Kilian Diethelm baut auf seinem Früchtehof in Siebnen (SZ) auf 5 ha Obst und Beeren an. Auf über 100 Schlägen gedeihen 47 Kern- und Steinobstsorten und 28 verschiedene Beerensorten. Der Aufzeichnungsaufwand für diesen kleinstrukturierten und vielfältigen Betrieb war riesig. Aber 2021 hatte Kilian Diethelm eine Sternstunde, als er 2021 Farmable entdeckte. An der Generalversammlung des Zürcher Obstverbands in Winterthur-Wülflingen stellte er dieses Aufzeichnungstool seinen Berufskollegen vor.

Mit dem Smartphone aufzeichnen und Spritzbrühe berechnen

Die digitale Schlagkartei Farmable ist speziell auf den Anbau von Obst und Sonderkulturen ausgerichtet und wurde von Lars Blikom, der einen Obstbaubetrieb in Norwegen führt, entwickelt. «Mit dem Smartphone und der Farmable-App erfasse ich alle Flächen und Pflegemassen. Es ist eine riesige Erleichterung», sagte Diethelm. 

Auch sei Farmable so aufgebaut, dass länderspezifische Vorgaben integriert werden, beispielsweise eine Verknüpfung mit Agate oder mit der BLV-Liste der Pflanzenschutzmittel. Die Berechnung der Pflanzenschutzbehandlungen erfolgt automatisch und die Audits sind papierlos, können aber auch als PDF oder Excel extrahiert werden.

Arbeitsaufträge und GPS-Tracking

Nützlich ist, dass Kilian Diethelm Arbeitsaufträge erstellen und zuweisen kann. Optional kann er via eine GPS-Tracking-Funktion kontrollieren, ob der Mitarbeiter «auch wirklich dran ist». Beim Gang durch die Kulturen oder auf dem Betrieb fällt ihm wie allen Betriebsleitern immer wieder auf, dass es etwas zu reparieren gibt oder wo eine Mausfalle geleert werden sollte. Dazu setzt er vor Ort eine Pin-Nadel und weist sie einem Mitarbeiter mit Notiz zu.

Die Arbeitsstunden werden von den Angestellten erfasst. Hilfreich ist dabei, dass die App in elf Sprachen, unter anderem auch auf Polnisch und Rumänisch, verfügbar ist. Jedem Mitarbeitenden winkt Ende des Monats eine kleine Prämie, wenn die Arbeitsstunden verlässlich ausgefüllt werden.

Für Kilian Diethelm ist Farmable nicht nur ein Aufzeichnungsinstrument, sondern mit Vergleichszahlen zwischen den Kulturen und Sorten auch die Basis für wirtschaftliche Entscheide.

Die App kann kostenlos heruntergeladen werden. In der Testversion kann man Arbeiten planen, zuweisen und den Fortschritt verfolgen, Notizen anlegen, die Tankmischung automatisch berechnen lassen und erhält eine Übersicht über Ernte und Ertrag. Ansonsten kostet Farmable 349 Euro pro Jahr, also rund 325 Franken.

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Kostengünstiges IP-Suisse-Smartfarm

Strickhof-Obstbauberater Kaspar Hunziker, der selbst auch einen Obstbaubetrieb führt, stellte zudem den webbasierten Feldkalender Smartfarm vor. Es handelt sich um ein rein schweizerisches Produkt, das von Praktikern aus dem ehemaligen IP-Suisse-Feldkalender entwickelt wurde. Die Betriebsdaten inklusive georeferenzierter Flächen können aus den kantonalen Systemen übernommen werden. 

«Smartfarm ist sehr intuitiv zu bedienen und dadurch auch für Produzenten geeignet, die sich etwas weniger intensiv mit einer Software befassen möchten», sagte Hunziker. Ab 2027 sollte mit dieser Schlagkartei auch die Nährstoffbilanz gerechnet werden können. Die Kosten pro Jahr betragen 120 Franken mit Support durch Agrosolution. Für IP-Suisse-Betriebe ist es mit 80 Franken deutlich günstiger. Den Support übernimmt dann IP-Suisse. 

Auch kann man Smartfarm während sechs Monaten gratis testen.

Schlagregister und Stückkosten berechnen

Praxiserprobt und rein schweizerisch ist auch die Schlagkartei, die Margareta Scheidiger von der Agridea auf dem Betrieb ihres Partners Peter Meier verwendet. Meier bewirtschaftet in Oberbussnang TG 2 ha Intensivobstkulturen und hält Sömmerungsrinder. Die Aufzeichnungen müssen ÖLN, SGA, SwissGAP und Nachhaltigkeit Kernobst abdecken. 

Margareta Scheidiger nutzt dazu seit fünf Jahren das Agridea-Schlagregister, das als Modul in der Web-Applikation Reseau-lution verfügbar ist. Im Gegensatz zu Farmable können auch gemischtwirtschaftliche Betriebe (Obstbau mit Tierhaltung, Grünland und Ackerbau) das Schlagregister nutzen. Mit dem zweiten in Reseau-lution enthaltenen Modul «Planung» löst Agridea die Excel-basierten Programme zur Vollkostenberechnung «Beerenkost» und «Arbokost» ab.

Neu auch für Mostobst-Niederstammanlagen

Neu kann man mit diesem Vollkostentool auch die Produktionskosten von Mostobst-Niederstammanlagen berechnen. Alle Standardrechnungen im Tool enthalten bereits die agronomischen Daten, welche auf die Kultur und die Variante abgestimmt sind: Infrastrukturen, Jungpflanzen, Dünger, Pflanzenschutz, Maschinen, Handarbeit, verschiedene Kosten, Erntemenge, Sortierklassen und Preise sowie die Löhne der Arbeitskrafttypen. Dabei können die Lohnkosten nach Betriebsleiter(in), Familienmitglied, Mitarbeiter mit und ohne Ausbildung, temporäre Arbeitskräfte oder Lernende aufgeteilt werden.

Diese Standardrechnungen kann jeder Anwender nach seinen betrieblichen Gegebenheiten anpassen und dann mit der Referenzvariante vergleichen. Via Mausklick sind die Stückkosten jeder berechneten Variante zu einer Kultur eins zu eins ersichtlich – was dem Landwirt hilft, Entscheidungen über Optimierungen oder Investitionen zu fällen. 

Voko-Daten für Preisverhandlungen nutzen

Die Daten der Anwender sind geschützt. Agridea hat keinen Zugriff auf die Daten und Kalkulationen der Betriebe. Aber ihre Standardrechnungen stellt  Agridea jeweils vor den Preisverhandlungen den Fachzentren des Schweizer Obstverbandes zur Verfügung, sodass die Produzenten Argumente für bessere, kostendeckende Preise haben. 

Reseau-lution kann 30 Tage kostenlos getestet werden. Die Lizenzkosten betragen für Landwirte 120 Franken pro Jahr.

Zürcher Obstverband diskutiert Markt, Bio-Vermarktung und Zukunft des Verbandes

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Präsident Christoph Lamprecht führte zügig durch die Generalversammlung und übergab das Wort an seine Vorstandskollegen, die ihre Tätigkeiten in den Fachbereichen Kern- und Steinobst, Beeren, Bio und Fruchtsäfte vorstellten.

Zwei Grossernten hintereinander
«Wir haben Glück gehabt, dass die Lager auf die Ernte hin geleert waren», sagte Erik Eichenberger vom Vorstand des Zürcher Obstverbandes anlässlich der Generalversammlung. Bei zwei Grossernten, 2024 und 2025 ist das nicht selbstverständlich. Jetzt müsse nur noch der Abverkauf klappen. Von einem erfolgreichen und qualitativ ausgezeichneten Jahr sprach auch Tobias Martin bezüglich der Beeren.

Politik steht auf der Agenda
Für Ernteprognosen 2026 ist es noch zu früh. Aber für die Obstproduzenten und ihre Verbände gibt es viel zu tun, was die politische Agenda betrifft – insbesondere im Hinblick auf das Entlastungspaket des Bundes in der Frühjahrssession. Darauf wiesen neben Edi Hulliger vom Schweizer Obstverband auch Simon Räss hin.

Räss vertritt die Interessen der Bio-Obstproduzenten nicht nur im Vorstand des Zürcher Obstverbandes und des Zürcher Bauernverbandes, sondern auch national sowohl beim Schweizer Obstverband als auch bei der Bio Suisse. Wichtig für die Produzenten von Biobeeren sei vor allem die Beibehaltung der Verwertungsbeiträge für Rohstoffkompensation und Marktreserven, sagte er.

Bio-Vermarktung 2026
Weiter machte Simon Räss in Hinblick auf die diesjährige Ernte darauf aufmerksam, dass Umstellware für die Vermarktung im Knospe-Kanal nicht erlaubt ist. Einzelne Sorten könnten aber je nach Marktsituation zugelassen werden. Kriterien seien die Marktfähigkeit und die Angebotslage pro Sorte. Er empfiehlt allen Bio-Kernobstproduzenten, sich bei Nachhaltigkeit Früchte (NHF) und Suisse Garantie (SGA) anzumelden, damit eine Vermarktung in diese Kanäle möglich ist.

Sorgen bereitet Räss die Tiefpreisstrategie der Grossverteiler. Zudem hofft er, dass die Sortenvielfalt nicht noch weiter verengt werde. «Bio-Gala-Äpfel machen heute rund 40 % des Sortiments aus, wichtig ist aber, dass neue robuste Apfelsorten auch ihre Chancen am Markt bekommen.» Er ist überzeugt, dass durch einen guten Austausch zwischen Produktion, Zwischenhandel und Grossverteilern viele Herausforderungen konstruktiv angegangen werden können.

Degustator(innen) werden gesucht
Martin Engelhard vom Fachbereich Fruchtsaft wies auf die kantonale und nationale Fruchtsaftprämierung hin. Für den Zürcher Fruchtsaft Qualitätswettbewerb seien auf nächstes Jahr noch Degustatoren gesucht. Melden dafür könne man sich bei Denise Lattmann. Lattmann führt das Sekretariat des Zürcher Obstverbandes am Strickhof Wülflingen.

Verbandsreise an den Tunneltag
Neben den unzähligen Weiterbildungskursen und Infoanlässen führt der Zürcher Obstverband am 22. und 23. April eine Verbandsreise durch. Diese führt die Produzenten zum sogenannten Tunneltag Köln-Auweiler, wo hauptsächlich Produktionsverfahren im intensiven geschützten Beerenanbau präsentiert werden. Das Programm mit Anmeldeformular ist auf www.zueri-obst.ch zu finden. Anmeldeschluss ist der 20. Januar.

Lamprecht kündigt Rücktritt an
Den Schlusspunkt an der Versammlung setzte Züri-Obst-Präsident Christoph Lamprecht. Er kündigte auf 2027 seinen Rücktritt an. Eine Nachfolgelösung gebe es noch nicht. Er und seine Vorstandskollegen freuen sich, wenn sich Kandidat(innen) melden. Der Vorstand sei gut aufgestellt, sodass das Arbeitspensum überschaubar und gut planbar sei.