Abo Goldene Jahre vorbei Sinkende Nachfrage auf dem Pferdemarkt: Bei den Freibergern ist der Corona-Boom Geschichte Tuesday, 14. October 2025 Gehören Pferde noch in die Landwirtschaftszone? Das war eines der Themen am Nordwestschweizer Pferdetag der Landwirtschaftlichen Zentren Liebegg, Ebenrain und Wallierhof in Gränichen. In der Agrarpolitik 2030 kommen Equiden nicht explizit vor, dort ist lediglich von landwirtschaftlichen Nutztieren die Rede. Heute sind aber schon 52 Prozent der Schweizer Pferde als Heimtiere deklariert. Sie belegen Fruchtfolgeflächen und kommen für den Lebensmittelkanal nicht einmal theoretisch infrage. Das heizt die Diskussion um ihre Daseinsberechtigung in der Landwirtschaftszone an.

«Pferde sind unverzichtbar für eine vielfältige Landwirtschaft»

Für Stéphane Montavon, Vizepräsident von Equi-Scope, der Plattform der Schweizer Pferdebranche, ist es klar: «Pferde sind unverzichtbar für die Biodiversität und eine vielfältige Landwirtschaft.» Aus Tierwohlgründen sollten sie Weideland und landwirtschaftliche Flächen nutzen dürfen. 

Equi-Scope kritisiert darum die heutige Praxis, wonach sich ein Pferdebesitzer für den Wechsel vom Nutz- zum Heimtier entscheiden kann. Das lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Es sei oft ein rein emotionaler Entscheid und mit Unwissen hinterlegt, erklärte Montavon. So darf ein Pferd mit Nutztier-Status durchaus eingeschläfert werden: Wie sein Leben zu Ende geht, entscheidet die Besitzerin. Viele wählen den Heimtierstatus auch deshalb, weil sie dann kein Behandlungsjournal für Arzneimittel führen müssen.[IMG 2]

Die Schweiz hat eine Sonderregelung

Stéphane Montavon wünscht sich eine Annäherung an die EU-Gesetzgebung: Pferde gelten grundsätzlich als Nutztiere und werden aus der Nahrungskette ausgeschlossen, wenn eine Medikation das nötig macht. Im September hat der Urner Ständerat Joseph Dittli eine Interpellation eingereicht. Er stellt kritische Fragen zur Sonderregelung der Schweiz, thematisiert die administrativen Hürden für Nutztierhalter und den «Food Waste» durch die Verbrennung euthanasierter Equiden. «Welche Bedeutung misst der Bundesrat den Pferden in der künftigen Agrarpolitik 2030 bei? Welche Rolle sollen Pferde in der Landwirtschaft noch spielen?», so Dittlis Fragen. 

Abo Galerie Anforderungen erfüllt Schweizer Armee kauft 26 Pferde und 2 Maultiere – strenge Auswahlkriterien für militärische Einsätze Sunday, 16. November 2025 Daneben gab es am Pferdetag einen bunten Strauss an weiteren Themen. Tierarzt Markus Schmidt von der Pferdeklinik Niederlenz sprach über Diagnose und Behandlung von Equinem Asthma. Christa Wyss von Agroscope gab Tipps für ein gutes Stallklima. Pflanzenbaufachmann Herbert Schmid informierte über Massnahmen im Futterbau bei schwierigem Wetter. Schliesslich gingen die Teilnehmenden auf Betriebsbesuch zu Hans-Peter Rüeggers Birkenhof in Büttikon. Der Landwirt hat sich auf Pensionspferdehaltung spezialisiert und betreut in seinem Aktivstall 27 Pferde.

Befestigte Wege mit Nutzen

Tierwohl versus Bodenschutz – dazu hat Charlotte Hiltebrand von Agroscope im Rahmen ihres Doktorats geforscht. Sie zeigte die Ergebnisse am Pferdetag. Das Raumplanungsgesetz will Landwirtschaftsland schützen und erschwert darum bauliche Massnahmen, zu denen auch die Befestigung von Paddock-Trails gehört. Hiltebrand hat in einem Feldversuch einfach rückbaubare Bodenplatten verlegt und Messungen gemacht. Das Fazit des Projekts «Soil-Horse»: Die Lochplatten verhindern auf Pferde-Trails zwar nicht die Verdichtung des Bodens und die Abnahme der mikrobiellen Biomasse, verschlechtern den Zustand aber auch nicht. Dafür bringt der befestigte Weg den Pferden einen grossen Nutzen. Diese Forschungsarbeit, so die Hoffnung der Pferdebranche, könnte ein erster Schritt zu einer pferdefreundlicheren Bewilligungspraxis sein.