Die Höhere Fachschule HF Agrotechnik Landwirtschaft gibt es in der Zentralschweiz seit 15 Jahren. 2011 starteten am LBBZ Schluechthof in Cham ZG 13 Studierende in den ersten Lehrgang. Davor gab es diesen zweijährigen Lehrgang bereits am Strickhof ZH und am Inforama Rütti BE. Später sind in der Ostschweiz und für Französischsprechende in Grangeneuve FR weitere Bildungszentren dazugekommen. Rund 100 Absolventinnen und Absolventen werden jährlich diplomiert.

«Wir haben starkes Interesse», heisst es bei der Fenaco

Der Arbeitsmarkt verträgt diese Abosolvent(innen). Das bestätigt Stefan Epp, Geschäftsleitungsmitglied der Fenaco und zuständig für die Landi der Region Zentralschweiz. «Wir haben ein starkes Interesse an den Agrotechnikerinnen und Agrotechnikern», sagt er. Mit ihrem erlernten Wissen in Produktionstechnik, Betriebswirtschaft sowie Märkten und Wertschöpfungsketten übernehmen sie wichtige Aufgaben in den Produktionsbetrieben oder im Beratungsdienst, etwa bei Landi oder UFA. Die Zusammenarbeit in der Zentralschweiz mit dem Bildungszentrum Schluechthof sei eng und man biete während der Ausbildung Praktikumsplätze an. 

Der Fachkräftemangel in diesem Berufsfeld sei bei der Fenaco auch spürbar. «Wir finden die Leute, aber es geht vielfach etwas länger». Teilzeitmodelle wurden wichtiger. Bei den HF-Absolventen würden nicht wenige nach ein paar Jahren einen Landwirtschaftsbetrieb übernehmen, andere bleiben aber länger.

Viele Agrotechniker(innen) möchten Teilzeit auswärts arbeiten

Dieses Muster ergab auch eine kleine Umfrage unserer Zeitung. Für viele ist der Abschluss als Agrotechniker/in auch ein optimaler Rucksack, um einen Hof zu übernehmen. Schliesslich sind auch alle Betriebsleiterschule-Themen Bestandteil der Ausbildung und sie berechtigt dazu, als Berufsbildner(in) aktiv zu sein. Das war auch einer der Gründe, weshalb der 22-jährige Stefan Berwert aus Stalden OW am Schluechthof war. Nach dem Abschluss letzten Sommer war er in Kanada. Bereits in zwei Jahren sei die Betriebsübernahme geplant. 

Sein Ziel ist, dass er Teilzeit auswärts arbeitet. «Reizen würde mich etwa die Beratung», sagt er. Bereits ins Berufsleben als Agrotechnikerin eingestiegen ist Sarina Hartmann. Die junge Frau aus Römerswil LU wurde 2024 diplomiert. Sie sei nicht auf einem elterlichen Betrieb aufgewachsen, erklärt sie am Telefon. Entsprechend habe sie sich Gedanken gemacht, welche Weiterbildungsmöglichkeiten, nebst der reinen Betriebsleiterschule, es sonst noch gäbe. 

Agrotechnikerin HF war für sie eine passende Lösung, da die Ausbildung sehr praxisbezogen sei und trotzdem ein breites Fachwissen vermittelt werde. Dieses könne vielseitig eingesetzt werden, beispielsweise die erweiterte Unternehmensführung, Rechnungswesen oder Wirtschaft. Heute arbeitet sie als Projektleiterin und Beraterin für Schweineställe bei der ATX Suisse in Ermensee LU. Die Ausbildung habe gepasst, sagt sie, sie fühlt sich gut gerüstet für ihre heutige Arbeit.[IMG 2]

Produktionstechnik, Betriebswirtschaft, Unternehmensführung

Agrotechniker(innen) sind gemäss dem Schluechthof «praxisorientierte Macher mit dem Know-how in den wichtigen Disziplinen der Produktionstechnik, der Betriebswirtschaft und Unternehmensführung.» Rund 20 junge Berufsleute absolvierten den Lehrgang im Schnitt in den letzten Jahren in der Zentralschweiz. Die Vollzeitvariante beansprucht knapp zwei Jahre. Sie beginnt Ende August und dauert bis Ende Mai des übernächsten Jahres. Meisterlandwirtinnen und Meisterlandwirte haben die Möglichkeit, nach zwei Jahren berufsbegleitender Weiterbildung mit dem Titel Agrotechnikerin HF/Agrotechniker HF abzuschliessen. 

Ausbildungsschwerpunkte sind tierische und pflanzenbauliche Produktion sowie Betriebswirtschaft und Unternehmensführung. Der Aufbau ist modular: Die Betriebsleiterschule ist integrierter Bestandteil der HF. Das Wahlfachsystem in Wochenblöcken ist vielfältig. Dazu kommen 18 Wochen Praktika in der vor- oder nachgelagerten Branche, eine Diplomarbeit, eine Studienwoche und eine Fachreise im Ausland. In Zug können Studierende wählen, ob sie während der Ausbildung am LBBZ Schluechthof intern oder extern wohnen wollen.

Infoabend 

Der HF-Infoabend findet am 10. März, 20 Uhr, online oder vor Ort am LBBZ Schluechthof Cham, Cham ZG statt. Link für eine Online-Teilnahme unter www.schluechthof.ch.