Die SRF-«Rundschau» widmete am Mittwochabend, 14. Januar, einen Beitrag der Frage, ob neue Gentech-Verfahren an Tieren erlaubt werden sollen. Im Fokus stand das Thema, das die Landwirtschaft bereits letzten November umtrieb: gentechnisch veränderte Eber ohne Hoden.

Forscher des deutschen Friedrich-Loeffler-Instituts haben mit der Genschere Crispr/Cas Schweine gezüchtet, bei denen die Eber keine männlichen Geschlechtsorgane entwickeln. In der Schweiz sind solche Tiere verboten – genetisch modifizierte Nutztiere sind tabu. Der Eingriff soll die Kastration männlicher Ferkel überflüssig machen. In der Schweiz würden jährlich 1,2 Millionen Ferkel kastriert, heisst es im Beitrag.

Die Suisag gibt dem SRF keine Antwort

Analyse Der fatale Super-GAU mit der hodenlosen Super-Sau: Jetzt muss klar kommuniziert werden Saturday, 8. November 2025 Die Suisag gab auf Anfrage des SRF keine Stellungnahme ab, obschon sie das Thema eigentlich aufs Tapet brachte. So lud die Suisag die Forscherin Christine Tait-Burkard vom Roslin Institute im schottischen Edinburgh zu einer internen Tagung nach Sempach LU ein. Tait-Burkard ist «Miterfinderin» eines genveränderten Schweines, das resistent gegen ein Virus ist. Zur Sendung wollte die Suisag sich nicht äussern.

Der Schweinehalter Peter Anderhub aus dem aargauischen Muri hingegen stand dem SRF Rede und Antwort. Der Ceres-Award-Gewinner aus dem Jahr 2024 betreibt einen sehr modernen und tiergerechten Schweinestall. 140 Mutterschweine und rund 200 Mastschweine leben auf seinem Betrieb – mit grossem Platzangebot, eingestreuten Liegeflächen und permanentem Auslauf. Anderhub ist IP-Suisse-Produzent und gilt als Vorzeigebetrieb in Sachen Tierwohl.

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Im Beitrag ist auch Bundesrat Albert Rösti zu sehen. Was die Landwirtschaft wusste und nun auch in der «Rundschau» diskutiert wurde: Die Debatte kam zu einem brisanten Zeitpunkt. Seit 2005 gilt in der Schweiz ein Gentechnik-Moratorium für Pflanzen. Bundesrat Albert Rösti möchte die Genschere bei Pflanzen zulassen. Die Vernehmlassung ist jüngst abgeschlossen – Tiere sind darin kein Thema. Gentechnikkritische Kreise befürchten dennoch: Die Regelung für Pflanzen könnte ein Türöffner sein.

Dass das Thema heikel ist, zeigte auch die Geschichte eines nie eingereichten Vorstosses. Mitte-Nationalrat Leo Müller, Verwaltungsratspräsident der Suisag, hatte im Sommer 2025 einen Vorstoss vorbereitet. Er wollte den Bundesrat fragen, warum die Genschere nur bei Pflanzen zugelassen werde. Als Beispiele nannte er hornlose Kühe und Schweine ohne Ebergeruch. Eingereicht hat Müller den Vorstoss schliesslich nie.

Kritiker warnen vor gentechnisch veränderten Tieren

Abo Neue Züchtungstechnologien Genom-Editierung: Sicher keine «Eber ohne Hoden», aber pflanzenbaulich interessant Monday, 5. January 2026 Die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) lehnt Gentech-Tiere ab. «Gentechnik-Tiere für die direkte menschliche Ernährung zu züchten, ist ein hochriskantes Experiment mit unbekannten Folgen», sagte Geschäftsführer Dominik Waser in einem «NZZ»-Artikel vom November 2025. Nationalrätin Marionna Schlatter, Präsidentin der SAG: «Ein solcher Eingriff in die grundlegende Genetik des Tieres kann unbekannte Folgen für Tier, Umwelt und Gesundheit haben.» Die Auswirkungen auf Stoffwechsel, Fortpflanzung und Verhalten in der Herde seien völlig unerforscht, ist zudem einer Medienmitteilung der SAG vom November 2025 zum Thema «Tabubruch in der Schweinezucht» zu entnehmen.

Im Beitrag ist zu sehen, wie Peter Anderhub seine Ferkel kastriert. Als Lieblingsarbeit würde er das nicht bezeichnen, erklärt er, zeigt aber sehr genau, was seine Arbeit ist. Auf Anfrage der BauernZeitung erklärt der Schweinezüchter am Donnerstagmorgen, dass Transparenz sehr wichtig sei. Er sei sehr zufrieden mit dem Beitrag und habe auch schon erste positive Rückmeldungen erhalten. Wieso Suisag nicht Stellung beziehen will in der «Rundschau», versteht Anderhub hingegen nicht. «Wenn ich nicht mehr zeigen kann, was ich mache, dann bin ich am falschen Platz», weiss er.

«Wir müssen uns den Fragen stellen», sagt Peter Anderhub

Wie sich die Schweizer Schweinezucht künftig positioniert, geht aus dem Beitrag nicht hervor. Die Suisag schweigt öffentlich, die Suisseporcs kommuniziert klar, aber nur innerhalb der Branche. Dass das Thema auch ausserhalb der Branche diskutiert wird, zeigt der «Rundschau»-Beitrag. Nur eben hinter verschlossenen Türen.

Zumindest für Peter Anderhub ist klar: Schweigen sei kein Weg. «Wir müssen uns den Fragen stellen und transparent kommunizieren. Es gibt nichts zu verbergen.»