Ein Jahr nach dem Start des nationalen Programms zur Bekämpfung der Moderhinke zogen Marco Gut und Christoph Bernasconi vom Veterinäramt der Urkantone eine durchzogene Bilanz.

Zu früher Testbeginn für Alpen?

Der Anteil der von der Klauenkrankheit betroffenen Betriebe konnte während der ersten Untersuchungsperiode im vergangenen Winter von 20 auf 10 Prozent reduziert werden. 75 Prozent der sanierten Betriebe seien nach der ersten Nachuntersuchung negativ gewesen. Allerdings habe es vergangenen Sommer mehrere grosse Alpen gegeben, auf denen Moderhinke aufgetreten sei und die Tiere darum zur Sanierung auf die Heimbetriebe zurückgeschickt werden mussten.

Einzelne Betriebe hätten mit der Sanierung massive Probleme gehabt. «In der ersten Untersuchungsperiode setzten wir auf die Eigenverantwortung und setzten keine Fristen. Da wir immer noch gesperrte Betriebe aus der ersten Periode haben, werden wir nun die Schrauben anziehen», so Christoph Bernasconi. Neu gelte, dass nach positiven Proberesultaten eine Sanierung innert 10 Wochen erfolgen müsse. Gäbe es auch bei der zweiten Beprobung noch positive Resultate, werde eine externe Unterstützung durch einen Tierarzt oder Berater verfügt.

Bauern tragen Selbstverantwortung

Dass es bei der Moderhinke-Sanierung einzelne schwarze Schafe gibt, ärgert auch die Landwirte selber. Einige wenige würden die Anstrengungen von vielen zunichtemachen, so ein unzufriedener Schäfer. Er äusserte sich zudem kritisch gegenüber der Beprobung: «Die Probenehmer wissen gar nicht, ob sich alle Tiere der entsprechenden Schafhaltung am Ort der Beprobung aufhalten.» 

Auch der bereits im Oktober erfolgte Start in die zweite Untersuchungsperiode wurde infrage gestellt. «Wir Schafbauern wissen, dass ein negatives Proberesultat im Vorwinter noch nicht heisst, dass bei der Alpauffahrt das Moderhinke-Bakterium dennoch zirkulieren kann», so Kurt Jauch, Präsident des Urner Kleinviehzuchtverbands.

«Wir sind uns diesen Herausforderungen bewusst und diskutieren dies auch in unseren Arbeitsgruppen», betonte Marco Gut. Je nach Erfahrungen und Verlauf der zweiten Untersuchungsperiode könne es durchaus sein, dass erneut Verschärfungen verfügt würden. Gut appellierte auch an die Selbstverantwortung der Schafbauern: «Alle müssen bei der Moderhinke-Sanierung mitmachen, insbesondere auf die Biosicherheit muss ein grosses Augenmerk gelegt werden. Die Bedeutung der Reinigung und Desinfektion von Viehanhängern, Werkzeugen oder Schuhwerk wird immer noch vielfach unterschätzt.»

«Alle müssen bei der Sanierung mitmachen.»

Marco Gut vom Veterinäramt der Urkantone.

Impfung als Schutzmassnahme bei der Blauzungenkrankheit

Nicht nur die Moderhinke forderte in den letzten Monaten Tierhalter und Veterinäramt, auch die Blauzungenkrankheit beschäftigte. «Nachdem wir in den Urkantonen 2024 mit einem blauen Auge davongekommen waren, erwischte es uns heuer deftig. Wir hatten Wochen mit über 40 Seuchenfällen in unserer Region», erklärte Marco Gut. Jetzt würden die Anzahl Fälle wieder langsam zurückgehen, man müsse aber damit rechnen, dass es im Herbst 2026 wieder zu einem erneuten Anstieg der BTV-Fälle kommen werde.

Es hätten sich in den Ställen teils ganz unschöne Bilder gezeigt. In den Urkantonen sei hauptsächlich der Serotyp 3 vorherrschend gewesen, im Kanton Schwyz tauchte nun auch der Serotyp 8 auf. Dieser habe sich von der Westschweiz und vom Tessin her ausgebreitet. «Wir gehen davon aus, dass der Serotyp 8 im kommenden Jahr bei uns gehäuft auftreten wird», so der Kantonstierarzt. Es sei nach wie vor so, dass es bei positiven Blauzungen-Proberesultaten keine Sperrmassnahmen gebe, der Tierverkehr werde dadurch nicht eingeschränkt. Verstorbene oder eingeschläferte Tiere würden auch weiterhin entschädigt.

«Wir empfehlen den Tierhaltern, im Januar bis März 2026 gegen BTV-3 und BTV-4/8 zu impfen», appellierte Marco Gut. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass eine Impfung zwar nicht die Infektion verhindere, aber den Krankheitsverlauf deutlich mindere. Es sei sinnvoll, den Impfschutz von bereits geimpften Tieren aufzufrischen. Auch Betrieben, die von Blauzunge betroffen waren, empfiehlt Marco Gut, zu impfen. «Die Daten zeigen, dass in betroffenen Beständen nur rund 30 Prozent der Tiere Antikörper gegen BTV aufweisen.»

Gute Neuigkeiten bei BVD

Erfreulich sehe es bei der Tierseuche BVD aus, es habe im bisherigen Jahr in der Schweiz noch keinen einzigen Fall gegeben. In den Urkantonen würden 98 Prozent der Betriebe den Status grün aufweisen. «Es ist nun enorm wichtig, dass nur noch Tiere aus Betrieben mit dem BVD-Status grün zugekauft werden», so Christoph Bernasconi. Betriebe, die den BVD-Status grün aufweisen, würden bei einem Kauf eines Tieres aus einem nicht grünen Betrieb zwar noch bis Ende Oktober 2026 grün bleiben. Ihr Tierverkehr wird aber ab dem 1.11.2026, wenn die verschärften Vorschriften in Kraft treten, vollständig gesperrt. Der Fall auf der Urner Alp Fiseten, wo Anfang September nach einem Abort mit positivem Testresultat über 500 Tiere beprobt werden mussten, habe sich glücklicherweise als Border-Disease-Fall und nicht als BVD herausgestellt.

Am Anlass in Erstfeld UR wurde nicht nur über die finanzielle Situation und die Seuchenlage informiert. Regierungsrat Urban Camenzind gab Einblick in den agrarpolitischen Fahrplan, den Stand der Revision der kantonalen Landwirtschaftsgesetzgebung sowie in den kantonalen Nachtragskredit zur Abgeltung von Herdenschutzmassnahmen. Der Bauernverband Uri mit Präsident Max Müller ergänzte den Beitrag mit Neuigkeiten aus dem Verbandswesen und stellte den aktuellen Stand der Bildungsreform für den Beruf Landwirt EFZ vor.

Leicht bessere Zahlen, aber immer noch tiefe Einkommen in Uri
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Matthias Zgraggen, Agro-Treuhand Uri, Nid- und Obwalden GmbH, stellte Auswertungen zur finanziellen Lage der Urner Landschaft vor. Diese zeigen ein ähnliches Bild wie in den Vorjahren: Die Einkommen der Bauernfamilien bleiben tief. Zwar stieg das landwirtschaftliche Einkommen 2024 gegenüber dem Vorjahr um 2.7 Prozent beziehungsweise 1158 Franken auf durchschnittlich 43'530 Franken, doch liegt es weiterhin deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt der Bergbetriebe von 61'735 Franken.

Urner Haushalte sind sparsam
Grundlage der Analyse sind Daten von 103 Betrieben, rund 20 Prozent aller Urner Landwirtschaftsbetriebe. Im Kanton zeigt sich eine klare Einkommensdifferenz zwischen Talboden und Bergregion; Talbetriebe erzielen deutlich höhere Einkommen. Zudem bestehen grosse Unterschiede zwischen den wirtschaftlich schwächsten und erfolgreichsten Betrieben, wobei auch gut wirtschaftende kleinere Betriebe unter 10 Hektaren höhere Einkommen erreichen können als grössere.

Die Ursachen sind gemäss Mathias Zgraggen vielfältig. Die Preise für Milch, Nutz- und Schlachtvieh blieben stabil. Höhere Erträge resultieren vor allem aus gesteigerter Produktion, meist durch Betriebsvergrösserung oder aus Direktvermarktung. Die Direktzahlungen nahmen leicht zu. Gleichzeitig stiegen die Infrastrukturkosten deutlich, insbesondere für Maschinen und Gebäude; Abschreibungen machen einen grossen Teil aus. 

Ein konsequentes Kostenmanagement bleibt gemäss Mathias Zgraggen zentral. Insgesamt erhöhten sich die Strukturkosten aufgrund von Teuerung und wachsenden Betriebsgrössen; sie betragen im Durchschnitt über 101 800 Franken. Kleinere Betriebe weisen höhere Kosten pro Hektare auf, während der Grösseneffekt bei zunehmender Fläche abnimmt, etwa wenn neue Investitionen nötig werden.

Strukturkosten von über 100'000 Franken
Das Nebeneinkommen liegt leicht über dem Vorjahr und beträgt 24'600 Franken. Das durchschnittliche Gesamteinkommen stieg von 66'860 Franken (2023) auf 68'099 Franken (2024). Zum Vergleich: In der Schweizer Bergregion beträgt es 94'987 Franken. Trotz leicht höherem Privatverbrauch resultiert eine Eigenkapitalbildung von 10 200 Franken.