Die Milchbranche steht im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Druck, Tierwohl und Marktanforderungen. In Deutschland gilt das QM-Milch-System als freiwilliger Standard, der weit über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgeht. In der Schweiz ist seit 2024 der Branchenstandard «Swissmilk green» verbindlich.
Jetzt stehen in Deutschland Neuerungen an: Ab 1. Juli 2026 tritt eine Revision des QM-Standards in Kraft, die mehr Transparenz, ein höheres Niveau und organisatorische Anpassungen bringt.
QM-Milch: Freiwillig, aber fast flächendeckend
Der QM-Standard definiert klare, überprüfbare Kriterien für die Milcherzeugung und -verarbeitung, von Hygiene und Fütterung bis zur Rückverfolgbarkeit. Heute sind über 90 Prozent der deutschen Milchbetriebe nach QM zertifiziert – und das freiwillig.
Das Programm wurde kontinuierlich weiterentwickelt: Neben den Basisanforderungen gibt es die Stufen QM+, QM++ und QM+++, die Betrieben erlauben, ihre Leistung in Bereichen wie Tierwohl und Tiergesundheit zu steigern. Das QM-Milch-Label signalisiert kontrollierte Produktion, während Audits und Produktidentitätsprüfungen Transparenz und Verlässlichkeit sichern.
Revision ab Juli 2026
Die kommende Überarbeitung betrifft mehrere zentrale Punkte:
- Mehr Transparenz: Auslegungshinweise werden künftig direkt veröffentlicht, sodass Landwirtinnen und Landwirte die Anforderungen noch klarer nachvollziehen können.
- Höheres Ambitionsniveau: Der Standard wird anspruchsvoller, um aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen, Erfahrungen aus der Praxis und Anforderungen der Marktpartner zu berücksichtigen.
- Organisationsstruktur: Programmkoordinatoren werden eingebunden, das interne Kontrollsystem weiter gestärkt – vor allem relevant für Molkereien, Erzeugergemeinschaften und regionale Milchorganisationen.
QM-Milch betont, dass die Anpassungen notwendig sind, um die Umsetzung in der Praxis zu erleichtern und die Qualität von Rohmilch und Milchprodukten zu sichern. Anstehende Informationsveranstaltungen sollen Betriebe über die Details der organisatorischen Änderungen informieren.
Nachhaltigkeit und Herkunft
Seit 2017 ergänzt zudem ein Nachhaltigkeitsmodul das QM-System: Es zeigt ökologische und ökonomische Aspekte auf den Betrieben und bietet Ansatzpunkte für Verbesserungen. Seit 2024 dient QM-Milch weiter als Prüfsystem für die Herkunftskennzeichnung «Gutes aus deutscher Landwirtschaft», wodurch die vollständige Erzeugung und Verarbeitung in Deutschland nachgewiesen werden kann.
Schweizer Kontext: «Swissmilk green» oder der Grüne Teppich
In der Schweiz gilt seit 2024 der einheitliche Branchenstandard «Swissmilk green», der Tierwohl, nachhaltige Fütterung, Biodiversität und soziale Verantwortung bündelt. Programme wie RAUS, BTS und der Weidebeitrag bilden die Kernpunkte.
Im Gegensatz zu QM-Milch ist «Swissmilk green» flächendeckend verpflichtend. Das Qualitätssiegel dokumentiert die Einhaltung der Vorgaben und macht die Leistungen der Branche transparent. Für den Export nach Deutschland spielt QM-Milch dennoch eine Rolle: Molkereien orientieren sich an den Standards, um die Anforderungen des Marktes zu erfüllen.
Herausforderungen für die Praxis
Beide Systeme bedeuten Mehrarbeit für Betriebe: Dokumentation, Audits, Stall- und Fütterungsanpassungen sind nötig. Kleinere Betriebe müssen abwägen, wie sie die Standards wirtschaftlich umsetzen, während gleichzeitig hohe Standards neue Marktchancen eröffnen, insbesondere für Käse, Milchprodukte und verarbeitete Produkte.