26 Pferde und zwei Maultiere wurden für die Schweizer Armee ausgewählt und werden nun die 12 Wochen dauernde Ausbildung im Nationalen Pferdezentrum Bern antreten. Die Pferdebeurteilung fand im NPZ über zwei Tage statt und wurde mit einem Fahrtest und der definitiven Kaufentscheidung beendet.
«Für den militärischen Einsatz»
Eine beeindruckende Anzahl, nämlich 75 Tiere, präsentierte sich vor Ort und wurde geprüft. Seitens Armee war ausgeschrieben, dass 20 bis 30 Tiere gekauft werden. «So lassen wir leider auch enttäuschte Gesichter bei den Pferdebesitzern zurück», sagt Ralph Lutz, Tierarzt, Oberst und seit diesem Jahr Chef Veterinärdienst der Armee. «Aber die Bedingungen sind klar: Wir suchen Tiere für den militärischen Einsatz, die zum Säumen und Reiten eingesetzt werden können, es braucht beides.»
Ausserdem müssten die Pferde genügsam und gutmütig sein, erklärt Lutz. «Die heutigen Soldaten haben nicht mehr denselben Hintergrund wie früher – die Pferde müssen heute ‘bedienerfreundlich’ sein.»
Weniger Pferde mit durchschnittlicher Qualität
Gesucht werden Wallache und Stuten mit einem sehr guten Exterieur. Sie müssen als Nutztier registriert und ordnungsgemäss geimpft sein. Beim Ankauf in den letzten Jahren habe es eine deutlich geringere Anzahl Pferde mit durchschnittlicher Qualität gegeben, so Ralph Lutz: «Aus meinem Blickwinkel ist dies natürlich vorteilhaft, denn wir können nun aus vielen Pferden auswählen.» Die Kommission müsse die richtigen Tiere auswählen und stehe in der Verantwortung.
Fahrtest am zweiten Tag
Das im letzten Jahr neu eingeführte System mit 10er-Gruppen, aus denen ein Rappel erstellt wird, habe sich dabei bewährt. Die häufigsten Faktoren, die einem Einzug in den Rappel entgegenstanden, waren Sarkoide und Warzen, Fehlstellungen, zu kleine oder zu grosse Pferde sowie nicht korrekt geimpfte Tiere. Im Rappel konnte die Kommission die Pferde erneut anschauen und Tiere für den Fahrtest am zweiten Tag auswählen. 29 Pferde und zwei Maultiere schafften diese Hürde und blieben über Nacht im NPZ.
«Man sieht, wie sie sich sofort wohlfühlen»
Kommissionsmitglied und Chef Schmiede der Armee, Hauptadjudant Bernhard Häberli, befürwortet das Fahren am nächsten Tag: «Die Pferde werden am ersten Tag in den Stall gebracht, wo eine schöne Ruhe herrscht, sie fressen gemütlich ihr Heu und man sieht, wie sie sich sofort wohlfühlen. Entsprechend ruhig gehen sie das Anspannen am nächsten Tag an, obwohl in ungewohnter Umgebung, und können so objektiv beurteilt werden.»
Preis entspricht der Qualität
Seitens NPZ freuten sich Fritz Schmid und Beat Schenk über die zahlreichen Zuschauer, das schöne Wetter und die stattliche Anzahl Pferde: «Bereits am Feldtest hier in Bern waren viele Pferde angemeldet – so spiegelt sich heute diese Situation. Hervorzuheben ist, dass für die Preis-Offerten seitens Armee die Qualität der Pferde berücksichtigt wird.»
«Schwierig, alle zu verkaufen»
Wie von Sabine Begert, Sachbearbeiterin Armeetiere zu vernehmen war, betrug der tiefste Kaufpreis 8700 Franken und der höchste 9600 Franken, womit der Durchschnitts-Kaufpreis bei 9340 Franken lag. Pauline Queloz, Geschäftsführerin des SFV und Vize-Präsident Christoph Haefeli sahen qualitativ gute Pferde beim Ankaufs-Event: «Es gibt viele dreijährige Freiberger auf dem Markt – da ist es schwierig, diese alle zu verkaufen.»
Eine solche Situation habe es aber auch schon vor Jahren gegeben – und sie höre auch von Züchtern, bei denen der Verkauf gut laufe, schränkt Queloz ein. «Fakt ist, dass der Käufer eine Auswahl an Pferden haben will – und diese ist aktuell vorhanden.»