2025 war pflanzenbaulich ein erfreuliches Jahr. Was aber auffiel: Plötzlich trat Mutterkorn bei verschiedenen Getreidearten auf und es gab grossflächige Schäden durch Erdraupen im Mais. Beides konnten Fachleute an der diesjährigen Pflanzenschutztagung von Agroscope an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen BE einordnen.
Drei Faktoren begünstigen Mutterkornbefall
«Der Kanton Waadt war stark von Mutterkorn betroffen, das macht Sorgen», erklärte André Zimmermann vom kantonalen Pflanzenschutzdienst. Drei Punkte seien beim Mutterkorn wichtig: Feuchtigkeit im Frühling zur Keimung der Pilzsporen, Feuchtigkeit, Wind und klimatischer Stress für die Kontamination von Gräserblüten sowie Wind und Regen während der Blütezeit des Getreides, für die weitere Verbreitung von Mutterkorn innerhalb einer Parzelle. «Die Blüte schliesst sich nach der Befruchtung und ist ab da geschützt», ergänzte Zimmermann.
Der Faktor Gräser spielt mit
2025 habe eine aussergewöhnliche Situation geherrscht, was das Wetter angeht. So kamen ein feuchter Frühling und Lichtmangel Anfang Mai zusammen. «Die Blüten des Winterweizens blieben scheinbar länger offen», hielt der Waadtländer fest. Die Blütenfruchtbarkeit könnte verringert gewesen sein. Ein weiterer Faktor war laut Zimmermann die Zunahme von Gräsern in den Parzellen durch reduzierte Bodenbearbeitung und Unkrautbekämpfung. «Mutterkorn produziert auf Fuchsschwanz und Raygras Tausende von Sklerotien pro Hektare», so Zimmermann. Sklerotien sind die auffälligen, übergrossen und schwarzen Körner, in denen der Pilz im Boden den Winter übersteht und aus denen er bei genügend Feuchtigkeit im Frühling wieder auskeimt.
André Zimmermann stellte weiter fest, dass mehr herbizidresistente Gräser auftauchen. Dadurch – und durch gräserreiche Biodiversitätsförderflächen oder seltener gemähte Feldränder – findet der Mutterkornpilz mehr potenzielle Wirtspflanzen, von denen aus er sich in einem Getreideacker ausbreiten kann. Zimmermanns Daten zeigten aber keine auffälligen Unterschiede in der Anfälligkeit je nach Sorte beim Winterweizen. Hingegen waren mit Fungizid behandelte Flächen deutlich seltener von Mutterkornbefall betroffen. Der chemische Schutz scheint also zu funktionieren.
Auf betroffenen Flächen kein Getreide
Im letzten Jahr kumulierten sich für Mutterkorn alle drei Risiken punkto Feuchtigkeit und Stress für die Kultur, fasste André Zimmermann zusammen. «Ich hoffe, das war eine Ausnahmesituation. Die Zukunft wird es zeigen.» Trotzdem rät er dort, wo im letzten Jahr kontaminierte Posten geerntet worden sind, heuer Getreide zu meiden. Gräser seien auf solchen Standorten effizient zu bekämpfen, was gegen einen Herbizidverzicht spricht. Werden auf der Parzelle zurückgebliebene Sklerotien mindestens zwei Jahre 10 cm tief vergraben, reduziere das den Befall um 85 Prozent.
Generell empfiehlt Zimmermann, im Getreideanbau zertifiziertes Saatgut zu verwenden, Gräser in den Parzellen zu bekämpfen sowie rund um die Felder zu mähen. Insbesondere ist die Blüte von Fuchsschwanz und Raygras zu verhindern. «Bei Regen während der Blütezeit kann ein Fungizideinsatz helfen», so der Fachmann. «Analog zum Schutz vor Fusarium.» Für die Zukunft gilt es, mit Herbstapplikationen den Wegfall von Flufenacet zu kompensieren und alle Massnahmen zu ergreifen, damit die verfügbaren Wirkstoffe langfristig gegen Gräser wirksam bleiben.
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Erdraupen waren Larven der Ypsiloneule
«Es gibt alle paar Jahres etwas Spezielles – 2025 waren es die Erdraupen», meinte Stève Breitenmoser zum Maisanbau im vergangenen Jahr. Der Agroscope-Forscher erhielt aus den Kantonen Freiburg, Zürich, Thurgau, Luzern und Schaffhausen Meldungen über Schäden, die von umgeknickten Maispflanzen entlang der Reihen bis zu fast komplett niederliegenden Parzellen reichten. Unter den abgefressenen Stängeln kamen typischerweise dunkle Raupen zum Vorschein, die sich am Tageslicht zusammenkringeln. Laboranalysen identifizierten sie als Larven der Ypsiloneule (Agrotis ipsilon). «Dieser wandernde Nachtfalter bevorzugt warmes und feuchtes Klima», beschrieb Breitenmoser. Die Art überwintert in Südeuropa und Nordafrika. Gelegentliche Schäden können grossflächig sein und in Form von Massenvermehrungen auftreten.
Stève Breitenmoser konnte die Meldungen bzw. Raupenfunde aus den Kantonen verschiedenen Einwanderungswellen zuordnen. «Die neue Generation, die aus der zweiten Immigration oder einem zweiten Zyklus im Schweizer Mais stammen, ist eher eine Gefahr für den Gemüsebau.» Diese Falter sind ab Ende Juli unterwegs. Dann beginnt ausserdem ein Teil der Population mit der Wanderung nach Süden.
Zuletzt vor 25 Jahren in dieser Form
Es sind laut dem Agroscope-Forscher vor allem Parzellen betroffen, die zur Einflugszeit angesät worden sind. Die Immigrationen finden von März bis Ende Mai und von Juni bis Juli statt. Grössere Schäden durch die Ypsiloneule bezeichnet Stève Breitenmoser als «aussergewöhnliche und unregelmässiges Phänomen.» Vor 2025 gab es das zuletzt im Jahr 2000. Feuchtigkeit und Wärme begünstigen die Art. Die Bekämpfung erfordert eine Sonderbewilligung für Pyrethroide im ÖLN, sie wirken besser gegen junge Larven. «Ab dem 8-Blattstadium des Mais ist eine Bekämpfung nicht mehr nötig», zitierte Breitenmoser die Literatur. Für dieses Jahr ist die Überwachung der Ypsiloneule im Gemüsenetzwerk von Agroscope sowie z. B. im Kanton Thurgau mit Pheromonfallen geplant.
«Der Osten muss aufpassen»
Ungenügende Backtests von Schweizer Kartoffeln konnten 2025 auf eine Infektion mit dem SBR-Erreger Arsenophonus zurückgeführt werden. Die Glasflügelzikade überträgt diese Bakterien. Im Gegensatz zu Deutschland trägt das Insekt hierzulande aber nur sehr selten sowohl Arsenophonus als auch den Stolbur-Erreger. «2025 gab es deutlich weniger Symptome und bessere Backtests bei den Kartoffeln sowie bessere Zuckererträge bei den Rüben», fasste Andreas Keiser, HAFL, die Ergebnisse des Monitorings zusammen. Möglicherweise waren die vitalen Pflanzen widerstandsfähiger als unter den widrigen Wetterbedingungen 2024. Aber, «der Osten muss aufpassen», so Keiser. In der Ostschweiz sind bisher zwar Zikaden unterwegs, aber nur wenige tragen Arsenophonus. Daher sei die wichtigste Massnahme in dieser Sache – die Umstellung der Fruchtfolge mit Verzicht auf Winterweizen nach Zuckerrüben – dort besonders wichtig. Insektizide würden in Deutschland verwendet, aber mit geringerer Wirkung als ein Weizenverzicht.