Eine gut strukturierte Ration ist der Schlüssel zur Vermeidung einer subakuten Pansenazidose (Sapa). Doch wie lässt sich überprüfen, ob die Mischration tatsächlich genügend Struktur aufweist? Die Antwort darauf liefert ein einfaches Werkzeug: die sogenannte Schüttelbox.
Warum Struktur im Futter so wichtig ist
Wie die Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern in ihren Empfehlungen zur Sapa-Prävention darlegt, benötigen Kühe ausreichend strukturierte Rohfaser für eine gesunde Pansenfunktion. Mindestens 400 Gramm strukturierte Rohfaser pro 100 Kilogramm Lebendmasse sind nötig – das entspricht etwa 2,6 Kilogramm bei einer 650-Kilogramm-Kuh. Die Struktur regt zum Wiederkauen an, fördert die Speichelproduktion und stabilisiert dadurch den Pansen-pH-Wert.
Das Problem: Selbst wenn die Ration auf dem Papier genügend Rohfaser enthält, kann diese zu kurz gehäckselt sein oder beim Mischen zu stark zerkleinert werden. Genau hier setzt die Schüttelbox an.
Was ist die Schüttelbox?
Die Schüttelbox, auch Penn State Particle Separator genannt, ist ein Set gestapelter Siebe mit unterschiedlichen Maschenweiten. Das Prinzip ist einfach: Eine Probe der Totalmischration wird in die oberste Box gefüllt, das System wird geschüttelt, und die Futterpartikel verteilen sich je nach Grösse auf die verschiedenen Siebe.
Nach Angaben der deutschen Tierarztpraxis Kuhkraft besteht die Standardversion aus vier Ebenen: Das oberste Sieb mit 19 Millimeter Maschenweite trennt die langen Partikel ab, darunter folgen Siebe mit 8 Millimeter und 4 Millimeter Maschenweite. Die unterste Schale fängt die Feinpartikel auf. Kuhkraft ist laut eigenen Angaben ein tierärztliches Unternehmen, das Landwirte bei der verantwortungsvollen Milchproduktion unterstützt.
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So funktioniert die Anwendung
Die Universität Bern beschreibt auf ihrer Plattform «Gesunde Rinder» die korrekte Durchführung beim Test mit einer Schüttelbox: Es werden etwa 600 bis 700 Gramm Mischration entnommen – möglichst repräsentativ aus dem Futtertrog, nicht nur von der Oberfläche. Diese Probe kommt ins oberste Sieb. Dann wird das gesamte System fünfmal horizontal in jede Richtung geschüttelt, insgesamt also 40 Schüttelbewegungen.
Anschliessend wird jede Fraktion einzeln gewogen und der prozentuale Anteil an der Gesamtprobe berechnet. Die Verteilung zeigt, wie gut die Ration strukturiert ist.
Die Zielwerte für die gesunde Kuh
Gemäss den Tierärzten von Kuhkraft sollten folgende Anteile erreicht werden: oberste Ebene (über 19 mm) 2 bis 8 Prozent, zweite Ebene (8 bis 19 mm) 30 bis 50 Prozent, dritte Ebene (4 bis 8 mm) 10 bis 20 Prozent und unterste Schale (unter 4 mm) 30 bis 40 Prozent.
Die Universität Bern nennt auf ihrer Plattform «Gesunde Rinder» ähnliche Richtwerte und betont, dass zu viele Feinpartikel auf mangelnde Struktur hindeuten. Zu viele grobe Partikel hingegen können zur Selektion am Futtertisch führen. Die UFA AG empfiehlt in ihren Fütterungshinweisen, dass der Anteil im obersten Sieb maximal zehn Prozent betragen sollte. So werden Rationen mit zu langen Bestandteilen rasch ersichtlich.
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Was die Ergebnisse bedeuten
Liegt der Anteil der Feinpartikel deutlich über 40 Prozent, fehlt der Ration Struktur. Die Folge: Die Kühe kauen zu wenig wieder, produzieren weniger Speichel, und der Pansen-pH sinkt. Das Risiko einer Sapa steigt dadurch deutlich.
Umgekehrt zeigt ein zu hoher Anteil langer Partikel, dass die Kühe selektieren können. Sie fressen die energiereichen Feinanteile zuerst und lassen das strukturreiche Futter liegen – mit demselben Resultat, nämlich unausgeglichene Futteraufnahme und Pansenprobleme.
Die Schüttelbox liefert also nicht nur eine Momentaufnahme der Rationsstruktur, sondern auch Hinweise auf mögliche Managementprobleme beim Mischen oder der Futtervorlage.
Ein unterschätztes Hilfsmittel
In der Schweiz ist die Schüttelbox bisher wenig verbreitet, obwohl sie an der Universität Bern als Diagnosewerkzeug bekannt ist und empfohlen wird. In anderen Ländern gehört sie längst zur Standardausrüstung in der Fütterungsberatung.
Dabei ist das Prinzip bestechend einfach: keine Laboranalyse, keine komplizierten Berechnungen – nur eine praktische Überprüfung direkt am Futtertisch. Die Anschaffungskosten sind überschaubar, und die Handhabung ist in wenigen Minuten erlernt.
Für Betriebe, die immer wieder mit Sapa-Problemen kämpfen oder ihre Fütterung optimieren wollen, kann die Schüttelbox daher ein wertvolles Werkzeug sein. Sie macht sichtbar, was sonst oft nur vermutet wird: ob die Ration tatsächlich die Struktur bietet, die der Pansen braucht.
