In diesem und dem vergangenen Jahr hat Marco Stettler aus Grafenried BE seinen Brotweizen als IP-Suisse-Extenso angebaut. «Das hat gut geklappt», zeigt er sich mit Ertrag und Qualität zufrieden. Er hat 12,8 % Protein, 80 kg/hl und 67 dt/ha erzielt. Im Frühling gebe er der Kultur jeweils Gülle – «nicht in erster Linie aufgrund des Stickstoffs, sondern wegen der anderen Nährstoffe und Spurenelemente darin», erklärt Marco Stettler. Auf diese Weise versorgt er sein Getreide etwa mit Kalium, Schwefel oder Magnesium.
Da die betriebseigene Kuhgülle allerdings vergleichsweise wenig Phosphor enthalte, gleicht er bei diesem Nährstoff mit Triple-Super-Phosphat aus (etwa 40 Einheiten pro ha). Hinzukommen insgesamt 120 – 130 Einheiten Stickstoff in Form von Ammonsalpeter in zwei Gaben und Bittersalz (10 kg/ha) als Pflanzenstärkungsmittel bzw. Schwefel- und Magnesium-Blattdünger. «Für starke Halme habe ich jeweils Biolit eingesetzt», fährt der Berner fort. Das Gesteinsmehl habe eine ähnlich starke verkürzende Wirkung wie handelsübliche chemische Wachstumsregulatoren. Biolit und Bittersalz bringt er mit der Feldspritze auf das Fahnenblatt.
Was die Bodenbearbeitung angeht, so sät Stettler vor Weizen wann immer möglich eine Gründüngung. Er nutzt sie quasi als Indikator: Wo die Mischung nur schlecht aufläuft, prüft er den Boden mit der Spatenprobe und fährt je nach Ergebnis gezielt mit dem Tiefenlockerer auf der fraglichen Teilfläche. «Das spart Zeit und Diesel», bemerkt er. Ganzflächig folgt sodann der Grubber auf 20 cm, wobei Stettler darauf achtet, nicht zu schnell zu fahren. «Für eine grobe Struktur», erklärt er. «Feiner kann man immer machen, gröber eben nicht.»
Die Saat geschieht mit der Kreiseleggen-Kombination. Der Berner strebt ein feines Saatbett an («eher Zweifränkler als Fünfliber»), um angesichts wegfallender Wirsktoffe Spritzschatten für Herbizide zu vermeiden. Je nach Bedingungen lässt er sich offen, die Fläche nachzuwalzen. Für nächstes Jahr hat sich Marco Stettler gegen IP-Suisse-Getreide entschieden, da er mit den neuen Labelanforderungen nicht einverstanden ist.
Viel ändern an seiner Strategie werde er aber nicht, auch wenn er nun «Vollgas» fahren will. «Ich orientiere mich im Pfanzenschutz an den Schadschwellen», sagt Stettler.
[IMG 3]
Biogasgülle, Biostimulanzien und der Gedanke ans Stroh
Aufgrund der Bodenverhältnisse und häufiger Sommertrockenheit an seinem Standort in Birrhard AG baut Patrik Huber seinen TOP-Weizen extenso an. Heuer hat er 68 dt/ha mit rund 78–80 kg/hl gedroschen. «Die Proteingehalte lagen weit über den Abzugswerten», hält er fest. Wegen tieferer Hektolitergewichte baut der Aargauer für 2026 keinen Montalbano mehr an, sondern erstmals Nara und Caminada. Seinen Weizen düngt Huber ausschliesslich organisch, seit diesem Jahr mit Biogasgülle. Die Resultate seien besser als mit seiner bisherigen Strategie (Hühnermist und Rindergülle). «Sobald ich im Frühling fahren darf, gebe ich dem Weizen jetzt 20 – 25 m3/ha Biogasgülle», erklärt der Aargauer. 2 – 3 Wochen später folgt die zweite Gabe mit derselben Menge. Eine Ährengabe mache bei ihm aufgrund der erwähnten Trockenheit keinen Sinn.
Je nach Saatzeitpunkt setzt Huber im Herbst vor dem Weizen aber noch betriebseigene Rindergülle ein (30 - 40 m3, 1:1 verdünnt). Er sät in der Regel Ende Oktober, um der Gründüngung vorher Zeit zum Aufwachsen zu lassen. «Ausserdem habe ich das Gefühl: je später ich säe, desto später wird der Weizen krank.» Im milden Herbst und Winter seien Krankheitserreger und Schädlinge noch länger aktiv. Huber bevorzugt einen weniger dichten Bestand (rund 400 Körner/m2 Saatdichte), dem er mit der Düngung im Frühjahr zum Bestocken «noch richtig Gas geben» kann.
Bei der Bodenbearbeitung will Patrik Huber schonend vorgehen und arbeitet die Gründüngungen mit einem intensiven Grubber ein. Der Weizen wir mit einer konventionellen Säkombination eingedrillt. Ein wichtiger Teil von Hubers Strategie sind Biostimulanzien und Spurenelemente. Im Weizen verwendet er Silizium und Mangan (zusammen mit dem Herbizid im Frühling) sowie Huminsäure (auf Boden und Pflanzen) und Stickstoff-Blattdünger (im Fahnenblatt). «Ich kann die Wirkung nicht beweisen oder in Zahlen vorrechnen», räumt der Aargauer ein. «Aber ich bin Fan davon. Ebenso von Gründüngungen.»
Für ihn ist allerdings auch wichtig, ganzheitlich zu denken. Etwa, was den Erntezeitpunkt angeht. «Heuer hätte ich für optimal getrockene Körner einen Tag später dreschen müssen», schildert er. «Aber dann hätte es mir 10 ha Stroh verregnet.» Dann hätte Huber nun ein Jahr lang schlechteres Stroh einstreuen müssen, was auch schlechteren Dünger für seine Flächen bedeutet hätte, ist er überzeugt.
[IMG 2]
Sehr hohe Proteingehalte, Rotte und Dammkulturen
Michael Kipfer hat zwei Jahre Erfahrung mit dem Anbau von Dammkulturen, darunter Brotweizen. Der Bio-Landwirt aus Stettlen BE berichtet, in diesem Jahr auf zwei Felder jeweils 18 % bzw. 16,3 % Proteingehalt im Weizen gehabt zu haben, bei guten Hektolitergewichten (79 kg/hl und 82 kg/hl). Was nicht stimmte, war der Ertrag. «Ich bin gespannt, wie sich das die nächsten Jahre entwickeln wird», ergänzt er. Die hohen Proteingehalte in seinem Weizen erklärt sich Michael Kipfer mit einer guten Nährstoffversorgung, wobei er als Bio-Landwirt keinen Kunstdünger einsetzt. Stattdessen gibt er Mist und Gülle (von Kühen und Schweinen gemischt) gezielt in die Vorkultur, namentlich Kunstwiese oder Gründüngung. «Vor dem Wiesenumbruch habe ich den letzten Schnitt ausgelassen, Gülle und Mist ausgebracht und den Bestand 2 – 3 Wochen später mit der Cellifräse eingefräst», beschreibt Kipfer sein Vorgehen. Vom Mist sei zu diesem Zeitpunkt bereits nichts mehr zu sehen gewesen.
Beim Fräsen spitzt der Biolandwirt Rottelenker, lässt dem Boden anschliessend 10 Tage bis zwei Wochen Zeit für die «Verdauung», zieht dann mit einer Dammmaschine von Rohrbach Technik die Dämme und sät nach einer weiteren Rottepause das Getreide. «Die Dämme sind locker und luftig, weil man nie darüber fährt», schildert Michael Kipfer. Das fördere das Bodenleben, das Wurzelwachstum und eben die Nährstoffversorgung der Kultur. Durch das Ausbringen von Mist und Gülle in der Vorkultur stelle er sicher, dass die Nährstoffe dann pflanzenverfügbar sind, wenn sie der Weizen braucht. Direkt zum Getreide gibt er nur einmal im Frühling noch Hofdünger.
Neben reduzierter Bodenbearbeitung und Damkulturen gehört das Aufbereiten von Hofdüngern zu Kipfers Betriebsstrategie. Er setzt dafür EM, Biolit und Pflanzenkohle bereits im Stall ein. «Den Mist lasse ich ein Jahr länger liegen und, ohne umschichten, als Bokashi fermentieren.» Die Ertragseinbusse der heurigen Ernte führt der Bio-Landwirt auf den wetterbedingt späten Saattermin im letzten Jahr zurück. An weniger Reihen aufgrund des Dammanbaus liege es kaum. «Bei der Gerste haben die Halme die Reihen geschlossen», gibt er zu bedenken. Die Pflanzen hätten einfach stärker bestockt.
