Zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr studieren Obstbauern und Obstbäuerinnen die Temperaturprognosen der verschiedenen Wetterdienste so intensiv wie im Frühjahr. Werden dann von den Wetterexperten noch Minustemperaturen angekündigt, steigt der Puls der Früchteproduzent(innen) in die Höhe.
Aprikosen blühen schon Anfang März
Infolge der immer milderen Wintermonate setzt der Vegetationsbeginn im Obstbau immer früher ein. Die Knospen brechen je nach Kultur schon im Februar auf, Aprikosen blühten heuer in milden Lagen bereits Anfang März. Auch wenn schon im Stadium des Knospenaufbruchs Frostschäden entstehen können, am gefährlichsten ist es ab dem Stadium Vollblüte. Während etwa Äpfel beim Knospenaufbruch je nach Luftfeuchtigkeit noch Minustemperaturen von vier bis fünf Grad ertragen können, können bei der Vollblüte schon minus zwei Grad zu enormen Schäden führen. Leichtere Frostschäden zeigen sich an den Früchten mit Frostringen oder rauen, rostbraunen Flecken. Sehr schwere Frostereignisse führen hingegen dazu, dass Blüten vollständig zerstört werden und es dadurch zu einem Totalausfall kommt.
Standort- und Sortenwahl sind bedeutend
Eine wertvolle Übersicht über mögliche Massnahmen gegen Frost ist das Merkblatt der Obstfachstellen AG, BE, BL, SO, ZH und Agroscope. Durch die gestiegene Gefahr in den letzten Jahren sind vorbeugende Massnahmen gegen die drei Frostarten – Strahlungsfrost, Strömungsfrost und Verdunstungskälte – wichtiger geworden (siehe Kasten). Vor dem Erstellen einer Anlage ist insbesondere auf die Standortwahl zu achten. Hanglagen sind dabei Muldenlagen vorzuziehen. Auch spätblühende Sorten können Vorteile bringen. In bestehenden Anlagen kann das Gras unter den Bäumen und in den Reihen kurzgehalten werden. Dadurch kann der Boden die Einstrahlung der Sonne besser aufnehmen und in der Folge mehr Wärme abgeben, womit 1 bis 2 Grad höhere Temperaturen erreicht werden können.
Regenschutzfolie schliessen und Wässern
In Kirschenanlagen kann gemäss dem Merkblatt mittels Schliessen der Regenschutzfolie die vom Boden aufsteigende Luft zurückgehalten werden. Das kann zu einem Temperaturgewinn von 1 bis 3 °C führen. Diese Massnahme kann auch mit der Bewässerung des Bodens kombiniert werden. Mit Wasser gesättigte Böden können über den Tag ebenfalls mehr Wärme speichern, was die Wärmeabgabe in der Nacht erhöht. Wichtig ist laut Merkblatt, dass die Bewässerung 24 Stunden vor der Frostnacht durchgeführt wird.
Profis setzen auf Überkronenberegnung
Die zuverlässigste Variante ist die Überkronenberegnung. Bei dieser Methode ist die Menge an freigesetzter Wärmeenergie am höchsten, entsprechend ist sie in vielen professionellen Obstplantagen Standard. Die Bäume werden dabei von oben mittels Installation beregnet. Durch das unmittelbar an den Pflanzen gefrierende Wasser kommt die abgegebene Wärme direkt den Pflanzenteilen zugute. Eingeschaltet werden muss die Bewässerung dabei, bevor die Feuchttemperatur die kritische Pflanzentemperatur unterschreitet. Vorsicht ist bereits bei schwachen Windgeschwindigkeiten geboten, da es durch die damit verbundene erhöhte Verdunstung zu Kühleffekten und damit zu einer Schädigung der Pflanzenorgane kommen kann. Die Beregnung muss so lange gewährleistet werden, bis die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen. Der Wasserbedarf und die Installationskosten dieser Methode sind hoch.
Frostkerzen sind auf lange Sicht teuer
Keine Installationskosten verursachen die sogenannten Frostkerzen. Hingegen ist bei dieser Methode der Arbeitsaufwand enorm und darum ist sie für grössere Anlagen kaum praktikabel. Pro Hektar müssen je nach Temperatur rund 200 bis 300 Stück aufgestellt werden, was bei einem Stückpreis von gegen zehn Franken zu hohen Kosten führen kann. Dazu kommt, dass der Kerzenvorrat bei mehreren Frostnächten hintereinander schnell aufgebraucht ist. Als Alternativen bewähren sich im Notfall auch Hartholzschnitzelhaufen oder Holzpellets. Weitere Frostbekämpfungsmethoden sind die Luftumwälzung mittels Wind- und Gebläsemaschinen sowie gasbetriebene Warmluftgeräte bzw. Heizungen.
Unterschiedliche Fröste
Strahlungsfrost: In klaren Nächten wird die von der Erde abgestrahlte Wärme nicht durch Wolken zurückgehalten. Bei wenig Wind sammelt sich dadurch die kalte Luft in Mulden. Mögliche Massnahmen: Über- oder Unterkronenberegnung, Durchmischung der Luft mit Windmaschinen, Heizen kombiniert mit Folienabdeckung.
Strömungsfrost: Durch den Zustrom von sehr kalter Luft kühlen alle Schichten ab. Da auch die oberen Luftschichten kalt sind, ist diese Frostart schwer zu bekämpfen. Mögliche Massnahmen: Überkronenberegnung, Heizen in Kombination mit Folienabdeckung.
Verdunstungskälte: Feuchte Pflanzenteile kühlen durch Verdunstung zusätzlich ab. Dieser Effekt ist besonders bei niedriger Luftfeuchtigkeit und Wind stark und kann die Pflanzentemperatur um bis zu 4 °C senken. Zur Einschätzung der Frostgefahr sollte daher die Feuchttemperatur gemessen werden, da sie die tatsächliche Temperatur der Pflanzenorgane besser widerspiegelt.