Der vergangene Sommer war für viele Schwyzer Schafbauern eine Herausforderung. Es war ein anspruchsvoller Alpsommer für die Älpler und Tierbesitzer der beiden grossen Schwyzer Schafalpen Erigsmatt und Charetalp. So mussten im vergangenen Juni die Schafe der Erigsmatt-Herde nach mehreren Moderhinke-Fällen auf der Vorweide Hobacher in Absprache mit dem Veterinäramt der Urkantone (VdU) wieder auf die Heimbetriebe zurückgeschickt werden. Eine Sanierung auf den Vorweiden war nicht möglich, da dort kein Futter mehr vorhanden war und die Sanierung mit einer so grossen Zahl von Tieren mit der Infrastruktur an diesem Standort eine enorme Herausforderung gewesen wäre. Auch in der Charetalp-Herde gab es auf der Vorweide positive Proberesultate. Somit verzögerte sich der Alpauftrieb von rund 2000 Tieren.

Positive Moderhinke-Testresultate bei Abtrieb

Gemäss Marco Gut, Kantonstierarzt der Urkantone, konnten nach erfolgter Sanierung Ende Juli schlussendlich drei Viertel der Tiere aufgetrieben werden. Beim Abtrieb von den beiden auf rund 2000 Meter über Meer gelegenen Alpen, der heuer erst um den 20. September erfolgte, wurden dann wieder erneut Moderhinke-Infektionen festgestellt. Auf einer der beiden Alpen mussten positive Moderhinke-Testresultate verzeichnet werden. Alle Talbetriebe, auf welche die Schafe dieser Alp zurückgingen, wurden dadurch für den Tierverkehr gesperrt.

Ursache der Reinfektion unklar

«Wie es zu dieser Reinfektion auf der Schafalp gekommen ist, lässt sich nicht abschliessend beurteilen», erklärt Marco Gut, Kantonstierarzt der Urkantone. Es sei nicht davon auszugehen, dass der Erreger auf einer Alp überwintern könne. Auch die Übertragung über Wildtiere sei nicht realistisch, da sich der Erreger in Wildtierpopulationen nicht über längere Zeit halten könne. Die Moderhinke-Tests seien verlässlich, zudem würden im Labor zusätzliche Positiv- und Negativkontrollen gemacht. Störungen durch Hemmstoffe oder Kontaminationen könnten so ausgeschlossen werden. «Für die betroffenen Tierhalter sind Reinfektionen sicher frustrierend. Es ist nun wichtig, aus den letzten Ereignissen die richtigen Schlüsse zu ziehen», erklärt Marco Gut weiter.

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Erstes Jahr gut verlaufen

Das erste Jahr des nationalen Bekämpfungsprogramms der Moderhinke sei, mit Untersuchungsperiode und dem anschliessenden Sommer, grundsätzlich sehr gut verlaufen. Die Schafhalter hätten sich engagiert und die Sanierungen hätten, wo nötig, in drei Vierteln der Fälle auf Anhieb funktioniert. Moderhinke-Reinfektionen würden sich aber auch zukünftig kaum vollständig verhindern lassen.

Zweite Untersuchungsperiode

Ähnlich sieht das auch Benno Föhn, der Präsident der Schwyzer Kleinviehzüchter: «Die Reinfektionen sind unschön und drückten sicher dem einen oder anderen Tierhalter aufs Gemüt. Dennoch ist es wichtig, dass nun alle Kleinviehhalter auch in der kürzlich angelaufenen zweiten Untersuchungsperiode wieder engagiert mitarbeiten.» Trotz des aktuellen Mehraufwandes und der zusätzlichen Kosten für die betroffenen Betriebe würden langfristig die Vorteile überwiegen. «Bessere Tageszunahmen, weniger Aufwand für die Klauenpflege und mehr Tierwohl sind nur einige Punkte, die Moderhinke-freie Betriebe schätzen», so Benno Föhn weiter. Es sei nun wichtig, die empfohlenen Biosicherheitsmassnahmen genau einzuhalten, denn der Moderhinke-Erreger könne über Stiefel, Kleidung, Hände, Werkzeuge oder Material- und Transportfahrzeuge auch indirekt übertragen werden. Auch auf Weiden könne sich der Erreger bis zu vier Wochen halten, ohne dass sich Schafe darauf befinden.

Jahrelang moderhinkefrei – heuer Infektionen

In den Kantonen Graubünden und Glarus wird die Moderhinke bei Schafen bereits seit Jahrzehnten bekämpft, aber trotz der Sanierungsmassnahmen kommt es immer wieder zu einzelnen Reinfektionen, so wie beispielsweise auf der Alp Laver, welche im Gebiet der Bündner Gemeinde Sent liegt. Neun einheimische und zwei auswärtige Schafbauern sömmern da ihre Tiere. Schon seit Jahren gab es auf dieser weitläufigen Alp im Unterengadin keine Moderhinke-Fälle mehr. «Dieses Jahr mussten wir Ende Alpsaison feststellen, dass mehrere Tiere Moderhinke-Symptome zeigten», erklärt Martin Noggler, Schafzüchter und Alpmeister der Alp Laver. Die Testresultate bestätigten die Vermutung von Älplerinnen, Älplern und Tierhaltern. Als es auf der Alp dann zusätzlich noch zu rund 30 Rissen durch den Wolf kam, wurde kurzentschlossen abgealpt.

«Wir können uns nicht erklären, warum es zu den Moderhinke-Fällen kam», erklärt Martin Noggler weiter. Im Rahmen des nationalen Moderhinke-Sanierungsprogramms des Bundes seien alle Bestände im vergangenen Winter getestet worden. Böcke, die in die Herde integriert wurden, seien vorher in Quarantäne gehalten worden. Auf der Alp seien die Schafe alle vier Wochen gebadet und hinkende Tiere behandelt worden. «Wäre der Erreger von den Talbetrieben gekommen, hätte es eigentlich nicht erst Ende Alpzeit zu Moderhinke-Fällen kommen dürfen», so Noggler weiter. Infolge der Grossraubtiere sei die Herde jeweils zusammengetrieben und nachts gepfercht worden, wodurch Moderhinke-Fälle sicher frühzeitig erkannt worden wären. Auch andere Schafalpen im Unterengadin hätten in den vergangenen Jahren vereinzelt Moderhinke-Infektionen verzeichnen müssen.