Eine Fläche je nach kleinräumigem Ertragspotenzial in Managementzonen einzuteilen und entsprechend zu düngen, lässt sich heutzutage mit moderner Technik realisieren und hat mehrere Vorteile. Einerseits wird damit eine Überdüngung an ertragsschwachen Stellen – z. B. auf Kiesadern – verhindert, was umweltbelastende Verluste reduziert und Dünger einspart. Andererseits kommt es nicht zu einer Unterversorgung in ertragsstarken Bereichen, die auf diese Weise ihr volles Potenzial entfalten können.

Durchschnittlich 0,6 dt/ha Mehrertrag beim Weizen

Im Projekt Smart-N der Dezentralen Versuchsstation Smarte Technologien haben insgesamt acht Praxisbetriebe während vier Jahren (2021 – 2025) 40 Parzellen teilflächenspezifisch gedüngt und konnten in den drei bisher fertig analysierten Jahre 2021 – 2024 Mehrerträge von durchschnittlich 0,6 dt/ha Winterweizen realisieren. Gleichzeitig verzeichnete man durchschnittliche Einsparungen beim N-Dünger von 8 kg/ha. Lohnt sich der Aufwand?

Von Hand geregelt, nachgerüstet oder voll automatisiert

Abo Tobias Daepp arbeitet auf dem elterlichen gemischten Betrieb mit. Sein Vater sei auch sehr motiviert für die teilflächenspezifische Düngung. Düngung Teilflächenspezifische Düngung leicht gemacht: «Das ist wie bei Google Maps» Wednesday, 14. May 2025 Ja, sagen die Projektverantwortlichen von Seiten Agridea. Durch den Mehrertrag und den eingesparten Dünger rechnen sie mit einem Gesamtvorteil von rund 50 Franken/ha bei teilflächenspezifischer Düngung. Dem stehen je nach technischer Umsetzung unterschiedlich hohe Kosten gegenüber. Untenstehend eine Übersicht mit Rechenbeispielen.

Einfache Technik: Zwei Betriebe arbeiteten bei Smart-N mit einem Düngerstreuer mit eigenem Terminal und Signalsteckdose, welche die Geschwindigkeit des Traktors aufnimmt. Die Ausbringmenge lässt sich via Terminal in 10%-Schritten anpassen, um den Empfehlungen einer Applikationskarte auf dem Smartphone (via App) zu folgen. Man kann sich von der App auch per Sprachausgabe akustisch führen lassen. Für diese Art der Umsetzung brauche es eine gewisse Einarbeitung und allenfalls Korrekturen an der Applikationskarte, schreibt Agridea. Da es verschiedene Anbieter für solche Karten gibt und die Preise zwischen kostenlos und etwa 10 Franken/ha variieren, seien die Kosten im Fall dieser technisch einfachen Umsetzung gering bis nicht vorhanden. Falls ein Streuer ohne Terminal zum Einsatz kommen soll, lasse sich die Ausbringmenge auch via Fahrgeschwindigkeit anpassen.

Nachrüsten: Ein anderer Smart-N-Betrieb nutzte einen älteren Zweischeibendüngerstreuer an einem Traktor ohne Isobus und Lenksystem. Der Streuer verfügt über keine elektronische Regelmöglichkeit für die Ausbringmenge. Die teilflächenspezifische Düngung wurde durch das Nachrüsten mit einem Kit der Tellnet AG ermöglicht. Diese Schweizer Firma bietet Linearmotoren für die Schieber des Streuers an, auf dem eine Steuerbox installiert wird. Die Maschine ist so unabhängig vom Traktor für teilflächenspezifisches Arbeiten nachgerüstet, der Traktor liefert lediglich die Stromzufuhr für die Linearmotoren. Die Steuerung erfolgt via Tablet, auf dem die Applikationskarte hinterlegt ist. Alles in allem beziffert Agridea die Kosten für die Nachrüst-Lösung mit 3000 Franken (inklusive einem Tag Arbeit für den Einbau). Man ging von 50 ha Einsatzfläche pro Jahr auf dem Betrieb und 10 Jahren verbleibender Nutzungsdauer des Streuers aus, was bei drei Düngergaben im Winterweizen mit zusätzlichen Kosten von rund 33 Franken/ha zu Buche schlägt. Damit bleibe ein finanzieller Zusatznutzen (maximal 17 Franken/ha) der teilflächenspezifischen Düngung. Eventuelle Kosten für die Applikationskarten müssen hier noch in Abzug gebracht werden.  

High Tech: Bei dieser Variante war ein Traktor mit Lenksystem und Isobus ab Werk im Einsatz. Der ebenfalls mit Isobus ausgerüstete Streuer lässt sich via Traktorterminal steuern und verfügt ausserdem über eine freigeschaltete Funktion für Section Control zur Vermeidung von Überlappungen sowie eine moderne Randstreueinrichtung. Hinzukommt eine Wiegefunktion, die genaueres Arbeiten ermöglicht. Als nachteilig erwähnt Agridea das Gewicht des High-Tech-Streuers, der je nachdem einen stärkeren Traktor als Zugfahrzeug braucht. Alternativ liesse er sich mit einem Traktor ohne Isobus und Lenksystem nutzen, wenn direkt am Terminal eine GPS-Antenne installiert ist.

Weiterer Zusatznutzen ist zu berücksichtigen

Abo Video Christoph Schori hat Landmaschinenmechaniker und Landwirt gelernt. Er hat eine Affinität für Technik und Ackerbau – gute Voraussetzung für teilflächenspezifisches Arbeiten. Landtechnik Teilflächenspezifisch säen und düngen, um das Potenzial voll auszunutzen Friday, 21. July 2023 Die technischen Finessen des High-Tech-Traktors sind verschiedentlich nutzbar, und daher wurde in der Wirtschaftlichkeitsrechnung für das Lenksystem die gesamte jährliche Betriebszeit des Traktors berücksichtigt. Auf die Hektare Weizen heruntergebrochen resultieren für das Lenksystem Mehrkosten von rund 7,60 Franken/ha, für den Düngerstreuer mit Isobus sind es gemäss Agridea 14,40 Franken/ha (jeweils bei drei Düngergaben). Das ergibt Gesamtkosten von rund 22 Franken/ha teilflächenspezifisch gedüngtem Weizen.

Dieses Ergebnis sei allerdings zu relativieren, angesichts weiterer Zusatznutzen durch die technischen Systeme. So wären etwa Mehrerträge in Randbereichen möglich, sowie eine Düngereinsparung durch vermiedene Überlappung. Der Ertragseffekt in Randbereichen sei zwar vorhanden, in der Praxis aber schwer zu beziffern. Im positivsten Fall kommt Agridea total auf geschätzt rund 60 Franken/ha monetären Zusatznutzen durch diese positiven Nebeneffekte. Es könne zumindest davon ausgegangen werden, dass die Vorteile die Mehrkosten für die Technik aufwiegen und damit keine «echten» Mehrkosten für die teilflächenspezifische Ausbringungen mehr vorlägen, so das Fazit für die High-Tech-Lösung.

Passt zu Absenkpfad, Umweltschutz und Beitragsförderung

Für eine möglichst bedarfsgerechte Düngung sprechen nicht zuletzt der Umweltschutz und politische Aspekte. So führt Agridea an, dass in der Schweizer Landwirtschaft nach wie vor ein Bilanzüberschuss bei Stickstoff und Phosphor besteht, den es im Rahmen des beschlossenen Absenkpfads bis 2030 um 15 Prozent bzw. 20 Prozent zu senken gilt. Ausserdem wurde im Zuge dieser Bemühungen mittlerweile der 10-Prozent-Fehlerbereich der Suisse-Bilanz für die Einzelbetriebe gestrichen. Einen Anreiz zum Verhindern von Nährstoffverlusten setzt der Produktionssystembeitrag «für effizienten Einsatz von Stickstoff im Ackerbau», der eine 90-Prozent-Suisse-Bilanz mit 100 Franken/ha belohnt. Die teilflächenspezifische Düngung kann somit ein Weg sein, in diesem Umfeld Nährstoffe möglichst effizient für die Produktion einzusetzen.

Fachtagung: Ergebnisse und Praxisempfehlungen

Am 4. Dezember 2025 findet in Tänikon TG eine Fachtagung zum Thema teilflächenspezifische Düngung statt. Unter anderem werden die Ergebnisse des Projekts Smart-N präsentiert, es gibt Empfehlungen für die Praxis und die Möglichkeit zum Austausch mit Anbietern von Applikationskarten.

Mehr Infos zur Tagung


 «In vielen Fällen ist die High-Tech-Ausstattung schon vorhanden»

Benedikt Kramer, Agridea, spricht im Interview über Potenzial von und Aufwand für teilflächenspezifisches Düngen. 

Würden Sie ausgehend von diesen Ergebnissen jedem Betrieb raten, sich mit teilflächenspezifischer Düngung auseinanderzusetzen?

Über die kostenlosen Tools wie TerraZo und Smartphone-Apps ist es möglich, dass sich jeder Betrieb niederschwellig und ohne grossen Aufwand mit der Technik auseinandersetzen kann. Man kann z.B. eine Karte erstellen und auf das Smartphone laden und ohne zu variieren, schon einmal beobachten, welche Menge die App wo empfiehlt. Die Technik wird weiter voranschreiten und die Erfahrungen können beim nächsten Investitionsentscheid bei der eigenen Technik hilfreich sein.[IMG 2]

Wer sollte sich konkret damit befassen?

Wer bereits eine Ertragskarte vom Lohnunternehmen bekommt, sieht, wie gross Unterschiede im Feld sein können. Je grösser die Unterschiede, desto eher lohnt es sich, flexibel auf diese zu reagieren. In vielen Fällen ist die High-Tech-Ausstattung auch schon vorhanden, wird aber nicht für die teilflächenspezifische Düngung genutzt. Hier bietet es sich an, das volle Potenzial zu nutzen.

Die direkten Kosten fürs Erstellen der Applikationskarten sind tief. Wie steht es mit dem zeitlichen Aufwand und dem Beschaffen der dafür nötigen Daten?

Die Erstellung von Applikationskarten kann auf verschiedenen Grundlagen basieren. Meistens basieren sie auf Satellitendaten, die kostenlos zur Verfügung stehen. Mit TerraZo lassen diese sich anwenderfreundlich auf einfache Art und Weise in eine Applikationskarte umsetzen. Der grösste Aufwand ist der Initialaufwand für das Einzeichnen der Parzellen auf dem Satellitenbild. Danach ist die Erstellung mit wenigen Klicks erledigt. Für drei Düngegaben dürfte mit erstmaligem Einzeichnen ein Aufwand von etwa 30 Minuten je Parzelle realistisch sein.

Denken Sie, in der Schweiz wird künftig im Ackerbau nur noch teilflächenspezifisch gedüngt?

Die teilflächenspezifische Düngung ist ein Teilaspekt bei der Düngung und die Anwendung wird mit Sicherheit mit zunehmender Verfügbarkeit der Technik weiter steigen. In Nordamerika, wo Betriebe grösser und spezialisierter sind und die Technik breiter zur Verfügung steht, gehört sie oftmals zum Standard.