Preissenkungen Wettbewerbskommission prüft Brotmarkt: Aldi Suisse und Grossverteiler verteidigen Preissenkungen Thursday, 13. November 2025 Mit dem «99-Rappen-Pfünderli», einem 500-Gramm-Halbweissbrot, hat Aldi Suisse Mitte Oktober eine neue Runde im Preiskampf eingeläutet. Laut einer Medienmitteilung des Discounters steht das Angebot für eine konsequente Tiefpreisstrategie.

In der Schweizer Lebensmittelbranche löste die Aktion scharfe Reaktionen aus – auch an der Delegiertenversammlung des Dachverbandes Schweizerischer Müller (DSM), die Ende November in Winterthur stattfand.

«Ohne jede Würde», findet DSM-Präsident Thomas Helbling 

«Das ist eine Schande. Der Preis von einem Franken nimmt dem Brot jede Würde», sagte Thomas Helbling, Präsident DSM, in seiner Eröffnungsrede. Helbling kritisierte Aldi für das aggressive Preisniveau beim Brot und warnte vor den Folgen des Preiskampfs. «Kostete das Pfünderli letzten Herbst noch 1.50 Franken, ist es den Detailhändlern heute nicht einmal mehr einen Franken wert. Wir alle wissen, dass der reelle Preis für ein handgemachtes Pfünderli bei vier Franken liegt.»

Abo Analyse 99 Rappen fürs Brot – wer zahlt den Preis wirklich? Thursday, 13. November 2025 Helbling verwies auf das angespannte Marktumfeld, in dem sich die Schweizer Mühlen bewegen. Die Branche steht unter zunehmendem Druck – einem Druck, der von beiden Seiten wirke wie auf ein Getreidekorn zwischen zwei Mahlsteinen. Einerseits hätten die Mühlen die Richtpreise in den letzten drei Jahren um 15 Prozent erhöht, andererseits bleibe der Preisdruck vonseiten der Abnehmer hoch. Laut Helbling führt dieser Druck in der Branche zu einem verstärkten Argwohn und Misstrauen der Mitglieder untereinander.

Die Qualität der Ernte präsentiert sich ansprechend

Geschäftsführer Lorenz Hirt präzisierte die aktuelle Marktlage in seinem Situationsbericht. Die diesjährige Inlandernte sei mit 436 985 Tonnen Brotgetreide ausserordentlich hoch gewesen, die Qualität «ansprechend» ausgefallen. Kritik übte er an der Vergabepraxis bei den Zolltranchen. Innerhalb von Sekunden seien diese jeweils weg: «Die Verteilung läuft nach Entgegennahme der Zollanmeldung – das ist wie der Ticketverkauf bei einem Rolling-Stones-Konzert.» Sorgen bereiten dem Verband auch die steigenden Backwarenimporte. Laut Hirt «fressen» sie geradezu die zusätzliche Nachfrage nach Brot, die durch das Bevölkerungswachstum entsteht.

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Zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt

Im statutarischen Teil der Versammlung führte der DSM Gesamterneuerungswahlen durch, ausserdem wurden zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt. Diego Bryner von der Stadtmühle Schenk ersetzt neu Peter Grossenbacher. Christian Oesch von der Mühle Burgholz wird Nachfolger von Diego Della Cà.

«Eine verantwortungslose Preisspirale», findet der Schweizer Bauernverband – Lidl distanziert sich vom Mitbewerber

Die Kritik am Billigbrot kam nicht nur von den Müllern. Auch der Schweizer Bauernverband (SBV) warnt in einer Medienmitteilung vor einer «verantwortungslosen Preisspirale», die die gesamte Wertschöpfungskette gefährde. Besonders problematisch sei, dass Detailhändler immer neue Tiefstpreise setzten – unter dem Vorwand, dies ohne Druck auf Lieferanten zu tun. Der SBV hält das für unglaubwürdig: Früher oder später werde der Preisdruck an die Produzenten weitergereicht.

Der Verband fordert ein Ende des Preisdumpings und kostendeckende Produzentenpreise. «Was nichts kostet, ist auch nichts wert», so der SBV. Die Schweiz habe bereits heute einen der tiefsten Anteile am Haushaltsbudget für Lebensmittel. Noch tiefere Preise schadeten der Landwirtschaft und förderten die Lebensmittelverschwendung.

Auch Lidl Schweiz nahm in einer Medienmitteilung Stellung und distanzierte sich klar vom Vorgehen der Konkurrenz. Man wolle keine Preiskämpfe bei sensiblen Produkten wie Brot oder Fleisch anstossen, sondern reagiere lediglich punktuell auf Marktbewegungen. Mit der Marke «Qualité Suisse» stärkt man zudem laut Lidl Schweiz gezielt die Schweizer Landwirtschaft – und setzt ein bewusstes Zeichen gegen den Abwärtstrend im Regal.