Die nachmittägliche Beerentagung am Rheinhof in Salez eröffnete Rico Kuster aus Diepoldsau. Der Präsident der Vereinigung St. Galler Beerenpflanzer schaute auf eine gute Beerensaison zurück. «Das war schweizweit der Fall, wie es uns aus dem Produktzentrum Beeren des Schweizer Obstverbands mitgeteilt wurde. Aber ob es punkto Qualität auch die kommenden Jahre so weiterlaufen wird, weiss man nicht», sagte er.
Pflanzenschutz und Kosten werden zu Dauerthemen
Die Herausforderungen für den Beerenanbau untermalte auch Res Schilling, Geschäftsführer der Ökohum GmbH, in seinem Referat: «Das Umfeld arbeitet gegen uns.» Er erwähnte den Klimawandel, der aufgrund der feuchteren Temperaturen ein guter Nährboden für Pflanzenkrankheiten und Schädlinge ist. Aber auch die Kosten, der Beschaffungsmarkt von Pflanzgut und die Preise, zählte er dazu. «Pflanzenschutz wird zum Dauerthema», brachte es Schilling auf den Punkt – ebenso die Produktionskosten. Jede Kostenstelle für sich wäre noch tragbar, aber Material-, Lohnkosten etc., würden sich kumulieren.
Pflanzgut nur nach Vorauszahlung
Das stellt auch die Pflanzgutfirmen vor Herausforderungen. «Die Pflanzgutverfügbarkeit sinkt», sagte Schilling und sprach dabei von den Erdbeersetzlingen. So sei die niederländische Westplant Group, die sich auf Gemüse- und Erdbeersetzlinge spezialisiert habe, in der Nachlassstundung. Flevoplant, ebenfalls aus den Niederlanden, sei ganz aus der Vermehrung von Erdbeerpflanzen ausgestiegen.
Zugleich sinke die Sortenverfügbarkeit. Rand- oder Nischensortimente würden immer mehr aufgegeben.
«Doch die Preise für Frigo-Erdbeeren gehen nur in die eine Richtung, nämlich aufwärts», sagte Schilling und zeigte sich besorgt über diese Entwicklung. Zunehmend würden die Firmen auch Vorauszahlung verlangen. Hoffnung macht ihm, dass sich neue Züchter am Markt etablieren. So ist zum Beispiel das italienische Unternehmen Berry Plant auch bei Erdbeeren eingestiegen und die WOB-Weissmann GbR in Deutschland macht sich für die Himbeerzucht stark.
Long Canes aus dem Thurgau
Auch in der Schweiz ist die Produktion von Pflanzmaterial angelaufen. So machten etwa die Thurgauer vorwärts. Allen voran die Jud Bio-Jungpflanzen AG in Tägerwilen und Michael Mannale in Sulgen. Mannale, ehemaliger Spezialkulturberater am Arenenberg, produziert jährlich 30 000 Long Canes für die einheimische Himbeerproduktion. Wie er 2019 dazu kam, lange Himbeerruten zu produzieren und wie hoch der Aufwand dafür ist, erzählte Michael Mannale gleich selbst. Die Himbeerruten gedeihen auf seinem Betrieb in 30 000 Töpfen auf einer halben Hektare. Topf an Topf ist eingeklemmt zwischen zwei Drähten, sodass der Wind sie nicht wegbläst. Fixiert werden die Triebe entlang der Reihen durch Schnüre. Gepflanzt wird im Mai. Bis in den Oktober hinein folgen die Kulturarbeiten. Anfangs Dezember werden die Ruten, die nach dem ersten Frost von allen Blättern befreit sein sollten, verpackt und dem Abnehmer zur Kühlung überlassen.
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Über 100 000 Franken investiert
«Für die halbe Hektare rechne ich mit ca. 1100 Arbeitsstunden pro Jahr», sagte Mannale. Da der Betrieb vorher keine Beerenanlage hatte, schlugen die Anschaffungskosten für die benötigte Infrastruktur - Bewässerung, Stützgerüste, Hagelnetze – mit 108 000 Franken inklusive Arbeit zu Buche. «Wir machen das im Auftragsverhältnis und arbeiten mit Ökohum zusammen», so Mannale.
Er gab seine von Jahr zu Jahr erreichten Verbesserungen an die Teilnehmer/innen des Beerenhöcks weiter. Der jetzige Reihenabstand beträgt 1,2 m. «Besser wäre ein grösserer Reihenabstand, um mit den Maschinen durchzukommen», hielt Mannale fest. Potenzial sieht er zudem durch eine breitere Bodenabdeckung, eine Regenfolie für remontierende Sorten sowie einen Reibschutz beim Anbringen der Schnüre um die Betonpfähle. «Für Bio ist Düngung die grösste Herausforderung», sagte Mannale. Die Anlage - nun konventionell bewirtschaftet - ist an Ökohum verpachtet.
Düngung mit Nanopartikel
Hélène Bettschart, Beratung Beeren am Arenenberg präsentierte einen Versuch mit kolloidalem Düngern bei Himbeeren, der auf dem Versuchsbetrieb in Güttingen durchgeführt wurde. Bei den kolloidalen Düngern liegen die Nährstoffe als fein verteilte Nanopartikel vor. Die Nährstoffe sollen dadurch besser von der Pflanze aufgenommen werden. Zudem gäbe es weniger Verluste im Boden und eine höhere Effizienz der Düngung. Im Versuch zeigten sich keine Unterschiede beim Wachstum oder Ertrag für Long Cane im ersten Produktionsjahr im Vergleich mit Mineraldünger in üblicher Dosierung oder klassischem Mineraldünger mit halber Standardmenge. «Leider können wir den Versuch nicht weiterführen, weil sich der in Mexiko beheimatete Hersteller, die Bioteska, aus Europa zurückzieht», schloss Bettschart.
Nächste Tagung im Thurgau
Hatte der Präsident St. Galler Beerenpflanzer die Einführung an der Tagung übernommen, so machte der Präsident der Vereinigung Thurgauer Beerenpflanzer, Philip Engel aus Mammern TG, den Abschluss. Er bedankte sich für das reichhaltige Tagungsprogramm und kündigte an, dass die Beerentagung 2026 im Kanton Thurgau stattfinden werde.