Das Obst- und Beerenjahr 2025 darf als gut bis sehr gut bezeichnet werden. Bei den Äpfeln wurde mit 63 000 Tonnen sogar eine nationale Grossernte erzielt. «Auch im Kanton Bern dürfen wir mit den Ernten zufrieden sein», sagt Andrea Gschwend, Präsidentin des Verbands Berner Früchte, an der Generalversammlung in Oeschberg. «Ich freue mich natürlich, dass wir die grossen Mengen von Kirschen vermarkten konnten», sagt Gschwend. Die Qualität sei deutlich über jener des Jahres 2024 gelegen. Hingegen fiel die Ernte bei den Birnen und den Zwetschgen nur durchschnittlich aus.
Die Mittelmeerfruchtfliege macht sich breit
«Die frühen Zwetschgensorten, die im August reif sind, bereiten uns vermehrt Sorgen», sagt Tobias Meuter vom Produktzentrum Obst. Im August wolle der Konsument noch keine Zwetschgen essen, die Nachfrage komme erst nach dem Bettag. Eine Anpassung des Sortiments werde künftig notwendig sein, um den Marktanforderungen besser gerecht zu werden.
Sorgen bereitet Meuter auch die Mittelmeerfruchtfliege, die seit rund zwei Jahren als neuer Schädling an Bedeutung gewinnt. «Rund um den Bielersee wird sie mit Fallen überwacht», hält er fest. In Zusammenarbeit mit der Fachstelle Obst und Beeren sowie Agroscope wolle man mehr über diesen Schädling herausfinden, um später geeignete Bekämpfungsmassnahmen zu prüfen. Der Stand an der BEA in Bern, die Sichlete auf dem Bundesplatz oder der Tag des Apfels sind für den Verband die Höhepunkte vom vergangenen Jahr.
Das Jubiläum sorgt für ein Minus in der Rechnung
«Der Stand an der BEA, an dem wir Most und Apfelküchlein verkauften, stiess auf grosses Interesse», sagt Geschäftsführer Ueli Steffen. Von der Nutzerstrategie des Inforamas (siehe Kasten) ist auch die Fachstelle Obst und Beeren betroffen: «Deswegen müssen wir vom Oeschberg nach Ins zügeln», bestätigt Andrea Gschwend. Ihr sei es wichtig, dass bei der Umsetzung der Strategie die Anliegen des Verbands, des Inforamas und des Kantons Bern, wahrgenommen würden.
Bei der Präsentation der Jahresrechnung musste der Geschäftsführer einen Verlust von 36 414 Franken bekanntgeben. «Da wir letztes Jahr das 25-Jahr-Jubiläum unseres Verbands feiern konnten, zogen wir keine Mitgliederbeiträge ein, was sich auf die Rechnung niederschlug», so seine Begründung. Trotz des Minus steht der Verband mit einem Vermögen von 177 000 Franken immer noch solide da.
Nutzungsstrategie Inforama: Wie geht es weiter?
Inforama-Direktor Kaspar Grünig berichtete an der Generalversammlung des Verbands Berner Früchte über den aktuellen Stand der Nutzungsstrategie Inforama. «Der Entscheid kam vom Berner Grossen Rat, das Inforama muss die Vorgaben jetzt umsetzen», sagt Grünig. Die Nutzerstrategie sieht vor, dass die Neuerungen dieses Jahr starten und bis 2038 abgeschlossen sind. Die Standorte Schwand und Oeschberg sollen spätestens im Jahr 2032 aufgegeben werden. Für die Nutzungsstrategie sind 248 Millionen Franken gesprochen. Für dieses Jahr sind folgende Massnahmen geplant:
- Zusammenarbeitspotenziale prüfen (Kanton FR/SO, diverse Institutionen wie zum Beispiel Agroscope)
- Bedarfsschätzung validieren, falls nötig konkretisieren und ergänzen, zusammen mit der Branche (Produzentenzentren)
- Konzeptbericht mit Variantenvergleich, Grundlagen erarbeiten
«Das Ziel muss ein starkes Inforama für einen starken Landwirtschaftskanton sein», sagt Grünig. Dabei gelte es mit den Kompetenzzentren die Kompetenzen zu bündeln. «Die Bildungs- und Beratungsqualität werden wir mit dieser Strategie weiter stärken», so der Direktor. Dabei gelte es auch, Synergien zu nutzen (Hauswirtschaft und Betriebsleiterschule).

