Bei winterlichen Wetterbedingungen gibts auf den Feldern aktuell wenig zu tun. Aber wenn der Weizen durch die Schneedecke zum Vorschein kommt, lohnt sich bereits jetzt ein Blick auf den Bestand, um ihn zu beurteilen. So können Landwirtinnen und Landwirte Düngung und Unkrautbekämpfung frühzeitig planen. 

«Man kann kontrollieren, wie viel von der Saat aufgelaufen ist und wie die Bestandsdichte ist», sagt Bernhard Streit, Dozent an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL). 

Anzustreben wäre nach Lehrbuch eine Bestandsdichte von 600 oder mehr ährentragende Halme pro m2. Stehen jetzt – vor der Bestockung – 300 Pflanzen pro m2, müssen Landwirte um den Faktor zwei bestocken. «Das ist realistisch», findet Streit. Wer aber 200 oder weniger Pflanzen pro m2 vorfindet, dürfte es schwerer haben.

Frühes Andüngen für dichtere Bestände

«Meine Haltung ist immer, möglichst noch das Maximum aus der Situation herauszuholen», hält Bernhard Streit fest. Dabei hilft eine vorausschauende Planung basierend auf der aktuellen Lagebeurteilung. 

Um die Bestockung eines eher mager aufgelaufenen Bestandes zu unterstützen und anzuregen, empfiehlt er ein möglichst frühes Andüngen. Deshlab sei das Timing der ersten Gabe zum Vegetationsbeginn wichtiger als deren Stickstoffmenge.

Mechanisch früher gegen Unkraut vorgehen

Bis zum 15. Februar sind keine chemischen Pflanzenschutzmittel auf den Feldern erlaubt. Ausserdem muss die Temperatur über Null Grad liegen – erst dann dürfe man diese einsetzen, ergänzt Bernhard Streit. 

Das sei im Februar oft noch nicht der Fall. «Wenn sich jetzt Unkraut breit macht, lohnt es sich, so früh wie möglich einen Durchgang mit dem Striegel vorzunehmen», sagt Streit. Das regt die Bestockung ebenfalls an. 

Die mechanische Unkrautbekämpfung ist zeitlich durch keine Vorschriften eingeschränkt. Dafür muss das Wetter aber trocken und der Boden ausreichend befahrbar sein.

Dünger einarbeiten und Luft in den Boden bringen

Es bietet sich zudem an, vor dem Striegeln zum Beispiel Gülle auszubringen, um schwächelnde Pflanzen zu unterstützen. Die oberflächliche Bearbeitung bringt den Dünger in den Boden. Dabei gilt es aber, genügend Zeit einzuberechnen, damit die Gülle einsickern kann. Ist die Oberfläche zu nass, mindert das die Unkrautwirkung des Striegels. 

Warum ist der Bestand eher dürftig?

Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich der Bestand primär über die Bestockung lenken. Trotzdem stellt sich die Frage, weshalb Weizenpflanzen weniger Dicht auf den Feldern wachsen. Dafür könne es viele Gründe geben, erklärt Bernhard Streit. 

Selten trete Staunässe wegen einer defekten Drainage auf. Eine feucht glitzernde Oberfläche deute häufig auf eine oberflächliche Verdichtung und Verschlämmung hin. «In der Regel ist es das ›unheilige Dreigespann‹ aus wendender Bodenbearbeitung – die das Bodengefüge destabilisiert – hohen Achslasten durch schwere Maschinen und zapfwellengetriebenen Geräten, wie die Kreiselegge.» 

Verschlämmungen bei zu feinem Saatbett

Bei einem Problem braucht es zuerst eine Diagnose. Das Pendant zum Fiebermessen beim Patienten wären beim Boden Spatenproben oder das Einstechen mit einer Sonde, um Verdichtungen zu lokalisieren. 

Der Fünflibertest zeigt, ob das Saatbett zu fein ist. Dazu mit einem Doppelmeter ein 40x60-cm-Rechteck abstecken, einen Fünflieber hineinlegen und zählen, wie viele Schollen grösser sind als die Münze. Für die meisten Kulturen gelten etwa 20 Klumpen in dieser Grösse im Rechteck als ideal. 

Vor allem Wintergetreide sei gegenüber einem grobem Saatbett indes sehr tolerant, heisst es in einem Agridea-Merkblatt zum Fünflibertest. Auf der anderen Seite drohen bei einem zu feinen Saatbett Verschlämmungen, die man jetzt, wenn die Pflanzen noch klein sind, gut erkennen kann. 

Tatsächlich seien aktuell eine Mehrheit der Weizenäcker verschlämmt, sagt Bernhard Streit. «Durch das zu feine Saatbett entmischt der Regen die Bodenteilchen, die feineren werden nach unten transportiert.» Das Resultat ähnle Beton – die Versickerung ist deutlich behindert.

Bearbeiten, aber schonend

«Meine Lösung dagegen ist die minimale Bodenbearbeitung und wo nötig ein Untergrundlockerer», erklärt Bernhard Streit. «Aber das ist nicht mehrheitsfähig.» Daher plädiert er dafür, weniger tief zu pflügen, Kreiseleggen langsamer einzustellen beziehungsweise schneller damit zu fahren und generell auf gute landwirtschaftliche Praxis zu achten. Vorallem im Hinblick auf die nächste Saat.

Wo es jetzt verschlämmte oder verkrustete Oberflächen im Weizenfeld hat, hilft am ehesten die Rotorhacke. Sie kann Krusten aufbrechen, bringt Luft in den Boden und fördert wie der Striegel die Bestockung.