Erkrankungen wie Kokzidiose, Toxoplasmose und Neosporose schwächen besonders Lämmer und können erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Prof. Walter Basso von der Vetsuisse Bern erläuterte kürzlich in einem Webinar die wichtigsten Erreger, ihre Übertragung, typische Symptome sowie wirksame Präventionsmassnahmen.
Kokzidiose – Lämmer besonders gefährdet
Die Kokzidiose – oder Eimeriose – ist eine weltweit vorkommende, durch Eimeria-Arten verursachte Erkrankung. Zwar infizieren sich fast alle Hauswiederkäuer irgendwann mit Eimerien, «aber Lämmer zwischen vier und acht Wochen sind eindeutig am stärksten betroffen», erklärte Walter Basso.
Die Parasiten stammen vor allem aus dem Kot infizierter Tiere und gelangen über kontaminierte Einstreu, Futter, Tränken, Weideflächen oder das Euter in den Darm der Jungtiere. Dort vermehren sie sich in den Darmzellen, zerstören Schleimhaut und Darmzotten und führen zu breiigem Durchfall, Schwäche, Appetitlosigkeit und Entwicklungsstörungen. «Gerade junge Lämmer ohne Immunschutz sind besonders anfällig», sagte Basso. Stress, mangelnde Kolostrumversorgung, hohe Besatzdichte oder schlechte Stallhygiene erhöhen das Risiko zusätzlich.
Toxoplasmose – Gefahr für trächtige Tiere
Toxoplasmose ist weltweit verbreitet und gleichzeitig eine bedeutende Zoonose: «Rund ein Drittel der Menschen trägt den Erreger in sich», so Walter Basso. Katzen sind die Endwirte; alle anderen Warmblüter dienen als Zwischenwirte. Die langlebigen Oozysten gelangen über Katzenkot in die Umwelt und von dort ins Futter oder auf Weideflächen.
Schafe infizieren sich meist oral. Bei erwachsenen Tieren verläuft die Infektion oft unauffällig – «kritisch wird es jedoch bei einer Erstinfektion trächtiger Schafe», sagte Basso. Folgen können Fehlgeburten, fetaler Tod oder lebensschwache Lämmer sein.
Zur Prävention dienen sauberes Futter, sauberes Wasser und der Ausschluss von Katzen aus Stall und Futterbereichen. «Antikörpertests helfen uns einzuschätzen, welche Tiere bereits Kontakt hatten», erklärte der Fachmann. Für den Menschen besteht ein Risiko durch ungenügend erhitztes Fleisch.
Neosporose – selten, aber relevant
Neospora caninum ist vor allem als Abortursache beim Rind bekannt, kann jedoch auch Schafe betreffen. Hunde scheiden Oozysten aus, die nach wenigen Tagen infektiös werden. «Nimmt ein trächtiges Schaf solche Oozysten auf, kann der Fötus infiziert werden», sagte Walter Basso. Das kann Aborte, Totgeburten oder lebensschwache Lämmer zur Folge haben.[IMG 2]
Die Übertragung erfolgt sowohl horizontal über die Umwelt als auch vertikal auf das ungeborene Lamm. «Beim Schaf wissen wir noch relativ wenig über die tatsächliche Verbreitung und wirtschaftliche Bedeutung der Neosporose, weil bei Schafaborten nur selten auf diesen Erreger untersucht wird», erklärte Basso; Prävalenzen sind niedriger als bei der Toxoplasmose, doch Aborte wegen N. caninum wurden dokumentiert.
Hygiene, Prävention und Behandlung
Effektive Hygienemassnahmen sind bei allen drei Erkrankungen entscheidend:
- trockene, saubere Ställe
- regelmässiger Einstreuwechsel
- thermische Reinigung über 130 °C
- chemische Desinfektion
- Vermeidung kontaminierter Weideflächen
«Gegen Kokzidiose stehen uns wirksame Mittel wie Toltrazuril, Diclazuril oder Sulfonamide zur Verfügung», erläuterte Walter Basso. Ergänzend kommen Flüssigkeitstherapie und – bei bakteriellen Begleitinfektionen – Antibiotika zum Einsatz. Jede Behandlung sollte in Absprache mit dem Tierarzt oder der Tierärztin erfolgen.
Wer die Risiken kennt, auf konsequente Hygiene achtet, frühzeitig reagiert und eng mit Fachpersonen zusammenarbeitet, kann die Auswirkungen auf Lämmer und den Bestand deutlich reduzieren. «Prävention, rechtzeitige Diagnose und gezielte Therapie sind die Basis», fasste Basso zusammen.
Webinar-Reihe läuft weiter
Das Webinar ist Teil einer laufenden Reihe zur Schafhaltung. Die Reihe wird in den kommenden Monaten fortgesetzt und bietet Schafhalterinnen und Schafhaltern weitere Gelegenheiten, ihr Fachwissen zu vertiefen und von praxiserprobten Betrieben zu lernen.
Die Webinare sind kostenlos und man kann auch nur an einzelnen Terminen dabei sein.
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