Schlachtschweinen abschätzen zu können? 

«Wenig bis nichts», tönt es unisono vom Produzentenverband Suisseporcs und der Suisag. Je nach Sommer gibt es mehr oder weniger Umrauscher, und in der Folge nehmen die Absätze der Suisag mehr oder weniger zu. Das verzerrt das Bild. «Dieser Effekt übersteuert vieles», sagt Suisag-Geschäftsführer Matteo Aepli. Aufgrund der enorm hohen Schlachtungen von wöchentlich 52 000 Schweinen und mehr seit Jahresbeginn müssten folglich die Verkaufszahlen bei der Suisag im Zeitraum Februar, März 2025 sehr hoch gewesen sein. Das waren sie aber nicht (siehe Grafik). Die Ausschläge waren in den vergangenen drei Jahren nur minim. 2021 ist auffällig mit hohen Verkaufszahlen im Herbst. Der Sommer war aber mehr nass denn heiss – vom Juni abgesehen.[IMG 2]

Viele Faktoren haben einen Einfluss

Zu viele Schlachtschweine gab es auch Ende 2022. Die Verkaufszahlen waren aber im Februar 2021 nicht höher als im Februar 2022. Bekanntlich gibt es auch Mastferkelproduzenten, die je nach Schweinepreis zwei oder drei Blister pro Sau einsetzen – mit Auswirkungen auf die Verkaufszahlen. «Natursprung kommt vor allem dann vermehrt zum Einsatz, wenn eine oder wenige Sauen zu decken sind und an diesem Tag gerade kein Sperma auf dem Betrieb ist», so Aepli. Deckeber würden wohl recht konstant auf tiefem Niveau eingesetzt, unabhängig von Preisen. Genetik-Importe seien unbedeutend, da nur aus PRRS-freien Ländern erlaubt. Und da kommen nicht viele infrage. Den Anteil an Hofabsamern schätzt Aepli als «konstant auf tiefem Niveau» ein. Da steige niemand spontan ein, es brauche eine Menge an Infrastruktur, Know-how und zeitlichen Ressourcen.

Es gibt weitere Einflussfaktoren auf die Anzahl Mastjager: etwa das Alter der Sauen, das Gesundheitsniveau, Zuchtfortschritt, das Fütterungsmanagement und Umweltfaktoren. Alle wichtigen Fruchtbarkeitsparameter entwickelten sich positiv in den letzten Jahren. So gibt es weniger Umrauscher und mehr abgesetzte Ferkel. Auch bei der Mast nehmen die Abgänge laufend ab. Diese Zahlen sind bekannt. Nicht bekannt bzw. nie aktuell ist die Anzahl produktiver Zuchtsauen.