Die Fruchtwand sei keine neue Baumform, sondern eine Anbautechnik, stellte Thomas Schwizer, ehemaliger Betriebsleiter des Steinobstzentrum Breitenhof von Agroscope und neu Leiter der Fachstelle Spezialkulturen am Wallierhof SO, an der Nordwestschweizer Obstbautagung klar. In einem Versuch auf dem Breitenhof verglich er die Anbautechnik bei Zwetschgen der Sorten Jojo und Cacaks Schöne im UFO-System und 2D-Spindel mit der klassischen Spindelform.

Volle Besonnung für gleichmässiger abreifende Früchte

Den grössten Vorteil einer Fruchtwand sieht Thomas Schwizer in der vollen Besonnung. Wurde die Fruchtwand konsequent schmal erzogen, sodass kaum ein Ast in die Fahrgasse herausschaut, ist der grösste Teil der Früchte voll besonnt, was ein gleichmässigeres Abreifen der Früchte zur Folge hat.

«Wir hatten Jahre, da waren 80 %, manchmal bis zu 90 % der Früchte gleichzeitig reif», berichtet er. So habe man in manchen Jahren in einem Durchgang ernten können. Durch die zeitgleich reifen Früchte konnten im Versuch zudem weniger Kirschessigfliegen (KEF) in der Fruchtwand als in der klassischen Spindel festgestellt werden.

Alles auf einen Blick – kein Suchen der Früchte

Ein weiterer wichtiger Vorteil der Fruchtwand ist laut Thomas Schwizer die Arbeitserleichterung. «Ich habe mir immer das Ziel gesetzt, dass ich vor die Wand stehen kann und mit dem Arm mindestens bis in die Mitte des Baumes komme», erklärt er.

Bei der Fruchtwand sehe man alles auf einen Blick, keine Früchte müssten gesucht werden, und auch beim Ausdünnen habe man einen guten Überblick. «Es ist viel einfacher, und was einfacher ist, geht auch schneller», so Schwizer.

Gleichmässigere PSM‑Verteilung und weniger Abdrift

Durch die schmale Fruchtwand können laut Thomas Schwizer zudem die Fahrgassen enger geplant werden, was die Anlage flexibler im Nachbau macht. Zudem konnte beim Versuch festgestellt werden, dass sich Pflanzenschutzmittel gleichmässiger an den Blättern und Ästen anlagern als bei der klassischen Spindel. Dies, weil der Abstand zur Spritze bei der Fruchtwand überall annähernd gleich gross ist und keine einzelnen Äste ganz nahe an die Spritze kommen.

Ein weiterer wichtiger Vorteil in diesem Zusammenhang sei die Abdriftverminderung. «Man kann mit ganz wenig Luft durch die Reihen und benötigt kein riesiges Gebläse. Ein laues Lüftchen und das Mittel geht durch die Wand hindurch», erklärt Schwizer.

«Alles, was in die Fahrgasse kommt, muss weg»

Auch der Schnitt lasse sich einfach umsetzen. Thomas Schwizer erklärt es in einem Satz: «Alles, was in die Fahrgasse kommt, muss weg.» So lässt sich der Schnitt auch von ungelernten Personen nach kurzer Einführung gut umsetzen.

Auch ein mechanischer Schnitt sei so möglich. «Eigentlich ist es eine Voraussetzung, dass man, wenn man sich für eine Fruchtwand entscheidet, auch mechanisch schneidet», erklärt er.

Ein konsequenter, rotierender Astschnitt ist entscheidend

Entscheidend für den Erfolg der Fruchtwand ist laut Thomas Schwizer der konsequente rotierende Astschnitt. Schlechte Fruchttriebe müssen regelmässig ersetzt werden, nicht alle auf einmal, sondern kontinuierlich. «Man darf nicht warten, bis alle zu dick sind, sondern muss schön kontinuierlich eine rotierende Erneuerung durchführen, dann bleibt man auch auf dem gleichen Ertragsniveau», betont er.

In den letzten vier Jahren habe man im Versuch durchschnittlich über 25 Tonnen mit einer Top-Qualität geerntet. Wichtig sei, die Früchte am jungen Holz zu haben und kein altes Holz mehr im Baum zu haben wie bei der Spindel. «Man darf die Äste nicht zu alt werden lassen und muss regelmässig alte Äste ersetzen, um jungen Ästen Platz zu machen», erklärt er.

UFO-System für stark wachsende Sorten

Als Baumform für die Fruchtwand wurde im Versuch unter anderem mit dem UFO-System (Upright Fruiting Offshoots) gearbeitet. Diese eignet sich laut Thomas Schwizer besonders gut für stark und sparrig (viele Verzweigungen) wachsende Sorten, weil sie die natürliche Wuchsform optimal ausnutzt.

Sorten, die viele Verzweigungen machen, seien zwar ein bisschen schwieriger und arbeitsintensiver, aber trotzdem sei eine Fruchtwand machbar. «Vor allem, wenn man mit jungem, jährigem Holz arbeitet», so der Fachstellenleiter.

Aus einem Arm werden zwei

Was Thomas Schwizer beim klassischen UFO aber schon immer störte, war das starke Wachstum im Bogen, sodass viel zurückgeschnitten werden muss. Also versuchte er sich an einem zweiseitigen UFO. «Wenn wir im Bogen sowieso schon ein starkes Wachstum haben, wieso nutzen wir das nicht aus und nehmen den untersten dicken Ast auf die andere Seite und machen einen zweiten Arm daraus?», dachte er sich.

Damit werde das Wachstum im Bogen deutlich abgeschwächt und führe so zu einem ausgeglicheneren Wachstum. Gleichzeitig spare man auf die Hektare noch Bäume. Weniger geeignet für die Fruchtwand sei die 2D-Spindel (Palmette). Sie verursache zu viel Bindearbeit, weil die Fruchtäste laufend gebunden werden müssten und das Ersetzen alter Äste kompliziert sei.

Dünne, biegsame Okulanten bei der Baumschule bestellen

Wichtig bei der Pflanzung ist laut Thomas Schwizer die Qualität der Bäume. «Im Versuch verwendeten wir normale, schön verzweigte Okulanten aus der Baumschule. Bei der Sorte Jojo hatten wir echt Mühe, diese in den Bogen zu biegen, weil sie schnell dick wird», berichtet er.

Die eher hohen und gummigen Cacaks-Schöne-Okulanten hingegen seien besser gegangen. Wichtig sei es, mit der Baumschule vorgängig abzusprechen, was für Bäume man brauche. «Auf keinen Fall Knipbäume, die bringt man nicht mehr in die Kurve. Jährige möglichst dünne, biegsame und nicht die dicksten Okulanten, würde ich empfehlen», so Schwizer.

Fruchtäste mindestens einmal binden

Die Leittriebe wurden im Versuch statt am Draht an einen Bambusstab gebunden, denn Zwetschgen reagieren laut Thomas Schwizer auf Draht relativ empfindlich mit Reibschäden und Harzfluss. Die Drähte dienten zum Einschlaufen und Heften der Äste.

Die vier untersten Drähte wurden im Versuch etwas näher zueinander gespannt, was gerade bei nicht so schnell nach oben wachsenden Sorten wie Jojo hilfreich sei. Bei schnell wachsenden Sorten wie Cacaks ­Schöne sind laut Schwizer auch weitere Abstände und weniger Drähte möglich.

Wichtig sei zudem, dass die senkrechten Fruchtäste mindestens einmal gebunden werden. «Ich hatte immer das Gefühl, man könne die Äste in die Drähte einschlaufen und dann würden sie halten. Zwar halten sie in die Fahrgasse, aber sie rutschen im Draht zur Seite», erklärt Schwizer. Besonders bei Cacak Schöne, die bei jährigem Holz viel tragen, würden die Äste schwer werden und im Draht zusammenrutschen.

Das Fazit zum Versuch

«Wichtig ist, schmal zu bleiben und nicht jedes Jahr ein paar Zentimeter breiter zu werden, sodass man am Schluss doch eine Wand von einem Meter Breite hat», fasste Schwizer zusammen. Mechanisierung sei fast ein Muss, sonst bringe die Fruchtwand nicht die Vorteile, die sie haben kann. Der grosse Pluspunkt: Mit Kernobstabständen wird die Anlage deutlich flexibler im Nachbau. Man muss nicht die ganze Anlage abbrechen, sondern kann auch Kernobst anbauen. Das Gerüst hält länger als eine Baumgeneration, was zusätzliche Flexibilität bringt.