Zwischen Rheinfelden und Gelterkinden, am Dorfrand der Einwohnergemeine Buus findet man den Hof der Familie Kaufmann. Der Weinbau hat hier eine lange Tradition. Auch dank des Steinobstanbaus sowie einem vielfältigen Hofladen sind weitere Standbeine für einen modernen und innovativen Betrieb gegeben. Michi Kaufmann ist auf dem elterlichen Betrieb von Maya und Andi Kaufmann aufgewachsen, die auf Obst- und Weinbau gesetzt haben. Für ihn war es früh klar, dass er hier einsteigen möchte. «Ich habe gerne Tiere, aber dennoch zog es mich mehr zum Obstbau. Obwohl ich es als Kind manchmal schon etwas mühsam fand, wenn die Schulkollegen in der Badi waren, während ich am Kirschen ernten war», schmunzelt der 32-Jährige.
Zuerst die Lehre
So lag es für Michi Kaufmann auf der Hand, die dreijährige Lehre als Obstfachmann anzugehen, was er bis heute niemals bereut hat. Insgesamt gebe es dafür in der Schweiz rund 40 Ausbildungsbetriebe. Das erste Jahr verbrachte er in Gütingen am Bodensee, die beiden anderen Lehrjahre in Wädenswil am Zürichsee. «Wir waren eine Klasse von fünf Deutschschweizern», sagt er rückblickend. Der Junglandwirt lernte alles, was mit Obst und Beeren zu tun hatte – vom Anbau über Pflege und Sortierung bis zur Ernte. Auch die Bodenbeschaffenheit, Wartung von Maschinen, die Buchhaltung oder die Betriebswirtschaft gehörten zur Grundausbildung: «Das Schönste an meinem Beruf ist, dass man vom Pflanzen bis zur Ernte alles mitverfolgen kann. Man sieht, was man gut gemacht hat oder was man besser machen könnte. Und man ist hauptsächlich draussen, das ist mir ebenfalls sehr wichtig», hält er fest.
Familienbetrieb und Teamwork
Nach der Lehre arbeitete Michi Kaufmann auf dem heimischen Betrieb. Das gefiel ihm – und er sah keinen Grund, noch eine andere Lehre zu absolvieren. «Im Gegenteil, die Vorfreude darauf, endlich umzusetzen, was ich in den drei Lehrjahren gelernt hatte, spornte mich zu Hause an», sagt er. Unterbrüche brachten lediglich drei Monate Reisen, die Rekrutenschule sowie die berufsbegleitend absolvierte Betriebsleiterschule. Sein Vater, gelernter Landwirt, hatte noch bis vor ein paar Jahren Kühe. Zuerst Milchkühe, bis im Jahr 2000, dann Maststiere und zuletzt schottische Hochlandrinder. Aktuell grasen sechs Zwergzebus auf dem Grünland rund um den Hof. Sie gehören aber nicht Kaufmanns, sondern sind zur Sömmerung hier. Zurzeit sind die Eltern noch Betriebsleiter, aber die Übernahme durch ihren Sohn Michi ist in Planung. Der Wechsel wird wohl Ende 2026 stattfinden. «Meine Eltern lassen mir schon jetzt viele Freiheiten und den Bereich Obstbau führe ich bereits mehrheitlich, während mein Vater den Weinbau im Fokus hat und die Mutter den Hofladen», sagt er. Zudem wird eine Gästebewirtung auf dem Hof angeboten und der Gästeraum wird ür Wein-Degustationen hergerichtet. «Bei Bedarf organisieren meine Eltern auch einen Hochzeits-Apéro», so der Junior-Chef.
Betriebsspiegel
Michi Kaufmann, Obst und Weinbau Kaufmann
Ort: Buus
LN: 20 ha, davon 6,5 ha Obstbau und 2,5 ha Reben
Arbeitskräfte: Ein Mitarbeiter und bis zu acht Saisoniers
Mit der Zeit gehen
Michi Kaufmann sieht in seinem Beruf viele Grundlagen, die sich nicht verändert haben. «Sicherlich hat eine grosse Mechanisierung stattgefunden. Auch der Pflanzenschutz ist komplexer geworden und die Frucht muss immer perfekter sein», beobachtet er. Herausfordernd seien auch die Vorschriften, die zugenommen hätten und allgemein die ganze Bürokratie. Es gebe wohl verschiedene und neue Anbau-Systeme, aber man könne immer noch keinen Baum pflanzen, der im nächsten Jahr Früchte trage. «Die Natur kann man nur bedingt beeinflussen und das ist gut so.» Das Bedürfnis an Produkten ab Hof ist gestiegen und der Hofladen in den letzten zehn Jahren entsprechend gewachsen. Zopf und Spezialbrote, Geschenkkörbe, Konfitüre, Apfelringe, Traubensaft und Fleisch der Zebus gehören zum Sortiment. Dazu kommen Produkte aus der Region wie Schafskäse vom Nachbarn oder im Winter Fondue und Raclette. Und natürlich Äpfel, Birnen und Aprikosen sowie weitere Früchte vom Betrieb. Auch der Verkauf des Weins läuft vornehmlich über den Hofladen.
Verschiedene Weine
Aus ihren bewährten Trauben gedeihen auch gehaltvolle Weine. Eine Spezialität sind die Piwi-Weine, welche aus Pilzwiderstandsfähigen Traubensorten hergestellt werden. «Ursprünglich haben wir unseren Wein nur im Hofladen verkauft sowie an ein Restaurant im Dorf. Mittlerweile hat es sich ergeben, dass auch andere Restaurants Interesse angemeldet haben und so haben wir aufgestockt und mehr Wein produziert», erklärt Michi Kaufmann und ergänzt, dass gesamthaft 2,5 ha Reben bewirtschaftet werden. Eine Parzelle neben dem Hof, eine im Dorf Buus und eine in der Nachbargemeinde Maisprach. Von Maisprach gehen die Trauben in eine Kellerei in Liestal zur Weinproduktion und die restlichen Trauben werden in Ueken verarbeitet. Die Arbeit rund um die Trauben ist vielseitig, beginnt mit dem Schneiden der Reben im Januar und dem Ausbrechen der Triebe, damit die Rebe gut durchlüftet ist. Das Einschlaufen der Drähte geschieht praktisch alles von Hand. Das Zurückschneiden, also die Höhenbegrenzung, wird mechanisch erledigt, in den steilen Reben jedoch manuell. «Vor der Reife werden die Blätter herausgenommen, um die Reben so trocken wie möglich zu halten, denn wenn die Trauben nass werden, sind sie krankheitsanfälliger», beobachtet er. Hier gelte es, die Waage zu halten. Denn auch zu viel direkte Sonneneinstrahlung sei nicht erwünscht, da vor allem die weissen Trauben Sonnenbrand bekommen könnten. [IMG 2]
Kirschen in zwei Grössen
Der Obstbau macht auf dem Betrieb rund 6,5 ha aus. Wohl die Hälfte davon sind Kirschbäume. Somit ist der Sommer mit der Kirschen-Ernte auch die arbeitsintensivste Zeit. Zu den fix angestellten Mitarbeitern auf dem Hof kommen saisonal von April bis Juni bis noch bis zu acht Personen dazu. «Wir haben glücklicherweise viele Freiwillige, darunter Pensionierte, die teils seit Jahren bei der Kirschen-Ernte mitanpacken», freut sich Michi Kaufmann. Die Kirschen und Zwetschgen aus eigenem Anbau gehen an Grossverteiler zur Vermarktung. «Was in der Region Basel bleibt, wird von uns selbst verpackt, wir haben eine spezielle Maschine dafür», ergänzt er. Das Kalibrieren der Kirschen werde maschinell unterstützt, denn man habe mit «Standard»und «Extra» zwei Kirschen-Grössen im Sortiment. «Die Hauptarbeit ist das Abpacken der Früchte in Schalen, und dies wird aus Kosten- und Zeit-Gründen nach wie vor von Hand erledigt», sagt der Landwirt. Da Michi Kaufmann eine spezielle Ausbildung und Prüfung als Drohnen-Pilot absolvierte, kann er eine Drohne einsetzen, die mit 30 Liter Pflanzenschutzmittel beladen werden kann. «Diese Drohne gehört dem Verein Weinerlebnis und wir sind aktuell sechs Piloten, welche damit fliegen», hält er fest. Gerade in steilen Parzellen sei das Ausbringen von Pflanzenschutz damit viel einfacher und die Drohne könne auch das ganze Jahr witterungsbedingt eingesetzt werden.