Der Verein Faire Märkte Schweiz (FMS) hat auch im dritten Quartal 2025 ein Preismonitoring für Lebensmittel bei den Grossverteilern (Coop, Migros) und bei den Discountern (Aldi, Lidl) durchgeführt. Während die Differenz zwischen Konsumenten- und Produzentenpreisen bei konventionellen Produkten kleiner werde, sei sie bei Bio- und IP-Suisse-Produkten noch immer unverhältnismässig hoch.

Wertschöpfung bei Labelprodukten tiefer als bei konventionellen

Im Durchschnitt liegt der Wertschöpfungsanteil der Produzentinnen und Produzenten von Bio- und IP-Suisse-Produkten bei 36 %, während er bei konventionellen Produkten bei 46 % liegt. Besonders gering seien die Wertschöpfungsanteile für die Produzenten von Bio-Schweinsnierstücken mit 16 % und von Bio-Hinterschinken von 12 %.

Damit ist die Differenz zwischen Konsumenten- und Produzentenpreisen im Preismonitoring bei Bio-Hinterschinken rund dreimal und beim Kalbfleisch rund zweimal so hoch wie bei konventionellen Produkten.

Die grössten Veränderungen zeigten sich bei Äpfeln, Kartoffeln und Karotten. Schweizer Konsumenten würden heute für Bio-Äpfel mehr als im Vorjahr bezahlen, ohne dass Produzenten am Verkaufspreis beteiligt würden. Bei Bio-Kartoffeln sei die Differenz zwischen Konsumenten- und Produzentenpreis fast dreimal so hoch wie bei konventionellen Produkten; bei Bio-Karotten beträgt sie 1 Franken statt 20 Rappen.

Der Druck der Discounter wirkt

Bei Milch und Joghurt werde die Margendifferenz kleiner, was nicht zuletzt dem Einfluss der Discounter zugeschrieben werden kann. Der Preis für Erdbeerjoghurt habe sich bei den Grossverteilern auf das Niveau der Discounter von 4,40 Fr/kg eingependelt (zuvor 5,30 Fr./kg).

Die aktuellen Ergebnisse des FMS-Preismonitors 2025 legen nahe: Bioproduzenten erhalten eine zu geringe Entschädigung für ihren Zusatzaufwand in der Produktion, während ein grosser Teil der Wertschöpfung bei Verarbeitung und Handel bleibt.

Werden Kunden und Kundinnen ausgenutzt?

Konsument(innen) dagegen zahlen nicht nur den Zusatz für Bio, vielmehr schlagen die Grossverteiler zusätzliche Margen auf Bioprodukte. Mit den grossen Preisdifferenzen sind Bio- und Labelprodukte im Laden benachteiligt.

Die Kaufbereitschaft der Bio-Konsument(innen) wird ausgenutzt, ohne dass Produzentinnen, Umwelt und Tierwohl profitieren. Für viele Bauern ist die Produktion von Bioprodukten damit kaum noch lohnenswert. «Dieser Missstand erschwert die Transformation hin zu einer nachhaltigen Lebensmittelversorgung», so Stéphanie Lichtsteiner, Co-Geschäftsführerin von FMS.

Die Grossverteiler antworten

Die Medienstellen von Migros und Coop beziehen fast wortgleich Stellung zu den Aussagen des Preismonitors. Beide Genossenschaften betonen, dass sie die mit den Verbänden ausgehandelten Produzentenrichtpreise bezahlen würden. Und dass Label-Produkte höhere Anforderungen an die ganze Wertschöpfungskette stellten. Da die Waren nicht direkt vom Produzenten, sondern von Handelsorganisationen gekauft werden, entspreche der Produzentenpreis nicht ihrem Einkaufspreis.

Warum aber die Preisdifferenz zwischen Produzenten- und Konsumentenpreis bei den Label-Produkten so gross sein muss, erklären Coop und Migros nicht. Beide Grossverteiler betonen, dass sie eine offene und transparente Preisbildung betreiben würden, aber auf die Frage nach der Margenberechnung verweisen beide auf das Betriebsgeheimnis. Der Dialog werde mit allen Interessierten gesucht – das Preismonitoring von FMS aber als nicht zielführend abgelehnt.

FMS wünscht sich mehr Preistransparenz

Der Verein Faire Märkte Schweiz kämpft für mehr Preistransparenz in den Agrar- und Lebensmittelmärkten. Dasselbe wünscht auch der eidgenössische Preisüberwacher. Und das Parlament, das in der letzten Woche der Herbstsession die parlamentarische Initiative «Für eine wirksame Preisbeobachtung» angenommen hat. Die zwei Grossverteiler sind, mit 80 % der verkauften Lebensmittel, besonders marktmächtig. Marktmachtungleichgewichte und Intransparenz wirken sich in der Regel zulasten der Produzenten aus.

Die Haltung von Bio Suisse und IP-Suisse

Die Medienstelle von Bio Suisse erklärt auf Nachfrage der BauernZeitung, die Wertschöpfung der Bioproduzenten sei gut und die Produzentenpreise würden mit den Abnehmern direkt ausgehandelt. Zwischen Bio Suisse und den Detailhändlern bestehe ein konstruktiver Dialog auf Augenhöhe. Eine Zusammenarbeit oder gar eine Unterstützung des Vereins FMS sei darum unnötig.

Andreas Stalder von IP-Suisse nimmt eine klare Haltung zum Thema ein. Für die Arbeit von FMS hat er nur zum Teil Verständnis. Er sagt, dass die Margen für die Detailhändler stimmen müssten, damit diese die Produkte überhaupt ins Sortiment nähmen. Verhandlungen der Marktteilnehmer auf Augenhöhe sei darum besser als Konfrontation. Für ihn ist die Diskussion um die Margen darum nur ein Aspekt im Detailhandel. Eine wichtige Grösse in dem Zusammenhang sei auch der Preisdruck durch Label-Importwaren.