Innovationen im Foodbereich beginnen meistens klein in einer Marktnische – und können sich dabei durchaus einen Regalplatz ergattern. Aber meistens ist dieser Weg lang und steinig. Ebenso ist es schwierig, den Regalplatz länger zu besetzen, muss doch über die Nachfrage Cash hereinkommen und das Angebot muss immer gleichbleibend standardisiert verfügbar sein. 

Am Future Food Symposium in Zürich erklärte Aldi-Suisse-CEO Jérôme Meyer, wie es dem Discounter gelang, sein eigenes Bio-Label zu lancieren und sich damit Marktanteile zu sichern.

Vom Discounter, der eine Art «Bio plus» lancierte

Discounter wie Aldi setzen nicht primär auf innovative Nischenprodukte, sondern auf Masse und Volumen – das stellte Jérôme Meyer zu Beginn klar. «Wir sind ein Discounter. Wir haben ein knappes Sortiment von rund 1800 grossvolumigen Basisartikeln und sind unabhängig von Markenartikeln. Darauf sind wir stolz», sagte Meyer vor den Teilnehmer(innen) des Future Foods Symposiums. 

Dennoch zeigte Meyer am Beispiel der ohne Antibiotika produzierten Milch und des Labels «Retour aux Sources», wie man sich zumindest eine Nische in der Nische sichern kann.  

Die Idee, antibiotikafrei Milch zu produzieren, kam bei Biopionieren schon vor 25 Jahren auf. Richtig Fuss im Detailhandel zu fassen, war jedoch schwierig. 2022 stieg Aldi Suisse nach rund zehnjährigem Ringen um das Knospe-Label aus den Verhandlungen mit Bio Suisse aus. Die Forderungen nach der Minimalzahl von Bio-Knospe-Produkten seien immer dreister geworden, sodass sich Aldi aus der Not heraus entschlossen habe, mit «Retour aux Sources» ein eigenes Bio-Label zu lancieren, das die Knospe-Richtlinien übertrifft.

Ein Umsatzwachstum von 30%

Die Marke hat sich seit der Einführung im Jahr 2022 erfolgreich etabliert und kontinuierlich weiterentwickelt. «Retour aux Sources» habe «performt», brachte es Jérôme Meyer auf den Punkt. Heute sind unter dem Label neben Milch und Milchprodukten auch Rind- und Geflügelfleisch sowie Eier aus antibiotikafreier Produktion erhältlich. Zusammen mit Kartoffeln, Gemüse, Bio-Broten etc. führt Aldi nun 63 Bioartikel. 2025 verzeichnete Aldi Suisse unter der Marke «Retour aux Sources» im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von rund 30 Prozent.

Der WWF empfiehlt das Label uneingeschränkt und schreibt dazu: «Es wird höchsten Ansprüchen gerecht und erfüllt die Anforderungen an eine umweltverträgliche und sozialgerechte Produktion.» Neben Qualität und Abgrenzung gegenüber dem Knospe-Label hat Aldi noch ein weiteres Argument auf seiner Seite – den Preis. «Wenn Sie mehr Bio und Regionalität verkaufen wollen, muss es für die Konsumenten erschwinglich sein», sagte Jérôme Meyer. So ist denn Bio bei Aldi auch deutlich günstiger als bei Migros und Coop.

Bauern als Partner und Botschafter gewinnen

Und was ist mit den Landwirten, die vor 25 Jahren als Pioniere mit antibiotikafrei produzierter Milch gestartet sind? «Sie sind unsere Botschafter», sagte Jérôme Meyer. So zeigt das Beispiel auch auf, dass Werbekampagnen allein nicht reichen, um «Innovation auf den Markt zu bringen». 

Wenn man mit neuen, innovativen Produkten Erfolg haben will, muss man als Pionier einen Teil seiner Souveränität abgeben und dem Handel Raum geben, das Produkt zu seiner Marke aufzubauen. Auch muss man darauf hoffen, dass ein Produkt so lange im Regal bleibt, bis die Gewinnschwelle erreicht ist. «Zu Beginn hat niemand gross daran verdient, weder die Landwirte noch der Verarbeiter Emmi, noch wir», sagte Jérôme Meyer abschliessend. Aber das hat sich ja geändert.