Die Anbauflächen von Standard-Apfelsorten wie Gala, Jonagold oder Golden gehen in der Schweiz weiter zurück. «Viele Anlagen mit diesen Sorten kommen jetzt zudem in ein Alter, wo remontiert werden sollte», erklärte Samuel Cia von Agroscope im Januar an der Zentralschweizer Pflanzenschutz- und Obstbautagung. Neue grosse Hoffnungsträger am Apfelsorten-Himmel seien allerdings noch nicht auszumachen. Bedeutende Neupflanzungen seien in der Vergangenheit neben Bonita vor allem mit Clubsorten wie Jazz, Diwa oder Kanzi gemacht worden.
Konsumentenbedürfnisse bei Anbauplanung berücksichtigen
Der Apfelkonsum und die Abaufläche in der Schweiz seien in den letzten Jahren trotz Bevölkerungswachstum zurückgegangen, umso bedeutender sei es, Konsumentenbedürfnisse bei der Anbauplanung zu berücksichtigen und so die Wettbewerbsfähigkeit des Apfels zu erhöhen. Degustationen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigten, dass neue Sorten gegenüber den aktuellen Hauptsorten insbesondere bei der Textur bedeutend besser abschnitten.
Resiliente Apfelsorten für morgen
Im Gegensatz zu «knackig» und «crispy» sei die Robustheit einer Apfelsorte hingegen kein vorrangiges Marketingargument für den Verkauf. Hingegen könnten robuste Sorten ein möglicher Weg für die Ertragsstabilität und die Wirtschaftlichkeit in der Produktion sein. Robust heisse nicht nur, resistent gegen den Apfelschorf zu sein, sondern auch, keine überdurchschnittlich starke Anfälligkeit gegenüber den wichtigsten weiteren Krankheiten wie Marssonina, Regenflecken, Lentizellenfäule, Feuerbrand und Schädlingen zu haben. Nicht alle Regionen würden die gleichen Anforderungen an robuste Sorten stellen. So hätten trockene und regenreiche Gebiete ganz unterschiedliche Ansprüche.
Neue Sorten degustiert
«Heute haben alle auf der BLW-Sortenliste aufgeführten robusten Apfelsorten eine Resistenz gegen Schorf», erklärte Samuel Cia. Bei diesen sei eine Reduktion der Fungizide möglich. Er stellte den Zentralschweizer Obstproduzenten zwei neuere robuste Sorten vor, welche dann auch degustiert und mit Standardsorten verglichen werden konnten. Er betonte allerdings, dass bei diesen die grosse Praxiserfahrung noch fehle. Von der Sorte Wurtwinning/Bloss seien die ersten Pflanzungen erfolgt. Diese überzeuge mit schnellem Wuchs, auf ein ausreichendes Breitenwachstum müsse geachtet werden.
Erntebeginn sei zwei Wochen nach Golden, eine zögerliche Deckfarbeausprägung und eine relativ lange Ernteperiode seien weitere Merkmale der knackigen und aromatischen Sorte. Bisher zeige sich diese sehr robust gegenüber Apfelschorf. Die zweite vorgestellte Sorte war die von Agroscope gezüchtete Iori (Topaz × Fuji). Iori sei eine saftige und knackige Nicht-Clubsorte. Der Baum verfüge über ein mittelstarkes Wachstum und gute Garnierung. Iori reife kurz nach Braeburn und überzeuge durch hohes Ertragspotenzial und nur leichte Alternanzanfälligkeit.
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Erfolgreiche Schorfbekämpfung
Auch wenn robuste Sorten zu einer Reduktion von Pflanzenschutzmitteln führen können, auf Pflanzenschutz ganz verzichten wird man im Apfelanbau in naher Zukunft nicht können. Entsprechend wichtig ist es, die verschiedenen Möglichkeiten zu optimieren. Auf die wichtigsten Faktoren einer erfolgreichen Schorfbekämpfung ging an der Zentralschweizer Pflanzenschutz- und Obstbautagung Sonja Züst vom Landwirtschaftszentrum Arenenberg ein. In von Schorf befallenen Anlagen seien Hygienemassnahmen doppelt wichtig, denn je mehr unverrottetes Laub im Frühjahr noch liegen bleibe, desto grösser sei das Ascosporen-Potenzial beim Austrieb. Mittels mechanischer Laubzerkleinerung oder der Applikation von Harnstoff oder Vinasse könne der Laubabbau beschleunigt werden.
Spritzarbeit überprüfen
Bei Pflanzenschutzmittel-Arbeiten mit der Spritze sei es sinnvoll, einmal zur Überprüfung der Spritzarbeit die Applikation von Drittpersonen filmen zu lassen. Solche Aufnahmen könnten wichtige Hinweise auf Fehler wie zu hohe Luftmengen geben. Mittels Anpassung der Fahrgeschwindigkeit oder der Luftmenge könne der Blattschutz optimiert werden.
Etwas aufwändiger, aber ebenfalls lohnenswert, sei die Kaolin-Markierung, bei der auf einer ganz kleinen Fläche hochdosiertes Kaolin ausgebracht werde. «Damit kann sich jeder praxisnah ein eigenes Bild vom Spritzbild machen», erklärte Sonja Züst. Ein spezielles Augenmerk müsse dabei auf die Bedeckung der Blattoberseite gelegt werden, wo der Apfelschorf eindringe.
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Überbauungen erschweren Applikation
Gerade bei überbauten Bäumen sei eine optimale Applikation eine Herausforderung. In betroffenen Anlagen sollten Schnittmassnahmen, gemäss Sonja Züst, wenn möglich im Herbst nach der Ernte oder im Frühling nach der Blüte vorgenommen werden, da dadurch der Wuchs gebremst werden könne. Ein Wurzelschnitt oder der Pflanzenwachstumsregulator Regalis seien weitere Möglichkeiten, den Baum zu beruhigen.
Resistenzen vermeiden
Heute gäbe es mittlerweile wertvolle Prognosemodelle, welche Infektionen zuverlässig voraussagen könnten. Um die Blüte sei die Gefahr für Schorfinfektionen am grössten. In über sieben Tage alten Blättern sei es für den Schorfpilz dann schwieriger einzudringen. Ziel sei, in der Primärphase, also bei der Freisetzung von Ascosporen, den Pflanzenschutz so zu optimieren, dass die Anlage bei Beginn der Sekundärphase schorffrei sei. Um Resistenzen zu vermeiden, sei das Wirkstoffmanagement sehr wichtig. «Das funktioniert in der Schweiz sehr gut. Da haben unsere Nachbarn auf der anderen Bodenseeseite weit grössere Probleme», rühmte Sonja Züst.