Es war Mitte Juli 2012, als Andreas Niederberger an der Diplomfeier in Hergiswil sein Landwirtschaftliches Fähigkeitszeugnis entgegennehmen konnte. Kurz vor der Übergabe bekam er von seinem Nachbarn einen Anruf, eines seiner Rinder habe auf der Weide unverhofft gekalbt. Seine Diplomfeier wollte Andreas Niederberger natürlich nicht verpassen, so bat er den Nachbarn um Hilfe. Dieser legte das sehr leichte Kalb auf die Heckschaufel seines Terratracs und hoffte, dass ihm so das Rind zum Stall folgen würde. Doch dieses lief stattdessen Richtung Wald, wo der besagte Nachbar in einem Tobel noch ein weiteres, etwas kräftigeres Kalb fand. Die beiden weiblichen Zwillingskälber aus dem Stier Blooming entwickelten sich sehr unterschiedlich. Während das leichte Tier später abging, entwickelte sich das zweite prächtig.

120 000 Kilogramm Milch mit hohen Gehalten

Fast 14 Jahre später steht Bambi, so der Name des damaligen Kalbes, immer noch im Stall des Zuchtbetriebes Stöckmatt hoch über Buochs NW. Bambi produzierte, obwohl sie zeitlebens ein Dreistrich ist, mittlerweile bald 120 000 Kilogramm Milch mit hohen Gehalten (4,17 % Fett / 3,71 % Eiweiss). Aus ihren elf Geburten gab es neun weibliche Kälber. Im Jahr 2021 konnte die Familie Niederberger von ihr eine sehr starke weibliche Zuchtfamilie mit 90 Punkten präsentieren.

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Hessa und Hanna sind starke Vollschwestern

Bambi ist eine dominante Vererberin, ihre Nachkommen machen mittlerweile fast 50 Prozent des Viehbestandes auf der Stöckmatt aus. Vor allem ihre beiden Töchter aus Udoro Haegar sorgten in der Vergangenheit für Aufsehen. So wurde die breite und feingliedrige Zweitmelkkuh Hessa (Jg. 2021) im letzten Herbst Miss Nidwalden, ihre vier Jahre ältere Vollschwester Hanna gelang Gleiches 2021. 

Mit Janik Joya wurde 2025 zudem eine weitere Tochter von Bambi an der Kantonalviehschau Vize-Miss. Auf die starke Kuhfamilie von Bambi wurden auch Genetikorganisationen aufmerksam. So ist Bolero, ein Amir-Sohn aus einer Brice-Tochter von Hanna, im KB-Einsatz. Ganz stark präsentiert sich momentan auch Cayenne Calimera, eine weitere Tochter von Hanna. Die exakte Jungkuh ist für die anstehende 1. Zentralschweizer Braunviehschau gemeldet (siehe Kasten).

Die Kantonalviehschau ist ein Freudentag

Die alljährliche Kantonalviehschau ist für die Familie Niederberger jeweils ein Freudentag. «Einerseits ist es interessant zu sehen, wie weit die eigene Zucht ist, anderseits ist die Viehschau aber für uns auch ein geselliger Anlass, an dem wir uns mit unseren Berufskollegen wieder einmal austauschen können», erklärt Andreas Niederberger. Die Teilnahme an ausserkantonalen Schauen sei hingegen wegen des enormen Aufwandes schon eher die Ausnahme. «Wir können uns an unseren Kühen auch bei der täglichen Arbeit im Stall freuen, dafür müssen wir nicht an Ausstellungen gehen», so der 33-jährige Landwirt.

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Neuer Laufstall wegen Vorschriften

Freude macht den Niederbergers nicht nur ihr Vieh, auch der dreijährige Laufstall gefällt mit viel Licht, Luft und Kuhkomfort. Die Familie Niederberger baute zwar einen Laufstall, Betriebsleiter Andreas Niederberger ist aber nach wie vor von den Vorzügen eines optimierten Anbindestalles überzeugt: «An unserem alten Anbindestall mit Strohbett hatte es zumindest die rangniedrigeren Tiere sicher nicht schlechter.» Der neue Laufstall wurde hauptsächlich darum erstellt, um den Anforderungen des Grünen Teppichs nachkommen zu können. «Wir haben zu wenige geeignete Weideflächen in Hofnähe, um die RAUS-Richtlinien erfüllen zu können.»

Betrieb mit zwei Standorten

Andreas und seine Frau Maya Niederberger konnten den 20 Hektar grossen Landwirtschaftsbetrieb im Jahr 2021 von Andreas Eltern Lisbeth und Noldi Niederberger übernehmen. Neben der Stöckmatt, welche auf gut 700 m ü. M. nordseitig unterhalb des Buochserhorns liegt, gehört auch das 35 Autominuten entfernte Heimet Oberschwändli im Wiesenberg zum Betrieb. Auf diesem auf 1100 m ü. M. liegenden Bergbetrieb ist Vater Noldi aufgewachsen. Lisbeth und Noldi Niederberger wohnen nun dort und betreuen gegen 20 Jungtiere.

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Leistungssicherheit dank Zuchtarbeit

Schon Noldi Niederberger züchtete stark auf Milchleistung. Von dieser Leistungssicherheit kann die jüngere Generation heute noch profitieren, der Stalldurchschnitt liegt bei rund 9000 kg Milch. «Rinder, die zu wenig Milch geben, haben wir selten. Unser Braunvieh überzeugt aber nicht nur mit hohen Leistungen, sondern auch mit guten Gehalten und Fitnesseigenschaften», so der überzeugte Braunviehzüchter.

Ein grosser Teil der Zuchttiere wird gesext besamt. «In letzter Zeit setzen wir wieder vermehrt auf ausgewertete Stiere wie Brice, Haegar oder Amir, da hochgehandelte Jungstiere in der Vergangenheit nicht immer überzeugten», erklärt Andreas Niederberger. Als wichtigste Selektionsmerkmale erwähnt er das Euter, die Gehalte und die Milchleistung. Kühe müssten zudem fressen können, sonst gäben sie keine Milch. Die Niederbergers sind gerne im Stall und betreuen ihr Vieh intensiv. «Von nichts kommt nichts. Nur so nebenbei kann man keine Hochleistungskühe erfolgreich halten», betont der begeisterte Viehzüchter.

Die Bäuerin ist auch noch Langlauflehrerin und Malerin

Andreas Niederberger arbeitet im Winter zwischendurch in einem Zimmereibetrieb, profitiert da aber von flexiblen Arbeitszeiten. Bäuerin Maya Niederberger, die bis zum 25. Lebensjahr Langlauf als Leistungssport betrieb, ist über die Wintermonate als Langlauflehrerin tätig und arbeitet zudem einen Tag pro Woche in ihrem gelernten Beruf als Malerin. 

Der Familie Niederberger ist es aber auch wichtig, mit ihren beiden Mädchen Mona und Aline genügend Zeit zu verbringen. Das kann bei den Niederbergers aber durchaus auch im Stall bei den Kühen sein.

Erste Zentralschweizer Braunviehschau steht an

Am 7. Februar findet auf dem Stierenmarkt-Areal in Zug die erste Zentralschweizer Braunviehschau statt. Gemeldet sind über 200 Braunviehtiere, die Hälfte davon sind Erstmelk-Kühe. Als Richter stehen Roman Schirmer und Enrico Bachmann im Einsatz, sie werden rund 16 Abteilungen mit hochklassigen Braunviehtieren richten können. Der Anlass startet um 16 Uhr.

Veranstalter des Anlasses ist Vieh aus der Zentralschweiz. «Wir möchten mit einem einfachen Schaukonzept ohne Vorschau einer breiten Züchterschaft eine Plattform bieten, damit diese den Stand ihrer Zucht präsentieren können. Ein weiteres Ziel ist es, die Freude an der Viehzucht fördern», erklärt OK-Präsident Dominik Durrer. Bei der 1. Zentralschweizer Braunviehschau wird die gleiche Infrastruktur genutzt, wie bei der eine Woche vorher stattfindenden Sorexpo.