Blühstreifen auf Grünland – das mag im Ausland eine sinnvolle Massnahme zur Förderung der Biodiversität sein, hierzulande gibt es extensive Wiesen und Weiden. Ein Gespräch über diese Systeme nimmt sofort Fahrt auf:

«Aber ein Streifen, der immer blüht, macht schon Sinn – auch als Samenreservoir.»

«Das Problem sind die Neophyten: Jeder Streifen, den man stehen lässt, bedeutet einen enormen Aufwand.»

«Meine 7-jährige Buntbrache war sehr teuer und anspruchsvoll in der Pflege. Aber danach gab es auf der Fläche top Weizen.»

Bekannte Massnahmen und was man im Ausland macht

Obige Konversation ist ein Ausschnitt aus den Gesprächen unter insgesamt sechs Landwirt(innen) am zweiten Workshop des Netzwerks FarmBioNet (siehe Kasten unten). Das internationale Projekt lädt dazu ein, die Förderung der Biodiversität ausserhalb der Grenzen von Beitragsschemas und Kontrollierbarkeit zu denken. Bei einem ersten Treffen hatten sich die Teilnehmenden aus landwirtschaftlicher Praxis, Forschung und Beratung im Sommer zu Nutzen und Kosten diverser Massnahmen ausgetauscht – hierzulande bekannten und solchen, die im Ausland angewandt werden. Nun galt es, die Resultate zu besprechen und einzuordnen. Dabei kam ein reger Wissensaustausch in Gang.

Die Massnahme «Blühstreifen auf Grünland» mutet hierzulande exotisch an. Mit den vorgeschriebenen Rückzugsstreifen auf Ökoflächen, die beim Mähen stehenzulassen sind, schafft man aber ebenfalls ein Refugium für Insekten und Kleintiere. Buntbrachen hingegen befinden sich in der Schweiz per Definition auf Ackerland.

Guter Weizen nach Umbruch der Buntbrache

Pirmin Bucheli, Bio-Landwirt aus Altbüron LU, erzählte am Workshop von seiner 7-jährigen Buntbrache. «Der Boden hat sich darunter gut erholt», schilderte er. «Und die Insekten hatten eine Riesenfreude daran.» Für die aufwändige Pflege wurde Bucheli von Bewohnenden aus einem nahen Flüchtlingsheim unterstützt. Nach dem Umbruch sei der Weizen – ohne Grunddüngung – sehr gut gediehen. So gesehen wären bei der Kosten-Nutzen-Analyse einer Buntbrache nicht nur die Aufwände für Anlage und Pflege der Förderung von Insekten oder Kleinsäugern gegenüberzustellen, sondern auch ihr Wert hinsichtlich der Regeneration des Bodens.

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Ökologisch und ökonomisch sinnvoll: den Humusgehalt erhöhen

Ruedi Bühler, Heimenhausen BE, hat vor allem wegen Neophyten Bedenken, was Buntbrachen angeht. Den grossen Pflegeaufwand könne er auf seinem Bio-Betrieb nicht stemmen. Hingegen stimmt für ihn das Resultat der gemeinsamen Bewertung, die eine Erhöhung der organischen Substanz im Boden als sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll beurteilt. «Für mich beginnt es beim Boden», sagte der Berner. Er setze seit Jahren auf reduzierte Bodenbearbeitung und stellt fest, dass, wenn man sich um die Bodenbiologie kümmert, die oberirdische Biodiversität ebenfalls zurückkehrt. «Bisher denkt man Biodiversität praktisch nur oberirdisch und vergisst, was im Boden läuft», stimmte Corinne Zurbrügg zu, die den Workshop seitens Agridea leitete.

Allerdings war man sich in der Runde einig, dass sich die organische Substanz im Boden nicht so einfach steigern lässt – auch nicht mit Pflugverzicht, Mist und Kompost. «Es ist schon gut, wenn ein Bio-Betrieb das Niveau halten kann», findet Bühler. Entscheidend für das Potenzial beim Humusaufbau sei sowieso der Tongehalt des Bodens.

Die Erträge erholen sich nach fünf bis sechs Jahren

Um mit reduzierter Bodenbearbeitung Erfolg zu haben, brauche es einen gewissen anfänglichen Humusgehalt, beobachtet Ruedi Bühler. «Wir haben nach 30 Jahren mit dem Pflug umgestellt», schilderte Pirmin Bucheli. «Fünf, sechs Jahre später haben sich die Erträge wieder erholt.» Er erklärt sich das damit, dass die Bodenbiologie auf das veränderte Bearbeitungsregime reagiert und sich entsprechend eingestellt hat. Fachleute der Konservierenden Landwirtschaft sprechen von 5 bis 7 Jahren, bis dank bodenschonender Massnahmen eine höhere Stickstoff-Effizienz auftritt.

Guido Häfliger war der einzige Nicht-Bio-Landwirt in der Runde. «Ich kann nicht alle Vorschriften bei Bio nachvollziehen und schätze es, den chemischen Pflanzenschutz als Notnagel zu haben», erläutere er seine Haltung. Häfliger führt einen Betrieb mit Muttersauen, Aufzuchtrindern und zahlreichen Hochstammbäumen in Willisau LU. Die Förderung der Biodiversität gewichtet er dabei hoch. Seit 10 Jahren verzichte er auf Kunstdünger, sagte der Luzerner zur Diskussion über organische Substanz im Boden. «Die Erträge sind dabei gleichgeblieben.»

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Wie wirkt die Untersaat auf die Kultur?

Der herbizidfreie Anbau von Mais ist für Guido Häfliger ein Fernziel. Er arbeitet in dieser Kultur mit einer Cellyfräse, Federzinkenegge und bei Bedarf einem selektiven Herbizid, um das Unkraut zu bekämpfen. «Das Problem ist, dass die Flächen am Hang liegen. Da fehlt im Grunde eine passende Maschine für die mechanische Unkrautbekämpfung.» Pirmin Bucheli beobachtete eine gute Unkrautunterdrückung dank einer Untersaat in seinem Raps, wobei die Kultur trotz der sichtbaren Konkurrenz schön geworden sei. «Entweder schöner Weizen oder eine schöne Untersaat», so die gegenteilige Erfahrung von Ruedi Bühler im Getreideanbau. Er setzt Untersaaten für den Humusaufbau und als «grüne Brücke» ein, da es auf seinen Flächen nach der Getreideernte meist sehr trocken sei. Die aufwachsende Untersaat dient nach dem Drusch als Futter, wenn Wiesen und Weiden kaum mehr wachsen. «Man muss die richtige Mischung wählen», empfahl der Berner. «Keinen Inkarnatklee in die Untersaat, weil der zu schnell hochwächst.» Weissklee hingegen glänze mit hoher Trockenheitstoleranz.

Fritz Sahli, auf dessen Biohof Schüfpenried in Uettligen BE der Workshop stattfand, nutzt Unter- bzw. Einsaaten, um neue Kunstwiesen zu etablieren. «Ich säe sie Ende April ins Getreide», schilderte er auf dem Betriebsrundgang. So sei man schon vor 50 Jahren vorgegangen, Sahli sprach vom «Ablüeme».

Verschiedene Kulturen – auch, um einen interessanten Job zu haben

Die Bewertung einzelner Biodiversitäts-Massnahmen wurde dadurch erschwert, dass man für den Ländervergleich das Schweizer Direktzahlungssystem wegdenken muss. Gleichzeitig fördert ebendies das freiere Denken über finanzielle Anreize hinaus. Für alle Teilnehmenden des Workshops steht die Sinnhaftigkeit der Biodiversitätsförderung ausser Frage. Dazu trägt nicht zuletzt eine diverse Fruchtfolge bei. «Ich mag 2-ha-Schläge», bemerkte Ruedi Bühler, als es um den Erhalt kleiner Feldgrössen ging. Die Strukturen in der Schweiz relativieren diese Massnahme sowieso.

«Wichtig ist einfach, verschiedene Kulturen zu haben», fuhr der Berner fort. Er setze das auch um, weil damit die Arbeit besser gestaffelt anfällt und die Diversifizierung eine Risikoverteilung bedeutet. «Aber in erster Linie will ich einfach einen interessanten Job haben», so Bühler. Für ihn ist klar, dass man als Bauer von seiner Produktion leben will – «das schliesst aber die ganze Ökologie nicht aus.»

Während das Projekt nach Abschluss dieses zweiten Workshops einen Schritt weiter ist, konnten die beteiligten Landwirte für sie relevante Praxisfragen besprechen – und der Austausch geht weiter.

Das Projekt FarmBioNet

Als «praxisorientiertes Netzwerk für Biodiversität und Landwirtschaft» konzentriert sich das Projekt FarmBioNet auf die Förderung landwirtschaftlicher Massnahmen zur Unterstützung der Biodiversität in ganz Europa. Ziel ist ein besserer Wissensaustausch unter den verschiedenen Akteuren und Interessensgruppen, wobei 12 nationale Netzwerke das Kernstück bilden. Durch den nationalen und internationalen Austausch sollen bis Ende 2027 zwei nutzungsfreundliche Werkzeuge entstehen: Eine Onlineplattform, um passende Fördermöglichkeiten zu finden, sowie ein Werkzeug zur Kosten-Nutzen-Analyse von biodiversitätsfördernden Massnahmen. Diese werden weiter gefasst als in der Schweiz und schliessen auch Ressourcenschutzmassnahmen (etwa Humusaufbau) oder Anpassungen an den Klimawandel (Keyline-Design) mit ein.

Interessierte Landwirt(innen) können gerne noch dem Schweizer Netzwerk beitreten, um sich an den Diskussionen und Betriebsbesuchen zu beteiligen. Es sind noch zwei Workshops geplant.

Kontakt: corinne.zurbruegg(at)agridea.ch