Aaron Milz aus Amlikon-Bissegg TG vertritt die Mäster in der Fachkommission Markt und ist Mitglied der Ostschweizer Suisseporcs-Sektion. Er war dabei, als an der ausserordentlichen Sitzung vom 30. Dezember 2025, der Preis ab dem 1. Januar auf 3.30 Franken/kg SG für QM-Schlachtschweine gesenkt wurde. Ein Desaster sei es für Schweinefleischproduzenten, die 2025 ihre Produktion nicht ausgedehnt haben und nun Mühe haben, ihre Schweine am Markt zu platzieren.

Die Suisseporcs hält seit Jahresbeginn in den Marktberichten fest, dass die Produktion deutlich zu hoch ausgefallen sei und Belegungen und Bestände dringend, um mindestens 5% zu reduzieren seien. Erste Stimmen, die aufforderten, die Belegungen zu reduzieren, wurden aber bereits im Herbst 2025 laut und verhallten ungehört. Herr Milz, was nützen solche Appelle überhaupt?

Aaron Milz: Der Appell zur Reduktion kommt von der Fachkommission Markt über die Suisseporcs. Es ist das aktuelle Resultat der ständigen Marktbeurteilung. Eine direkte Wirkung auf die Produktion kann leider nicht erwartet werden, da es den Akteuren in der gesamten Wertschöpfungskette frei bleibt, wie sie sich verhalten sollen. Viele Akteure in der Wertschöpfungskette agieren umsatzorientiert und wollen Marktanteile gewinnen. Also, wenn jemand reduziert, expandiert dafür ein anderer. Dies ist nicht förderlich bei einem stagnierenden Schweinefleischabsatz. 

Um wie viel hat sich die Produktion im 2025 erhöht?

Die Schlachtungen waren mit rund 15 000 Schweinen nur 0.6 Prozent höher als im Vorjahr. Im ersten Halbjahr wurden etwa gleich viele Schweine geschlachtet, dafür aber mehr importiert. Im zweiten Halbjahr hat sich das Angebot erhöht und es wurden wöchentlich knapp 600 Schweine mehr geschlachtet. Dabei stiegen die Schlachtgewichte und gegen Ende des Jahres begann es sich, bei den schlachtreifen Schweinen zu stauen.

Ist ein derartiger Preisfall wie zum jetzigen Zeitpunkt gerechtfertigt?

Die Preise hätten bereits im Herbst, durch das gegebene Angebot, weiter sinken können. Jedoch hatten die Abnehmer, um Lagerentwertungen zu verhindern, die Preise belassen. Der nun heftige Abschlag soll helfen, die Probleme des Handels zu lösen, das heisst, Überhänge abzubauen und für Schlachthöfe überschüssiges Fleisch günstig einzulagern. Gerechtfertigt? Für die Abnehmer, die noch Lagerkapazitäten haben, kann es durchaus lukrativ sein. Handelsorganisationen, bei denen täglich zornige Schweinehalter anrufen und auffordern, ihre Schweine endlich abzuholen, können aufatmen. Resultat: Produzenten, die keine Mehrmengen produziert haben, finanzieren die Entwertung mit. So sieht es leider aus.

Ist der Zuchtfortschritt an der Mehrproduktion schuld?

Das ist nur bedingt richtig. Ein Züchter ist in der Produktion mit seiner Gebäudekapazität eingeschränkt. Durch den Zuchtfortschritt kann mit weniger Moren gleich viele Jager produziert werden. Meistens ist dann die Kapazität im Jagerstall erschöpft. Durch die höheren Zunahmen kann etwas mehr umgesetzt werden. Bei der arbeitsteiligen Ferkelproduktion (AFP-Ring) ist man etwas flexibler, dort kann mit zusätzlichen Jagerställen sehr wohl mehr produziert werden. Die AFP-Ringe sind meist über den Handel koordiniert und machen circa ein Drittel der Jagerproduktion aus. Die Anzahl Moren die in der Schweiz gehalten werden, ist aber insgesamt rückläufig.

Also liegt es an den zur Verfügung stehenden Mastplätzen?

Fakt ist, dass es ausreichend Mastplätze hat. Die Nachfrage nach 25 kg schweren Jagern ist immer «gut», obwohl nach 15 Wochen bei der Schlachtreife der Absatz nicht mehr gewährleistet ist. Respektive staut der Jagerabsatz erst, wenn die Schlachtschweine stauen. Ich will keine Schuldzuweisung machen, aber es zeichnet sich ab, dass es immer weniger eigenständige Züchter gibt. Dafür steigt das Volumen von Jagern aus AFP-Ringe. Das ist das Ergebnis des Strukturwandels und der Spezialisierung, was ich nicht schlecht reden will. Nur steht die Frage zur Diskussion, wie eigenständig die Schweinehalter im Handeln und Denken überhaupt noch sind. Man geht immer davon aus, dass die Schweinehalter die Produktion selbst im Griff haben. Das bezweifle ich.

Was läuft seitens des Handels falsch?

Grundsätzlich macht der Handel nichts falsch. Wir sind in einem freien Markt und es ist auch legitim, wenn Handelsfirmen ihre Volumen ausdehnen, jedoch nur solange der Absatz gewährleistet werden kann. Bis anhin war es seitens der Produzenten - vor allem seitens der unabhängigen Schweinehalter – auch immer erwünscht, die Wahl zwischen verschiedenen Absatzkanälen zu haben. Aber immer mehr wird die Vermarktung kanalisiert und gesteuert. Der Unmut der Ostschweizer Schweineproduzenten ist gross und man verliert das Vertrauen in die Händler. Das ist frustrierend für jene Produzenten, die ihre Produktion nicht ausgedehnt haben und deren Schweine gleichwohl nicht abgeholt werden. Meine Kollegen fragen sich, wer bevorzugt wird oder ob neue Kunden von anderen Firmen abgejagt werden. Grundsätzlich ist jeder Schweinehalter mit einem unternehmerischen Risiko unterwegs. So obliegt es jedem selbst, seine Mengen mit seinem Vermarkter abzumachen.

Was versprechen Sie sich, vom neuen Jagermodell, das die Suisseporcs lanciert hat, um die Mengen in den Griff zu bekommen?

Abo Schweinemarkt Schweinemarkt unter Druck: Preisrückgänge und Diskussionen über Produktionssteuerung Thursday, 15. January 2026 Das Jagermodell ist nicht dazu da, die Mengen direkt zu steuern, sondern den Marktpreis für Jager festzulegen. Was über den Schlachtschweinepreis in die Branche gelangt, soll fair aufgeteilt werden. Dabei spielen Angebot und Nachfrage sowie die festgelegte Zielmenge eine Rolle. Weiter können Rückschlüsse für den Schlachtschweinemarkt in 15 Wochen gemacht werden. Aber nur, sofern die Meldungen der gehandelten Jager korrekt gemacht wurden. Herausfordernd bleibt die Saisonalität der Produktion. Im Herbst und Winter haben wir eher zu viele Schweine. Im Frühling bis zu den Sommerferien zu wenig. Das wird aber bereits mit dem Morenbarometer signalisiert. Man muss sich bewusst sein, dass es ab Belegung rund 40 Wochen dauert, bis ein Schwein geschlachtet wird. Also muss man Belegungen zum Zeitpunkt reduzieren, wenn der Absatz gut ist. Aber das ist wohl schwer umzusetzen. Offensichtlich wird erst reagiert, wenn sich die Schweine stauen. Da spielt der Preis leider eine untergeordnete Rolle.

Ist Vertragsproduktion wie bei Geflügel weiterhin ein rotes Tuch für die Schweineproduktion?

Die Schweineproduktion lässt sich nicht so exakt takten, wie das bei Eiern oder der Pouletproduktion möglich ist. Integrierte Produktion gibt den Vermarktern und Abnehmern eine Monopolstellung, man ist nicht mehr selbst Herr der Lage und wird von oben gesteuert. Zu den Verlierern würden auch unzählige kleinere Schlachthöfe und Handelsorganisationen zählen, die sehr wertvoll sind.

Wird in der Branche auch über Export diskutiert?

Ja, das wird diskutiert. Ich finde Exporte von Übermengen keine gute Lösung – und es ist ungerecht. Für die einen, die zu viel produziert haben, ist es wie ein Blankocheck und sie kommen mit einem blauen Auge davon. Die anderen, Gemässigten, müssen neben den tiefen Preisen auch noch die Preisabzüge verkraften, die zur Finanzierung des Exports herhalten müssen. Dabei zahlt nur der Produzent, der Handel nicht.

Wie läuft es im Schweinemarkt weiter?

Den Tiefpunkt mit über 53 000 Schlachtungen in der Woche 2 haben wir wohl erreicht. Laut dem Handel werden momentan die angemeldeten Posten noch circa drei bis vier Tage verzögert abgeholt. Der Konsum steigt im Frühling und im Sommer an. Das Angebot nimmt saisonal ab, sodass auch das jetzt eingelagerte Schweinefleisch vermarktet werden kann. Ob es Importe brauchen wird, wird sich zeigen. Die Frage bleibt: Wie entwickelt sich der Markt nach dem Sommer weiter, wenn der Konsum rückläufig ist und das Angebot saisonal wieder steigt? Wenn jene, die bisher zu viel produziert haben, ihre Produktion nicht jetzt unmittelbar drosseln, sind wir im Herbst 2026 gleich weit wie im Vorjahr oder laufen in ein noch grösseres Fiasko hinein.