78 Rappen pro Kilogramm Milchpreis sinkt um 4 Rappen – BOM reagiert auf Marktdruck Tuesday, 16. December 2025 Der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) hat Anfang Woche beschlossen, den A-Richtpreis um 4 Rappen zu senken. Der neue Richtpreis von 78 Rappen pro Kilogramm gilt ab 1. Februar 2026 für elf Monate bis Ende Dezember 2026.

Auf den internationalen Märkten sinken die Preise für Butter und Magermilchpulver derzeit stark. Diese Entwicklung wirkt sich direkt auf das indexbasierte Richtpreissystem der Schweiz aus. Mit der Preissenkung will der Vorstand verhindern, dass der Preisunterschied zwischen der Schweiz und dem Ausland zu gross wird.

Erschwerend kommt hinzu: Im September und Oktober 2025 wurde in der Schweiz rund 6 Prozent mehr Milch produziert als im Vorjahr. Vereinzelte Abnehmer berichten gar von einer Überproduktion von 10 Prozent.

Verarbeiter unter Druck

Emmi bestätigt auf Anfrage, dass man den A-Milchpreis per Februar 2026 um 4 Rappen anpasse und sich gemäss Marktanteil an den Fettmarktentlastungsmassnahmen beteilige. «Sollte keine C-Milch geliefert werden, wird entsprechend weniger exportiert», erklärt Simone Burgener, Kommunikationschefin bei Emmi.

Aaremilch korrigiert den Marktabzug für Dezember 2025 und Januar 2026 um 2 Rappen nach unten auf minus 3 Rappen pro Kilogramm. Ab Januar will die Genossenschaft zudem die Preisreduktion für Milchlieferungen über die Monatsverwertungsmenge auf das Niveau von C-Milch erhöhen – aktuell sind das rund 25 Rappen pro Kilogramm.

Von Cremo und Hochdorf gab es bis Redaktionsschluss keine Rückmeldung. Brisant: In Sulgen TG sollen derzeit drei Pulvertürme von Hochdorf stillstehen – eine Bestätigung blieb aus. Die Frage drängt sich auf: Was passiert, wenn auch bei Cremo in Freiburg die Verarbeitung zurückgefahren wird?

SMP fordert «konkrete Taten»

Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) haben an einer Vorstandssitzung vom 4. Dezember eine Standortbestimmung zur angespannten Marktlage vorgenommen. «Jetzt braucht es konkrete Taten», heisst es in den SMP-News. Der Vorstand ruft alle Branchenpartner auf, zur raschen Entspannung beizutragen.

Die SMP setzen weiterhin auf koordinierte und wirksame Massnahmen entlang der bestehenden Handlungsachsen. Die Freiwilligkeit von C-Milch ist im Branchen-Agreement festgehalten. «Jeder muss sich überlegen, ob es sich lohnt, für 30 Rappen C-Milch abzuliefern oder auf die Lieferung zu verzichten», betonen die SMP.

Trotz unterschiedlicher Systeme bleibe eine koordinierte Kommunikation zentral. Seit Juli steigen die Einlieferungen deutlich. «Setzt sich dieser Trend fort, ist die Marktstabilität gefährdet», warnen die SMP.

Kein Gehör für Minderproduktion

Deutlich kritischer äussert sich Big-M Schweiz in einer Medienmitteilung. Die Organisation hatte bereits im August zur Produktionsreduktion aufgerufen. «Angesichts der aktuellen Lage auf dem Milchmarkt ist dies leider die beste Lösung, um einen Einbruch des Milchpreises zu verhindern», hiess es damals.

Big-M fordert seit Jahren ein koordiniertes Mengenmanagement nach dem Vorbild des europäischen Programms zur Stärkung der Marktverantwortung. «Die Hoffnung, dass andere aufhören und man selbst weitermelken kann, lässt die Produzenten weitermachen. Doch weniger produzieren wird nicht gehört», kritisiert Big-M in der aktuellen Mitteilung.

Die Organisation weist auf einen grundsätzlichen Widerspruch hin: «Wir dürfen nicht vergessen, dass wir die Milchmenge nicht im Griff haben. Man hat dieses Problem nun 20 Jahre vor sich hergeschoben. Wann kommt diese Einsicht?»

Tatsächlich verlangt auch die Bundesverfassung (Art. 104) eine «nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete» Produktion. Doch die Realität sieht anders aus: Während die Zahl der Milchbetriebe sinkt, steigt die Gesamtproduktion. Insbesondere saisonal.