Das Alpgebiet in der Schweiz wird von mehr als 7000 Alpbetrieben bewirtschaftet, auf denen rund 300 000 Normalstösse gesömmert werden. Auf diesen Alpbetrieben arbeiten rund 17 000 Älplerinnen und Älpler.

Ungleichgewicht: Zu viele Stellen sind noch frei

Gegenwärtig sind auf dem Stellenportal von Zalp 114 freie Stellen ausgeschrieben. Laut Giorgio Hösli von Zalp müssten ein Drittel mehr Stellensuchende als Stellenangebote auf der Plattform sein. Im Moment sieht es darum so aus, dass heuer vielleicht nicht alle Alpstellen besetzt werden können. 

Es fehlen vor allem Fachleute, die Verantwortung übernehmen können, also Sennen. Gerade auf grossen Alpen mit vielen Tieren braucht es Fachwissen in der Tierhaltung und Können bei der Milchverarbeitung.

Ohne ausländische Mitarbeitende geht es nicht

Die Alpwirtschaft in der Schweiz ist zunehmend auf ausländische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen. Rund ein Drittel des Alppersonals stammt aus dem Ausland. Praktiker kommen vielfach aus dem Südtirol, das eine ausgeprägte Hirtenkultur hat. Aus Deutschland sind es oft Intellektuelle und Studenten mit wenig Erfahrung. Der starke Franken zieht auch Menschen aus anderen Kulturkreisen an; so kommen etwa viele Bewerbungen aus Marokko. Es ist jedoch unmöglich für solche Menschen, eine Arbeitsbewilligung zu erhalten.

Der Personalmangel hat viele Gründe

Giorgio Hösli, der selbst als Rinderhirt auf einer Alp ob Gurtnellen UR arbeitet, nennt viele Gründe, warum es immer schwieriger wird, gutes Alppersonal zu finden. Die kurze Saison erfordert berufliche Flexibilität von den Mitarbeitern in Bezug auf ihren Winterjob; darum sind es oftmals Studentinnen und Studenten, die sich auf der Alp bewerben. 

Die Abgeschiedenheit und der Mangel an Komfort schrecken viele Leute eher ab, als dass sie zum Mitmachen einladen. Lange Arbeitstage unter zum Teil widrigen Witterungsverhältnissen können die Motivation arg beeinträchtigen. Bei Personalmangel auf der Alp kommt noch der hohe Arbeitsanfall für den Einzelnen dazu.

Ein Alpverantwortlicher muss ein guter Chef sein

Ein anständiger und guter Umgang mit dem Alppersonal ist die beste Voraussetzung für langjährige Mitarbeitertreue. Der Alpverantwortliche muss zur rechten Zeit mit Rat, aber auch einmal tatkräftig zur Stelle sein, wenn es wichtig ist. Das gibt den Älplern ein Gefühl der Sicherheit und ist das beste Mittel gegen stressbedingte Ausfälle von Mitarbeitenden. Wer sich wohlfühlt, kommt im besten Fall auch in der nächsten Saison wieder auf dieselbe Alp.

Der Lohn ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, denn oft sind die Löhne recht tief. Gerade private Alpbetreiber können nicht immer die Richtlöhne bezahlen.

Die eigene Wohnung im Tal während der Alpzeit vermieten

Wenn die Mitarbeiter ihre Wohnung im Tal während der Alpsaison aber weiter- oder untervermieten können, entfallen ihnen die eigenen Mietkosten während ihrer Alpzeit. In touristisch gut erschlossenen Gegenden ist das sicher einfacher zu realisieren als in kleinen und abgelegenen Orten.

Richtlöhne und Checklisten für das Alppersonal

Im Kanton Graubünden wurden zusammen mit dem Bündner Bauernverband und dem Plantahof Lohnrichtlinien für das Alppersonal ausgearbeitet. Das Merkblatt enthält alle wichtigen Punkte bei einer Anstellung im Alpbereich. Auch Informationen über die Quellensteuer oder die obligatorischen Versicherungen. Enthalten sind wichtige Checklisten für die Alpgenossenschaften und das Alppersonal. Diese und viele weitere wichtige Informationen findet man auf dem Onlineportal von Zalp.

Forschungsprojekt der Berner Fachhochschule

Sandra Contzen von der Hochschule für AGronomie, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) analysiert in ihrem Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband (SAV) die Situation des Alppersonals mit einem spezifischen Fokus auf die wiederkehrende Alpbeschäftigung. Mit Online-Befragungen, Interviews und Workshops werden die Bedürfnisse und Ansprüche des Alppersonals erhoben. Daraus sollen Empfehlungen für die Alpverantwortlichen abgeleitet werden, damit diese ideale Rahmenbedingungen schaffen können.