Im Bio-Schafzuchtbetrieb Iselisberg auf 80 Hektaren im thurgauischen Hügelland dreht sich alles um die Lämmeraufzucht: Johanna Huber und Urs Maier begleiten die Tiere vom ersten Tag bis zum Verlassen des Hofs, sorgen für gesunde Aufzucht, optimales Stallklima und einen klaren Zuchtplan. «So behalten wir das gesamte Management in der Hand», sagen sie.

Rund 70 000 Liter Bio-Kuhmilch für die Aufzucht

Die Herde ist in zwei Gruppen eingeteilt, sodass Ablammungen zweimal jährlich stattfinden – im Januar/Februar sowie im Juli/August. Jedes Schaf lammt einmal pro Jahr. Die Lämmer bleiben nur wenige Stunden, maximal einen halben Tag, bei der Mutter.

Nach der Geburt werden die Lämmer zunächst in kleinen Gruppen von sieben bis zehn Tieren in mobilen Boxen untergebracht. In dieser Phase erhalten sie direkt Biestmilch aus dem Betrieb, mindestens drei Tage lang. Nach rund fünf Tagen werden die Gruppen auf etwa 40 Tiere vergrössert, während die Fütterung schrittweise angepasst wird: zuerst Schafsmilch, ab dem zehnten Lebenstag eine Mischung aus Schaf- und Ziegenmilch, und fünf Tage später zusätzlich Kuhmilch.

Insgesamt werden jährlich rund 70 000 Liter Bio-Kuhmilch für die Aufzucht zugekauft. Ab dem vierten bis fünften Lebenstag steht den Lämmern Kraftfutter zur freien Aufnahme zur Verfügung. Unter anderem erhalten sie den UFA-864-Lämmerwürfel, der neben einem hohen Grasanteil auch eine Kräutermischung enthält, die sich laut Maier positiv auf die Kokzidienkontrolle auswirkt.

70 Prozent gelangen in die Zuchtgruppe

Die Entscheidung, alle Lämmer auf dem eigenen Hof aufzuziehen, beruht auf praktischen Erfahrungen. Früher wurden die Jungtiere nach rund zehn Tagen an andere Betriebe abgegeben und trafen dort auf neues Futter sowie ein anderes mikrobielles Umfeld – eine Belastung für ihr noch unreifes Immunsystem. «Die früheren Verluste lagen nicht an den Lämmermästern», sagt Urs Maier. «Heute wachsen alle Lämmer im gleichen Umfeld auf und starten unter konstanten Bedingungen – das macht einen Unterschied. Für uns ist das der richtige Weg, aber andere Betriebe können mit einem anderen System ebenso erfolgreich arbeiten.»

In der Deckplanung setzt der Betrieb auf eine Kombination aus Texel und Lacaune. Tiere mit guter Leistung werden mit Lacauneböcken belegt und verbleiben in der betriebseigenen Nachzucht. Rund 70 Prozent der Erstlaktierenden gelangen so in die spätere Zuchtgruppe. Die anderen Schafe werden mit Texel belegt und gehen später an Mastbetriebe.

So behalten sie die Aufzucht im Griff

Die Gesundheit der Lämmer hat auf dem Betrieb einen hohen Stellenwert. Zur Vorbeugung von Lippengrind erhalten die Tiere 10 Milliliter Locatim, ein Präparat aus Biestmilch, das normalerweise gegen Kälberdurchfall eingesetzt wird. Dadurch zeigen sie nur eine schwache Form der Erkrankung und werden gleichzeitig immunisiert – ein deutlicher Vorteil für die nachfolgenden Mastbetriebe. Die erste Clostridien-Impfung erfolgt mit drei Wochen, kurz vor dem Absetzen wird ein zweites Mal geimpft, sodass eine vollständige Grundimmunisierung erreicht wird. Zusätzlich wird Vecoxan eingesetzt, um Kokzidienbefall vorzubeugen.

Wesentlich für stabile Tiergesundheit ist zudem das Stallklima. Im Lämmerraum herrschen dank Wärmeplatten rund 20 Grad. Die Frischluft wird über Salzsteine aus trockenem Bergsalz geleitet, die durch die Luftfeuchtigkeit zu tropfen beginnen und der Luft Keime entziehen.

Konsequent an einem Tag absetzen

Das Absetzen erfolgt konsequent an einem Tag, oft kombiniert mit einem Stallwechsel. Die Lämmer verlassen den Betrieb mit etwa 20 Kilogramm Lebendgewicht im Alter von durchschnittlich 40 Tagen. Erreichen einzelne Lämmer dieses Gewicht nicht, werden sie gezielt unterstützt. Schwächere Tiere oder Lämmer ohne Saugreflex sowie solche mit Atemproblemen erhalten warme Elektrolyt- oder Zuckerlösung über den Schlauch. In schwereren Fällen wird zusätzlich Cortison eingesetzt, um den Appetit anzuregen und die Stabilität zu verbessern.

Urs Maier fasst seine Erfahrungen so zusammen: «Es kommt nicht so aufs System an, sondern auf die Umsetzung. Alle Systeme funktionieren – auch wenn Lämmer bei der Mutter bleiben. Wichtig ist einfach, dass es richtig gemacht wird und die Grundsätze eingehalten werden.»

FiBL-Webinarreihe für Schafhaltende läuft weiter

Das Webinar ist Teil einer laufenden Reihe zur Schafhaltung. Urs Maier begrüsst das Engagement des Forschungsinstituts für biologischen Landbau ausdrücklich: Der Zulauf in die Schafhaltung sei gross, gleichzeitig werde die Branche in der Landwirtschaft oft wenig wahrgenommen. «Umso wichtiger sind praxisnahe Weiterbildungen wie diese», sagt Maier. Die Reihe wird in den kommenden Monaten fortgesetzt und bietet Schafhalterinnen und Schafhaltern weitere Gelegenheiten, ihr Fachwissen zu vertiefen und von praxiserprobten Betrieben zu lernen.

Die Webinare sind kostenlos und man kann auch nur an einzelnen Abenden dabei sein