Beide sind auf einem Bauernhof aufgewachsen, haben geheiratet, drei Kinder und wohnen jetzt wieder auf einem Betrieb. Christa Felber wohnt mit ihrer Familie seit 16 Jahren im Stöckli des elterlichen Betriebes, den ihr Bruder übernommen hat. Yvonne Fleischli wohnt knapp einen Kilometer Luftlinie entfernt mit ihrem Mann und den Kindern auf dessen Betrieb, den die Familie in einer Betriebsgemeinschaft führt. «Wenn wir beide in der Küche stehen, könnten wir uns sehen», meint Felber. Beide haben ihre Berufung gefunden.
Toller Charakter
Als Kind hielt Christa Felber Ziegen und schaute zu den Hühnern und Kaninchen ihrer beiden Brüder. Heute sind es Walliser Schwarznasenschafe: «Ich bin mega Fan vom Wallis, und für mich war klar: Wenn ich irgendwann wieder mehr Zeit habe, werde ich meine kleine Schafherde haben.» Und so startete die gelernte Medizinische Praxisassistentin (MPA) vor zehn Jahren mit drei Schafen, die sie damals von einem Züchter aus dem Entlebuch erwerben konnte. Es sei zu Beginn nicht einfach gewesen, als kantonsfremde Frau im Wallis Schafe zu kaufen. Heute umfasst ihre Herde, mit den Lämmern und dem Bock, 13 Tiere.
Die Schafe weiden im Sommer unter den Obstbäumen, im Winter auf anderen Parzellen des Betriebes. «Die Schafe sind nicht nur optisch für mich einfach die Schönsten, sondern sie sind auch charakterlich einfach mega», schwärmt die dreifache Mutter. Sie sind sehr zahm, haben alle Namen und kommen heran, sobald man die Weide betritt. Auch der Bock «Tscheggi» sei sehr umgänglich, da müsse man keine Angst haben, wenn man in der Herde stehe. «Tscheggi» ist der zweite Bock und bereits fünf Jahre alt. Seine Hörner sind imposant, genauso wie die Ramsnase und seine Grösse. Die typischen Löckchen der Wolle verleihen ihm wiederum eine sanfte Optik.
Die 43-Jährige verkauft die Lämmer jeweils an Privatpersonen, aber auch an andere Züchter(innen), wobei sie nicht im Herdebuch züchtet. Sieht sie, dass «Tscheggi» eine der Damen deckt, so notiert sie sich das Datum und berechnet den Geburtstermin. «Ich liege damit bis auf einen, zwei Tage immer richtig», meint sie, nicht ohne Stolz in der Stimme. Bei den Geburten der Lämmer könne sie davon profitieren, dass sie als Kind jeweils geholfen habe, die Fährli der Moren zur Welt zu bringen: «Ich habe da keine Berührungsängste.» Das komme aber auch vom medizinischen Wissen ihres Berufes als MPA, auf dem sie nach wie vor 30 % arbeitet.
Für Christa Felber sind die Schafe nicht nur ein Hobby, sondern auch die Möglichkeit, den Alltag kurzzeitig hinter sich zu lassen und sich bei ihren Tieren im Hier und Jetzt zu erden.
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Sie hat es geschafft
Um die Ästhetik und die Erfüllung in der Arbeit geht es auch bei Yvonne Fleischli. Sie ist mit Leib und Seele Floristin. Ihre Mutter hat einen grossen Bauerngarten mit unter anderem vielen Blumen. So sei für sie schon immer klar gewesen, dass sie Floristin lernen möchte, was sie auch gemacht hat. Heute hat sie ihr eigenes Arbeitsatelier im ehemaligen Schweinestall ihres Hofes. «Dort ist es schön kühl, ich habe Platz und kann alles liegen lassen, wie ich es brauche», erklärt Fleischli. Ihr Metier ist die Auftragsfloristik. Sie kreiert Gestecke für Hochzeiten, Trauerfälle, Restaurants oder als Blumenabo.
Dass sie es trotz der Kinder und der damit verbundenen Aufgaben geschafft habe, sich dieses Standbein aufzubauen, mache sie besonders stolz, so die 40-Jährige. In der Landwirtschaft selbst helfe sie nur zu Spitzenzeiten wie dem Heuet mit. Das wiederum klappe zumeist gut, denn die Saison der Hochzeiten sei eher vorher und wieder nachher. «Und wenn es sehr hektisch ist, stehe ich früher auf und habe bereits zwei Stunden gearbeitet, bis die Kinder zur Schule gehen müssen.» Am Morgen sei sie sehr produktiv, wodurch sie am Abend dann dafür den Feierabend mit ihrer Familie geniessen könne.
Die Freude der Kund(innen), wenn diese ihre floralen Werke sehen, ist für Yvonne Fleischli besonders schön. Sie selbst bevorzuge weisse und pastellige Blumen, wie sie unter den Ranunkeln, Anemonen oder Dahlien zu finden sind. «Ich mag es natürlich, bin aber auch detailverliebt», meint die Floristin. Ebenso arbeitet sie gerne mit Trockenblumen, da die Gestecke so haltbar und pflegeleicht sind.
Über 30 Jahre
Lange halten nicht nur die Blumen, sondern auch die Freundschaft der beiden Frauen. Aufgewachsen sind sie auf benachbarten Betrieben. Die Landwirtschaft und dass sie die einzigen Mädchen in der näheren Nachbarschaft waren, verband sie. «Sowie, dass alle im Sommer in die Ferien fuhren, nur unsere Familien nicht – wir mussten daheim helfen», so Christa Felber. In die gleiche Klasse seien sie aber aufgrund des Altersunterschiedes nicht gegangen, sondern jeweils mit einem der Brüder der anderen. Auch die insgesamt sechs Kinder der beiden gehen versetzt zur Schule.
«Unsere Kinder spielen aber öfter zusammen oder waren früher auch mal zum Mittagessen bei uns», so Yvonne Fleischli. Die beiden Familien unternehmen öfter etwas gemeinsam, mal mit und mal ohne Kinder. Auch ohne täglichen Kontakt sei ihre Freundschaft, die nun über 30 Jahre anhält, dennoch ein wichtiger Teil ihres Lebens. Dass eine Freundschaft so lange anhalte, sei keineswegs selbstverständlich – da sind sich die beiden einig.Anita Märki