David Lüthi hat mit seiner Entscheidung keineswegs in den sauren Apfel gebissen. Der Obstbaumeister hat Anfang Jahr mit seiner Frau Marina den Ramlinsburger Familienbetrieb Lüthi Obstbau von den Eltern Ernst und Ester Lüthi übernommen und bereut es nicht. Beide Elternteile arbeiten nach wie vor im Betrieb mit. Zu diesem gehört seit 2018 das grosse Betriebsgebäude im Nachbardorf Hölstein. Es beherbergt die Büro-, Verarbeitungs- und Kühlräume sowie das über die Region hinaus bekannte «Öpfelhüsli», ein grosser Hofladen. Nebst dem Verkauf von Frischobst stehen selbst hergestellte Produkte wie Trockenobst, Sirups, Konfitüre und Süssmost in den Regalen. Zugekauftes wie Fleisch, Eier, Gemüse, Spirituosen und Milchprodukte ergänzen das Sortiment.

Die Geschwister haben ebenfalls unterschrieben

Die Betriebsübernahme wurde sorgfältig mithilfe des Buchhalters geplant, der alle nötigen Berechnungen erstellte. Zwar ist Vater Ernst (Jahrgang 64) noch nicht im Pensionsalter, dennoch wollte er den Betrieb frühzeitig übergeben. David Lüthi hat einen Bruder und zwei Schwestern. Für ihn und die Eltern war wichtig, dass die Geschwister in die Übergabe einbezogen und die Berechnungen offengelegt wurden.

Zudem haben die Geschwister den Vertrag mitunterschrieben. «Es macht Sinn, dass die Geschwister mitunterschreiben und bestätigen, dass sie einverstanden sind, mit dem, was da geregelt wurde», macht David Lüthi deutlich.

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Die Umstellung war zu einem Grossteil einfach

Fast ist es nun also geschafft, das erste Jahr als Betriebsleiter. Der Obstbaumeister blickt zufrieden zurück. Gut sei es gelaufen, bilanziert er kurz nach Ernteende. Er habe schon vorher Verantwortung übernommen, etwa in den Bereichen Kernobst und Mosterei. Von daher sei die Umstellung in vielen Bereichen relativ einfach gewesen. Eine grosse Umstellung habe jedoch die Übernahme der Verantwortung für alles Finanzielle, für die Mitarbeitenden und die Führung aller Büroarbeiten bedeutet.

«Wettertechnisch war das Jahr genial», freut sich der 28-Jährige. Denn er habe seine Obstanlagen nicht bewässern müssen. Da bei einigen das Wasser mit Fässern zugeführt werden muss, sei das eine grosse Arbeitserleichterung gewesen.

Vier Hände fehlen

Aber Freud und Leid liegen bekanntlich nahe beieinander. Das musste auch der junge Betriebsleiter erfahren. Denn im Sommer fielen eine Zeit lang gleich zwei wichtige Mitarbeiterinnen aus, die in der Produktverarbeitung und im Laden arbeiten und auch die Lieferungen besorgen. «Das bedeutete eine Menge Zusatzarbeit. Da kamen wir kurz auf die Welt», erinnert er sich. Denn seit längerem hätten sein Vater und er keine Lieferungen mehr ausgefahren. Und auch Konfitüre kochen will zuerst mal gelernt sein, gesteht er und schmunzelt dabei.

Nebst ehrlichen Kunden gibt es auch andere

Die Familie Lüthi betreibt den Hofladen in Selbstbedienung. Dadurch seien lange Öffnungszeiten möglich. Einen unangenehmen Nebeneffekt hatte es, dass David Lüthi im Sommer vermehrt in Ladennähe und der Überwachungskamera arbeitete. So bekam er mit, wie viele Diebstähle begangen wurden.

Zwar würden die meisten Kundinnen und Kunden zu viel Geld in die Kasse legen, wenn sie es nicht passend dabeihätten. Doch es gebe mehrmals täglich auch diejenigen, die Waren für 50 oder 60 Fr. mitnehmen würden. «Das gibt mir zu denken», gesteht der Betriebsleiter. Diese seien für die Umtriebe umgehend gebüsst und mit einem Hausverbot belegt worden. Trotzdem will David Lüthi nicht auf bedienten Verkauf umstellen. Er setzt nun darauf, viel mehr selbst zu kontrollieren und Fehlbare anzuhalten. «Wir hoffen, dass sich das dann herumspricht», erklärt er.

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Duftstoffe helfen gegen Schädlinge

Mit den Obsterträgen und der Qualität in seinem ersten Betriebsjahr zeigt sich David Lüthi «im Grossen und Ganzen» zufrieden. Gegen die Kirschessigfliege (KEF) werden die Anlagen eingenetzt. Auch die Abläufe beim Pflanzenschutz seien klar geregelt. Positiv bewertet David Lüthi zudem, dass bei den Zwetschgen und Äpfeln der Einsatz der Verwirrungstechnik mit Duftstoffen gegen die Schädlinge Pflaumen- beziehungsweise Apfelwickler gereicht habe und keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden mussten.

Probleme habe es bei einer Kirschensorte betreffend Qualität gegeben. Diese hätten bereits nach einem Tag im Kühlraum braune Flecken aufgewiesen. Etwas, das bereits im vergangenen Jahr beobachtet wurde. Der nassen Witterung wegen wurde das neuartige Problem damals dem Wetter zugeschrieben. Heuer waren die Wetterbedingungen jedoch gut. Daher ist der wahre Grund unklar. David Lüthi hofft, dass Agroscope und auch die Pflanzenschutzmittelfirmen nun Nachforschungen anstellen werden.

Der Kirschenmarkt ist schwierig

Sorgen bereitet ihm auch die Sortenwahl der künftigen Kirschbäume. «Die ist eingeschränkt.» Vonseiten Handel bestehe Druck, die alten Sorten nicht mehr zu setzen, da die Früchte zu wenig gut lagerbar und schlecht kalibrierbar seien. Doch die Alternativen seien nicht besser, weiss David Lüthi. «Die Stimmung im Kirschenmarkt ist daher schlecht.» Einige Produzenten würden sich daher fragen, ob sie alte Bäume überhaupt noch durch neue ersetzen sollen.

Auch David Lüthi will künftig weniger auf Kirschen, dafür mehr auf Zwetschgen setzen. Ein Ausbau der eigenen Produkte ist nicht vorgesehen. Denn: «Ich will das, was ich mache, perfekt machen. Alles andere für den Hofladen kaufe ich gerne bei unseren Nachbarn und regionalen Partnern ein», erklärt er bestimmt.

Betriebsspiegel Lüthi Obstbau

David und Marina Lüthi mit Tochter Yael, Eltern Ernst und Ester Lüthi

Mitarbeiter: Ernst und Esther Lüthi, zwei Teilzeitangestellte im Laden, bis zu acht Saisonniers während der Ernte
Fläche: 25 ha gesamt, davon 14 ha für Obstbau
Obstsorten: Kirschen, Zwetschgen, Pfirsiche, Aprikosen, diverse Apfelsorten, Birnen, Heidelbeeren, Erdbeeren
Betriebszweige: Mosterei, Lagerung von Obst für andere Direktvermarkter
Produktionsform: Nach ÖLN-Richtlinien
Vermarktung: Kirschen und Zwetschgen grösstenteils über Handel (Landi Reba), der Rest wird direkt vermarktet