«Es ist sehr unangenehm, wenn man auf dem Feld viele rote Beeren hat, aber über zu wenig Erntehelfer verfügt», erklärte Jonas Boog vom Betrieb Buuregarte Boog. Der Obstbauer aus Hünenberg stellte an der Zentralschweizer Pflanzenschutz- und Obstbautagung, die von der Arbeitsgemeinschaft Zentralschweizer Obstproduzenten (AZO) organisiert wurde, den sehr vielseitigen Betrieb seiner Familie vor (siehe unten).
Als Produzent den Markt mitbeeinflussen
Es sei das Ziel des Betriebes, möglichst wenig ungeplante Erntespitzen zu haben. Dies einerseits, um die Personalplanung zu optimieren, andererseits aber auch, um den Markt im richtigen Moment beliefern zu können. Habe man zum richtigen Zeitpunkt das richtige Produkt, könne man den Markt mitbeeinflussen. Um dieses Ziel zu erreichen, sucht der Buuregarte Boog immer wieder neue spannende Produkte, wie beispielsweise Bimi-Brokkoli.
Der Grossbetrieb kann von Ende April bis Ende Oktober Erdbeeren anbieten. Um während einer so langen Phase Beeren im Sortiment zu haben, setzt die Familie Boog nicht nur auf unterschiedliche Sorten, sondern auch auf verschiedene Anbausysteme. Von der Freilandproduktion über Wandertunnel bis zu einer bodenunabhängigen Produktion kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz.
Die Ernte fällt in die Hauptferienzeit
Den Markt während einer möglichst langen Phase beliefern zu können, ist auch ein Anliegen von Bruno Eschmann, dem Präsidenten des Produktzentrums Steinobst des Schweizerischen Obstverbands. «Die verkaufte Menge an Schweizer Zwetschgen und Kirschen geht tendenziell zurück, obwohl unsere Bevölkerung zunimmt», so Bruno Eschmann.
Infolge des veränderten Klimas starte die Ernte immer früher, nicht selten falle der Erntebeginn mitten in die Ferien. «In den drei Wochen, in denen am meisten Schweizer Kirschen geerntet werden, fliegen viele Schweizer in die Ferien.» Wenn Produktion und Verkauf nicht in der Waage seien, komme es zu verlängerten Lagerzeiten der Früchte, was nicht nur auf die Qualität drücke, sondern auch die Preisverhandlungen enorm erschwere.
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Viele Zwetschgenanlagen sind in die Jahre gekommen
Ähnlich sei das Problem bei den Zwetschgen, bei welchen die Haupternte Mitte Juli starte, hielt Bruno Eschmann fest. Die besten Verkaufswochen kämen aber erst von Mitte August bis Ende September. «Wir müssen in der Produktion die frühen Sorten stark reduzieren und eine Umlagerung auf mittelspäte und späte Qualitätssorten in Angriff nehmen», betonte Eschmann. Auf vielen Betrieben sei eine baldige Remontierung sinnvoll, denn die Hälfte der Schweizer Zwetschgenanlagen mit Hauptsorten sei älter als 13 Jahre. «Es gibt nicht nur vielversprechende neue Zwetschgensorten, sondern auch gute Motorsägen», so Bruno Eschmann.
Schorfbekämpfung und robuste Sorten
Die AZO ist die regionale Vereinigung der Obstbauvereine Luzern, Zug, Schwyz, Ob- und Nidwalden sowie Uri. Die Tagung, geleitet von Präsident Kilian Diethelm und den kantonalen Obstbauberatern Lara Wyser und Adrian Seeholzer, lockte viele Interessierte an und war einmal mehr vollgepackt mit spannenden Themen.
Jürg Hess, der Präsident des Schweizer Obstverbands, informierte über Verband, Markt und Politik, Barbara Egger von der Agroscope zeigte Strategien gegen Blutläuse und Wickler an Kernobst auf, Sonja Züst vom Arenenberg ging auf die wichtigsten Eckpunkte für eine erfolgreiche Schorfbekämpfung ein, und Samuel Cia von der Agroscope präsentierte anlässlich einer Degustation resiliente Apfelsorten, die Grund zur Hoffnung geben.
Betrieb Buuregarte setzt auf ein Vollsortiment
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«Unser Ziel ist es, der Gemüse- und Früchteprofi in unserer Region zu sein», erklärte Jonas Boog bei der Vorstellung des Betriebs Buuregarte, den er zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern in Hünenberg führt. Hauptprodukte des Grossbetriebes, der vor bald zwei Jahren von der Landwirtschaftszone in eine Speziallandwirtschaftszone umgezont wurde, sind verschiedene Beeren, Nüsslisalat und Grünspargel. Dazu werden auch eine grosse Zahl an Nischenprodukten wie Mini-Peperoni, Auberginen oder Bundrüebli angebaut. Um ein Vollsortiment anbieten zu können, werden Produkte, darunter auch Exoten wie Mango, zugekauft.
Der Buuregarte verkauft seine Produkte über den Detailhandel, im Hofladen, am Wochenmarkt Luzern, an einem Verkaufsstand in Zug, über seinen Gastro- und Firmenservice sowie an weitere Kunden. «Wir versuchen, unsere Vermarktungsstrategie so aufzustellen, dass es möglich bleibt, jedem Kunden notfalls auch Nein sagen zu können. Einer guten Partnerschaft liegt aber natürlich immer eine gewisse Abhängigkeit zu Grunde», erklärt Jonas Boog weiter.
Die grosse Vielseitigkeit und Breite in der Produktion und im Verkauf fordere aber gleichzeitig das ganze Team. Es sei absolut entscheidend, Marktentwicklungen frühzeitig zu erkennen. «In den kommenden fünf Jahren wird sich sehr viel verändern», so der 38-Jährige. Der Branche müsse es gelingen, zukünftig die nötigen Preise realisieren zu können: «Es sollten alle Marktpartner wirtschaftlich arbeiten können, sonst funktioniert es langfristig nicht.»
Als ebenfalls anspruchsvoll bezeichnete Jonas Boog auch die Personalunterbringung auf seinem Betrieb im Zugerbiet. Trotz grosser Fortschritte in der Technik würden auch zukünftig noch viele Produkte händisch geerntet werden, was entsprechende Arbeitskraftressourcen und damit Unterbringungsmöglichkeiten bedinge. Der Buuregarte beschäftigt in der Hauptsaison rund 100 Mitarbeiter.